Herkunftsauskleber für den Export | Bildquelle: dpa

Ifo-Institut Deutschland hat größten Überschuss

Stand: 20.08.2018 13:52 Uhr

In diesem Jahr dürfte der Wert der Waren, die Deutschland exportiert, den der Importe um rund 265 Milliarden Euro übertreffen. Die Zahlen bergen Brisanz. US-Präsident Trump droht mit höheren Zöllen.

Deutschland wird in diesem Jahr wegen seiner Exportstärke das dritte Jahr in Folge den weltgrößten Leistungsbilanzüberschuss aufweisen. Das ist das Ergebnis einer Prognose des Ifo-Instituts.

Der Überschuss dürfte sich auf umgerechnet 299 Milliarden Dollar summieren, so die Berechnungen der Münchner Forscher für die Nachrichtenagentur Reuters.

Politische Brisanz

Auf Deutschland folgt mit weitem Abstand Japan mit 200 Milliarden Dollar - vor den Niederlanden mit rund 110 Milliarden Dollar. "Dagegen dürften die USA wieder das Land mit dem größten Leistungsbilanzdefizit werden - mit knapp 420 Milliarden US-Dollar", sagte Ifo-Experte Christian Grimme.

Die Zahlen bergen politische Brisanz. Denn US-Präsident Donald Trump wirft Deutschland die enormen Überschüsse immer wieder vor, da sie angeblich zulasten der amerikanischen Wirtschaft gehen. Er drohte deshalb mit höheren Zöllen auf Autos, dem wichtigsten deutschen Exportschlager.

Kritik kommt aber auch vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission. Letztere hält Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes für stabilitätsgefährdend, da Ländern mit Überschüssen solche gegenüberstehen, die Defizite haben und sich verschulden müssen.

Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns stehen im Hafen von Emden zur Verschiffung bereit | Bildquelle: dpa
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Autos sind Deutschlands Exportschlager.

Deutsche Wirtschaft sieht kein Problem

Die deutsche Wirtschaft sieht in dem hohen Überschuss indes kein Problem. "Er verdeutlicht die Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen und die Attraktivität ihrer Produkte - und das aktuell in einem international schwierigen Umfeld", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

"Das Klagen darüber, dass Deutschland mit seinen Gütern die Welt überschwemmt, ist nur vordergründig zutreffend." Schließlich würden viele deutsche Firmen ihren Kapitalüberschuss in Form von Direktinvestitionen in den Aufbau von Arbeitsplätzen weltweit einsetzen.

Die größten Auslandsstandorte für Arbeitsplätze durch deutsche Investitionen seien China mit rund einer Million Beschäftigen sowie die USA mit mehr als 850.000. Den Exportüberschuss mit massiven staatlichen Eingriffen senken zu wollen, mache den Aufbau solcher Jobs schwieriger.

Überschuss ist nicht das Ziel

Der hohe Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands ist nach Angaben der Bundesregierung keines ihrer politischen Ziele. Der Überschuss sei vielmehr zum Teil abhängig von Faktoren, auf die man keinen Einfluss habe, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Ungeachtet dessen versuche die Regierung aber mit einer Stärkung der Binnennachfrage, auf einen niedrigeren Leistungsbilanzüberschuss hinzuwirken.

Warenhandel befeuert die Bilanz

Das aktuell große Bilanz-Plus geht vor allem auf den Warenhandel zurück. In diesem Jahr dürfte der Wert der exportierten Waren den der Importe um rund 265 Milliarden Euro übertreffen, sagte Grimme. "Haupttreiber für die Ausfuhr an Waren im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euro-Raums, den anderen EU-Ländern und aus den USA."

Zum Überschuss tragen aber auch die Erträge aus im Ausland angelegtem Vermögen bei, die sich auf rund 63 Milliarden Euro summieren dürften. "Dauerhaft hohe Leistungsbilanzüberschüsse können dann problematisch werden, wenn die Forderungen nicht eingelöst werden können, etwa wenn das Ausland nicht mehr fähig ist, die Zinslast zu bedienen", sagte Grimme.

Zahlungen an das Ausland - beispielsweise für die Entwicklungshilfe - dürften den Überschuss dagegen um rund 45 Milliarden Euro dämpfen.

Dämpfer durch Dienstleistungen

Auch bei den Dienstleistungen schlägt dem Ifo-Institut zufolge im laufenden Jahr ein Defizit zu Buche, das bei etwa 18 Milliarden Euro liegen soll. Exportweltmeister China, mit dem Trump ebenfalls einen Handelsstreit mit höheren Zöllen angezettelt hat, dürfte in diesem Jahr dagegen nicht mehr unter den ersten drei Ländern mit den höchsten Überschüssen zu finden sein.

"Aufgrund sehr starker Einfuhren und schwächerer Ausfuhren ist der Warenüberschuss deutlich niedriger im ersten Halbjahr 2018", erklärte Grimme. "Dabei wurde vor allem weniger in die USA und nach Europa exportiert."

Außerdem seien die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen kleiner geworden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2018 um 12:00 Uhr.

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