Vor der Zentralbank in Venezuela hängen überdimensionierte Scheine der Landeswährung Bolivar. | Bildquelle: AFP

Kampf gegen Schwarzmarkt Venezuela lockert Währungskontrolle

Stand: 03.08.2018 14:30 Uhr

Die venezolanische Regierung lockert die strenge Kontrolle der Wechselkurse. In zugelassenen Wechselstuben sollen künftig Devisen frei gehandelt werden können. Die Opposition wirft der Regierung Korruption vor.

Venezuelas sozialistische Führung will angesichts der massiven Wirtschaftskrise die strikte Devisenkontrolle lockern. Die Nationale Verfassungsgebende Versammlung stimmte für eine Legalisierung von bestimmten Transaktionen in Wechselstuben. Damit solle den Spekulanten das Handwerk gelegt und Venezuela attraktiver für Investoren gemacht werden.

Die Regelung folgt einem neuen Wirtschaftsplan von Präsident Nicolás Maduro, der den entfesselten Schwarzmarkt zähmen und die von Hyperinflation geplagte Wirtschaft retten soll. Erst kürzlich hatte der Staatschef angekündigt, im Kampf gegen die Inflation aus der Landeswährung zum 20. August fünf Nullen streichen zu wollen.

Venezuelas Staatschef Maduro präsentiert die neuen Banknoten | Bildquelle: REUTERS
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Venezuelas Staatschef Maduro präsentierte in der vergangenen Woche neue Banknoten.

"Vorzugskurs für die Regierung"?

Die Opposition wies die Reform als unzureichend zurück. "Die Währungskontrolle dauert an", schrieb der Wirtschaftsprofessor und oppositionelle Abgeordnete José Guerra auf Twitter. "Der Unterschied ist nur: Jetzt soll es anscheinend einen offiziellen Markt mit einem Vorzugskurs für die Regierung und einem teuren Kurs für die Bürger geben." Der Oppositionsabgeordnete Angel Alvarado kritisierte, Maduros Regierung gehe es nur darum, ihre Mitglieder durch Manipulation des Devisenmarkts zu bereichern.

In Venezuela gibt es seit Jahren eine ganze Reihe von parallelen Wechselkursen. Die venezolanische Zentralbank gibt den offiziellen Wechselkurs derzeit mit 172.368 Bolívar je Dollar an. Auf dem Schwarzmarkt hingegen kostet ein US-Dollar laut dem Portal "Dolar Today" etwa 3,6 Millionen Bolívar.

Das ölreichste Land der Welt steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Wegen Korruption und Misswirtschaft verfügt Venezuela kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Zuletzt prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) für das laufende Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Außerdem könnte die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent einbrechen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 03. August 2018 um 08:58 Uhr.

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