Ein Verkehrsschild, welches das Durchfahrtsverbot für ältere Diesel anzeigt, wird in Hamburg montiert.   | Bildquelle: REUTERS

Vorschlag der Umweltministerin Diesel-Umrüstung light?

Stand: 28.05.2018 11:36 Uhr

Ein Ende des Diesel-Skandals ist nicht in Sicht. Die Umweltministerin geht nun auf die Autohersteller zu - und der Verkehrsminister knöpfte sich Daimler-Chef Zetsche vor.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze macht im Diesel-Abgasskandal einen Schritt auf die Autohersteller zu. "Mir geht es nicht darum, sofort flächendeckend in Deutschland alle Diesel nachzurüsten", sagte Schulze der "Welt". Sie plädiere vielmehr für einen Stufenplan für die technischen Umbauten an Motoren.

Zunächst sollten gezielt Fahrzeuge dort nachgerüstet werden, "wo die Luft besonders schlecht ist". Auf diese Weise könnten Fahrverbote verhindert und der finanzielle Aufwand begrenzt werden. "Die Gesamtkosten lägen dann eher im niedrigen einstelligen Milliardenbereich", sagte Schulze. Sie sieht die Automobilindustrie in der Pflicht, verfügt allerdings über keine rechtliche Handhabe. "Es gibt keine Möglichkeit, sie zu zwingen", sagte Schulze.

Die Hersteller wollen nur mit Software-Updates die Schadstoffe senken. Hardware-Nachrüstungen, also Umbauten direkt am Motor, lehnen sie als zu aufwendig und teuer ab. Wegen hoher Stickoxide drohen an einigen Straßen besonders belasteter Großstädte Fahrverbote.

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung 2018 in Berlin
galerie

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Daimler-Chef Zetsche zum Rapport

Nach neuen Abgas-Vorwürfen verlangte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Aufklärung von Daimler-Chef Dieter Zetsche. Auch Daimler manipulierte nach Auffassung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) die Abgasreinigung bei Diesel-Fahrzeugen. Zetsche musste daher heute im Verkehrsministerium antreten.

Scheuer räumte Zetsche eine Frist von 14 Tagen eing, um die Vorwürfe möglicher Abgasmanipulationen an Dieselfahrzeugen der Marke Mercedes zu klären. Scheuer teilte nach seinem Treffen mit Zetsche darüber hinaus mit, Ziel eines vertieften Austausches über die hochkomplexen technischen Fragen sei es, die genaue Zahl der betroffenen Modelle zu ermitteln. "Bei einem weiteren Treffen in 14 Tagen werden die konkreten Ergebnisse auf dem Tisch liegen", so Scheuer.

Bei Untersuchungen des Kleintransporters Mercedes-Benz Vito habe die das KBA unzulässige Abschalteinrichtungen der Abgasreinigung entdeckt, hatte das Verkehrsministerium vergangene Woche mitgeteilt. Für weltweit gut 4900 Fahrzeuge, darunter gut 1370 in Deutschland, sei ein Rückruf angeordnet worden. Daimler will das nicht hinnehmen und hat Widerspruch angekündigt. Der Konzern wehrt sich gegen Vorwürfe, bei der Abgasreinigung getrickst zu haben.

Scheuer hatte gesagt, er habe das KBA angewiesen, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen. "Ich erwarte, dass Mercedes seinen Kunden gegenüber Klarheit schafft." Die Grünen forderten den Verkehrsminister auf, von Zetsche verbindliche Maßnahmen zu verlangen. Scheuer müsse klar machen, "dass die Kumpanei mit der Autoindustrie ein Ende" habe, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Der Verkehrsminister dürfe auch nicht länger selbst auf die Bremse treten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2018 um 08:00 Uhr.

Darstellung: