Vier Menschen stoßen mit Glühwein an | Bildquelle: dpa

Firmen mit findigen Ideen Weihnachtsfeiern gehen auch digital

Stand: 05.12.2020 05:05 Uhr

Lunchbox statt Drei-Gänge-Menü, Online-Quiz statt Club-Karaoke. Weihnachtsfeiern müssen in diesem Jahr ganz anders ablaufen als normalerweise: digital.

Von Alex Jakubowski, HR

Das Restaurant "Margarete" in der Innenstadt von Frankfurt am Main verschickt sein Weihnachtsessen in einer Box mit der Post - egal wohin. Die Idee stammt aus dem Frühjahr, als der erste Lockdown die Gastronomie nach Alternativen suchen ließ. "Unsere Weihnachtspakete bieten wir seit September an, doch gerade erst in den vergangenen Tagen hat die Nachfrage stark zugenommen", sagt Raffaela Schöbel, eine der Inhaberinnen des Restaurants." Das Konzept brauchte etwas Zeit, aber funktioniert jetzt offenbar. In den kommenden zwei Wochen sollen 1500 Boxen an die Kunden gehen.

Doch für eine digitale Weihnachtsfeier wäre eine Essensbox alleine natürlich zu wenig. "Das Menü kommt zwar im Paket nach Hause, der Rest der Unterhaltung aber per Stream", so Schöbel. Eine Agentur unterstützt das Restaurant bei Technik und Konzept. "Ein Mitarbeiter von uns erklärt dann auf dem Bildschirm, wie das Essen zubereitet werden soll oder was alles in den Aperitif muss."

Coversongs auf Bestellung

Gemeinsam gucken, gemeinsam kochen, gemeinsam feiern - gedacht ist das Ganze als Teamevent in Zeiten des Homeoffice. Die Angebote sind individuell zugeschnitten. Wer möchte, kann per Stream einem Bartender beim Mixen zuschauen und zu Hause mitmachen. Eine Live-Band spielt auf digitalen Zuruf Coversongs - in Echtzeit.

Schon im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, wurden langjährige Kunden des Restaurants abtelefoniert, um sie auf die neue Art der Weihnachtsfeier vorzubereiten. So hat eine große Frankfurter Anwaltskanzlei ihre abgesagte Sommerparty in den Dezember und ins Internet verlegt. Das Event, das sonst mit 200 Leuten in einem alten Kloster stattfindet, läuft jetzt über Videokonferenz und Stream - mit dazu gebuchter Moderation, damit Pausen aufgefangen werden können oder wenn Lücken entstehen.

Basteln unter virtueller Anleitung

"Schwierig wird es, wenn Unternehmen lange Reden oder analog geplante Beiträge 1:1 online umsetzen möchten. Das führt nicht unbedingt zur Zufriedenheit der Teilnehmenden", sagt Jessica Müller von der Hamburger Eventagentur Teamgeist. "Ein Event-Konzept für eine virtuelle Weihnachtsfeier sieht anders aus."

Mehr Abwechslung, mehr Interaktion sind gefragt. Zum Beispiel ein digitales Weihnachtsquiz, bei dem die Teilnehmenden per App Rätsel lösen und Aufgaben meistern. Ein Moderator führt durch die Veranstaltung, die Inhalte werden vorher mit dem Auftraggeber abgestimmt. Beim "X-Mas Upcycling Workshop" werden aus Papprollen Weihnachtssterne gebastelt. Alles unter virtueller Online-Anleitung natürlich.

Im digitalen Kaminzimmer

Eine digitale Fotobox soll die Teilnehmenden aufheitern, ein virtuelles Escape-Game für Spannung sorgen. "Wir können so Weihnachtsfeiern mit bis zu 2000 Personen stattfinden lassen", sagt Eventmanagerin Müller.

Statt am offenen Feuer kann dann im virtuellen Kaminzimmer geplauscht werden. Beim weihnachtlichen Speed-Dating hat jeder Teilnehmer eine Minute Zeit, davon zu erzählen, welches sein schönstes Weihnachtsgeschenk war oder welches Essen es traditionell zuhause gibt. Das sorge für Austausch auf ganz anderer Ebene als sonst im Büro. Ein Erfolgserlebnis soll entstehen, wenn am Ende der zugeschickte Lebkuchen-Bausatz zusammengesetzt ist.

"Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, an seine Mitarbeitenden zu denken und sie abseits des Arbeitsalltags zusammenzubringen", sagt Müller. Die Nachfrage der Unternehmen sei "riesig", sagt die Eventmanagerin. "Für den Dezember sind wir an all unseren Standorten ausgebucht."

Online-Origami und Weinverkostung

"Man sehnt sich nach Kontakten, nach Gesprächen, die nichts mit Geschäftszahlen zu tun haben", sagt auch Sascha Appel vom Unternehmen Sony Interactive in Neu-Isenburg. "Aber der Austausch auf dem Flur oder beim Mittagessen fällt eben weg, deswegen überlegen auch wir, eine digitale Feier zu machen."

Das japanische Unternehmen denkt über einen Online-Origami-Kurs nach, über gemeinsames Backen und ein großes gemeinsames Essen. "Wir wollen eine Art Weihnachtstour machen, bei der sich jeder einen Baustein aussuchen kann. Die einen können basteln, die anderen kochen und am Ende könnte es auch noch eine digitale Weinverkostung geben", sagt Appel. "Wichtig ist, dass die Angebote unkompliziert sind und Spaß machen."

Für das Restaurant "Margarete" könnte die Notlösung ein weiteres Standbein werden, über die Weihnachtszeit hinaus. Einige Unternehmen haben schon angekündigt, ihre Feiern ins kommende Jahr zu verschieben. Virtuell natürlich. Ein kleiner Lichtblick vielleicht für die Frankfurter Gastronomen.

Über dieses Thema berichtete die Aktuelle Stunde am 28. November 2020 um 19:30 Uhr im WDR Fernsehen.

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