Alexander Doll, Mitglied des Vorstands der Deutsche Bahn AG | Bildquelle: dpa

Nach Streit im Vorstand Bahn-Finanzchef Doll schmeißt hin

Stand: 15.11.2019 16:55 Uhr

Wochenlang gab es im Bahn-Vorstand einen Machtkampf, nun zieht Finanzchef Doll die Konsequenzen: Nach nur eineinhalb Jahren auf dem Posten hat er laut Medien einen Auflösungsvertrag unterschrieben.

Nach heftigem Streit im Vorstand der Deutschen Bahn wird Finanzchef Alexander Doll übereinstimmenden Medienberichten zufolge den Konzern verlassen. Demnach unterschrieb der Manager einen Auflösungsvertrag. Laut "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) erhält er eine Millionenabfindung. Es handele sich um eine siebenstellige Summe, heißt es unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns müsse dem Schritt in einer Sondersitzung am Montag noch zustimmen, hieß es. Konzernchef Richard Lutz soll das Finanzresssort vorübergehend mit führen.

Ein Arriva-Zug in Großbritannien | Bildquelle: dpa
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Der Verkauf der Auslandstochter Arriva ist bislang nicht gelungen.

Knackpunkt Arriva-Verkauf

Doll wurde im Aufsichtsrat zur Last gelegt, dass es bislang nicht gelungen ist, die Konzerntochter Arriva und damit einen großen Teil des Auslandsgeschäfts zu verkaufen. Das sollte bis zu vier Milliarden für die Eisenbahn in Deutschland bringen. Doch die Interessenten boten deutlich weniger, weil Schulden und Pensionsverpflichtungen auf Arriva lasten. Diese habe Doll in seiner Kalkulation für den Verkauf nicht berücksichtigt, berichtet das RND. Der Verkauf von Arriva ist nun auf Eis gelegt.

Eine Rolle soll auch spielen, dass sich Doll dem Wunsch des Bahnchef Richard Lutz widersetzt habe, das Finanzressort abzugeben und sich auf Güterverkehr zu konzentrieren.

Druck aus der Bundesregierung

Für einen Abgang des früheren Bankers hatte sich auch Verkehrsminister Andreas Scheuer hinter den Kulissen stark gemacht. Hintergrund des Zerwürfnisses im Vorstand ist zudem die kriselnde Güterbahn DB Cargo. Doll wollte diese Funktion abgeben, inzwischen hat der Aufsichtsrat dafür die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, bestimmt.

Doll war erst seit Januar auch für die Finanzen des größten deutschen Staatskonzerns zuständig, zuvor nur für die Ressorts Güterverkehr und Logistik.

Weg frei für zusätzliche Milliarden

Unterdessen machte der Haushaltsausschuss des Bundestags den Weg frei für zusätzliche Milliarden für die Bahn. Er stimmte bei seinen abschließenden Beratungen einer neuen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem bundeseigenen Konzern zum Erhalt des Schienennetzes zu. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Der Entwurf sieht Haushaltsmittel des Bundes in Form eines "Infrastrukturbeitrags" von insgesamt 51,4 Milliarden Euro vor - deutlich mehr als bisher.

Der Haushaltsausschuss beschloss in der Nacht zu Freitag aber nach Kritik des Bundesrechnungshofs an der Vereinbarung mehr Kontrollen - um zu sehen, ob die Bahn Ziele einhält. Falls das nicht geschieht, könnten Mittel gesperrt werden.

Konkret sollen sogenannte Verpflichtungsermächtigungen für die Haushaltsjahre 2025 bis 2029 teilweise qualifiziert gesperrt werden, wenn ein bestimmter Betrag überstiegen wird. Das Verkehrsministerium solle ab Ende 2021 alle zwei Jahre einen Bericht vorlegen, ob Zielwerte der Vereinbarung mit der Bahn erreicht werden.

Neues von der Bahn: Finanzvorstand muss gehen - Konzern kriegt mehr Geld
Dagmar Pepping, ARD Berlin
15.11.2019 18:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. November 2019 um 15:30 Uhr.

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