Mitarbeiter von Mercedes-Benz arbeiten im Werk in Bremen an einer C-Klasse. | Bildquelle: dpa

Arbeitsmarkt Trotz Rekordbeschäftigung trübe Aussichten

Stand: 02.01.2020 13:58 Uhr

Die Zahl der Erwerbstätigen hat in Deutschland 2019 ein Rekordniveau erreicht. Mehr als 45 Millionen Menschen hatten Arbeit. Doch immer mehr machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr so viele Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 45,3 Millionen Menschen waren selbstständig oder hatten einen Job, berichtet das Statistische Bundesamt. Mit 0,9 Prozent fiel das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr aber geringer aus. 2018 betrug das Plus noch 1,4 Prozent. Die schwächere wirtschaftliche Entwicklung drückt inzwischen auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. 

Der Anstieg der Beschäftigung hält bereits 14 Jahre an, wobei Zuwanderung und eine stärkere Erwerbsbeteiligung der Inländer die demografischen Effekte einer alternden Gesellschaft mehr als ausgeglichen haben. Während die Zahl der in Deutschland tätigen Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt 2019 um 475.000 auf 41,1 Millionen wuchs, ging die Zahl der Selbstständigen und ihrer mithelfenden Familienangehörigen weiter zurück: um 1,7 Prozent auf 4,15 Millionen. Weniger Selbstständige hatte es zuletzt im Jahr 2003 gegeben, wie das Bundesamt mitteilte.  

Gewinnwarnungen verursachen Arbeitsplatzsorgen

Doch trotz der Rekordbeschäftigung sorgen sich immer mehr Menschen hierzulande um ihren Arbeitsplatz. Laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) halten noch 43 Prozent der Deutschen ihren Arbeitsplatz für sehr sicher. Das sind sechs Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Das sei der geringste Wert seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren, erklärte die Consulting Firma. 

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sei weiterhin "sehr günstig", doch die schwächelnde Konjunktur und "die immer häufiger angekündigten Stellenstreichungspläne namhafter Unternehmen" sorgen laut EY für Verunsicherung. "Viele Unternehmen haben zuletzt Gewinnwarnungen herausgegeben oder sogar den Abbau von Arbeitsplätzen verkündet", erklärten die Berater. "An den Verbrauchern ist die Entwicklung nicht spurlos vorbeigegangen."

Demnach rechnen nur zwölf Prozent der Befragten mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Deutschland im bevorstehenden Jahr. "Gleichzeitig gehen 35 Prozent von einer Verschlechterung aus - höher war der Anteil der Pessimisten zuletzt 2012."

Gebremste Nachfrage

Die schwächere wirtschaftliche Entwicklung drückt inzwischen auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit, der auf aktuellen und tatsächlichen Stellengesuchen von Unternehmen beruht, sinkt seit März 2018 kontinuierlich. So auch im Dezember 2019: Im Vergleich zum Vormonat ging der sogenannte BA-X um 5 auf 223 Punkte zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergebe sich ein Minus von 31 Punkten, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.

Die gebremste Nachfrage nach Arbeitskräften macht sich nach ihren Angaben zurzeit vor allem in der Verkehrs- und Logistikbranche, der Industrie, dem Handel, der Zeitarbeit oder dem Gastgewerbe bemerkbar.

Dieser Beitrag lief am 02. Januar 2020 um 14:15 Uhr auf NDR Info.

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