Facebook-Gründer Mark Zuckerberg spricht im Facebook Innovation Hub. | Bildquelle: dpa

Cambridge Analytica Facebook akzeptiert offenbar Milliardenstrafe

Stand: 24.07.2019 08:26 Uhr

Facebook will Medienberichten zufolge eine Geldstrafe in Höhe von fünf Milliarden Dollar akzeptieren. Das weltweit größte soziale Netzwerk hatte für diesen Fall vorsorglich drei Milliarden Dollar zurückgelegt.

Insidern zufolge hat Facebook einem milliardenschweren Vergleich mit der US-Aufsichtsbehörde Federal Trade Commission (FTC) zugestimmt. Die geforderte Geldstrafe in Höhe von fünf Milliarden Dollar werde der Konzern akzeptieren.

Die FTC werde außerdem bekannt geben, dass der Konzern als Teil der Vereinbarung einen Vorstandsausschuss für Datenschutz einrichten werde, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch solle sichergestellt werden, dass die Privatsphäre der Nutzer künftig angemessen geschützt werde. Nach Informationen des "Wall Street Journals" soll Facebook-Chef Mark Zuckerberg dazu verpflichtet werden, persönlich für die Einhaltung von Datenschutz-Regeln zu garantieren. Damit könnte er bei Verstößen direkt verantwortlich gemacht werden.

Der Vergleich muss noch von einem Bundesrichter genehmigt werden. Sowohl Facebook als auch die FTC wollten sich zu den Berichten nicht äußern.

Facebook-Firmenchef Mark Zuckerberg. | Bildquelle: AFP
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Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprach im Zuge des Datenskandals um Cambridge Analytica Verbesserung beim Datenschutz, räumte aber gleichzeitig ein, das könne Jahre dauern.

Manipulation im US-Wahlkampf

Dem weltweit größten sozialen Netzwerk wird vorgeworfen, im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gegen Datenschutz-Gesetze verstoßen zu haben. Die Analysefirma Cambridge Analytica hatte Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern abgegriffen, die bei der Präsidentenwahl mutmaßlich missbraucht wurden, um Trump zu unterstützen.

Facebook wusste bereits seit Ende 2016 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass die Daten gelöscht wurden und informierte die Nutzer nicht. 2018 wurde der Vorfall bekannt und zur bisher größten Krise für Facebook.

Bei den Ermittlungen gegen Cambridge Analytica ging es unter anderem auch um die Frage, ob Facebook in diesem Fall gegen Auflagen aus einer Vereinbarung mit der in den USA für Verbraucherschutz zuständigen FTC von 2011 verstoßen hatte. Damals verpflichtete sich das Online-Netzwerk nach früheren Datenschutz-Verstößen dazu, keine Daten von Nutzern ohne deren Zustimmung an andere weiterzugeben.

Rücklagen für mögliche Strafzahlungen

Für die Strafzahlungen legte Facebook vorsorglich drei Milliarden Dollar zurück. Trotz der Rückstellung gab es im ersten Quartal einen Gewinn von 2,43 Millarden Dollar für das Unternehmen.

Die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer wuchs binnen drei Monaten um rund 60 Millionen auf 2,38 Milliarden. Täglich griffen auf das Online-Netzwerk 1,56 Milliarden Nutzer zu - nach 1,52 Milliarden im Vorquartal.

Über alle Facebook-Angebote hinweg waren 2,7 Milliarden Nutzer aktiv, davon 2,1 Milliarden täglich. Neben der Facebook-Plattform gehören zum Konzern auch die Foto-Plattform Instagram und die Chatdienste WhatsApp und Facebook Messenger.

Skandal um Nutzerdaten alarmierte rund um den Globus

Der Skandal um die Nutzerdaten hatte Politiker und Regulierer rund um den Globus alarmiert und zu einer breiten öffentlichen Diskussion darüber geführt, ob Facebook nicht stärker kontrolliert werden müsse.

Facebook-Chef Zuckerberg entschuldigte sich und kündigte Konsequenzen an. Gleichzeitig dämpfte er Hoffnungen auf schnelle Lösungen beim Datenschutz. Dem US-Nachrichtenportal "Vox" sagte Zuckerberg im März, er wünschte, er könne all diese Probleme in drei oder sechs Monaten lösen, doch sei eine "längere Zeitspanne" nötig. Man werde sich aus "diesem Loch herausgraben", doch das werde wohl einige Jahre dauern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2019 um 07:39 Uhr.

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