Die Logos der Apps von Twitter (von links), Facebook und WhatsApp. | Bildquelle: AP

Israelische Firma im Verdacht Facebook klagt wegen WhatsApp-Attacken

Stand: 30.10.2019 13:24 Uhr

Facebook wehrt sich erstmals gerichtlich gegen Ausspähattacken auf WhatsApp. Ein israelischer Anbieter von Überwachungssoftware soll in diesem Jahr versucht haben, 1400 Smartphones anzugreifen.

Das Online-Netzwerk Facebook hat einen Anbieter von Überwachungssoftware - die israelische Firma NSO - verklagt. Der Vorwurf: Die Firma wollte sich laut Facebook über eine inzwischen geschlossene WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf Hunderte Smartphones verschaffen. Allein in weniger als zwei Wochen im April und Mai dieses Jahres habe NSO rund 1400 Geräte angegriffen, erklärte Facebook in der eingereichten Klage. NSO betonte, das Unternehmen biete seine Dienste grundsätzlich nur Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten an.

Journalisten, Anwälte, Aktivisten und Regierungsbeamte

Laut Facebook sollen unter den Zielpersonen Journalisten, Anwälte, Dissidenten, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und Regierungsbeamte sein. Sie kämen aus Ländern wie Bahrain, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Facebook hatte die Sicherheitslücke bereits Mitte Mai geschlossen und öffentlich gemacht. NSO gelang es nach Angaben des Online-Netzwerks, Schadsoftware, die einen weitreichenden Datenabgriff ermöglicht, über WhatsApp-Anrufe zu verbreiten. Die Sicherheitslücke bestand in den WhatsApp-Apps für die Mobil-Betriebssysteme Android, iOS, Windows Phone und Tizen.

NSO-Programm "Pegasus"

Das NSO-Programm, das unter dem Namen "Pegasus" bekannt wurde, installierte sich dabei auf den Geräten selbst dann, wenn die Zielpersonen den Anruf nicht annahmen. Danach stellte es eine Verbindung zu Servern der israelischen Firma her und gewährte Zugang unter anderem zu Kontaktdaten und Inhalten von Nachrichten auf den Geräten. NSO gab die erbeuteten Daten dann an Kunden der Firma weiter.

Die unter anderem bei WhatsApp übliche Verschlüsselung bei der Übermittlung wird dabei nicht geknackt. Stattdessen hat das Programm Zugriff direkt auf das Gerät - und damit auf die Daten in unverschlüsselter Form.

NSO: Nur bei Missbrauch aktiv

NSO konterte, die Firma werde aktiv, wenn sie eine missbräuchliche Nutzung entdecke. Aber ihre Technologie sei nicht für den Einsatz gegen Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten gedacht. "Wir betrachten jede andere Nutzung unserer Produkte als zur Verhinderung von ernsthaften Verbrechen und Terrorismus als Missbrauch, der vertraglich verboten ist."

NSO betonte, die bei Messenger-Diensten inzwischen zum Standard gewordene Verschlüsselung stelle Sicherheitsbehörden vor massive Herausforderungen. "Die Wahrheit ist, dass die Plattformen mit starker Verschlüsselung oft von Pädophilen-Netzwerken, Drogenbossen und Terroristen für ihre kriminellen Aktivitäten genutzt werden." Die Technologie von NSO habe geholfen, in den vergangenen Jahren Tausende Leben zu retten.

Cyberspionage bei Whatsapp? Nachrichtendienst verklagt israelisches Techunternehmen
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
30.10.2019 14:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Oktober 2019 um 08:03 Uhr.

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