Eine junge Frau trägt in der Stadtbahn Hannover einen Mundschutz. | Bildquelle: dpa

Corona-Bilanz des ÖPNV Nicht einmal halbvolle Busse und Bahnen

Stand: 23.12.2020 09:55 Uhr

Nach einem Anstieg im Sommer ist die Auslastung der Busse und Bahnen in Deutschland zuletzt wieder gesunken. Auf Jahressicht zeichnet sich gar ein historischer Einbruch ab. Nun hofft die Branche auf 2021.

In Deutschland sind in diesem Jahr so wenige Menschen mit Bussen und Bahnen gefahren wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, sank die Auslastung auf rund 40 Prozent, nachdem sie jahrelang nur gestiegen war.

"Die Corona-Pandemie hat im ÖPNV tiefe Spuren hinterlassen", sagte Verbandspräsident Ingo Wortmann. "Sowohl die Fahrgastzahlen als auch die Einnahmen sind eingebrochen, weil die Menschen zu Hause geblieben sind und ihnen die Anlässe für die Fahrten gefehlt haben."

Hoffnung auf Rückkehr der Fahrgäste

Tatsächlich sorgen Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen und Kurzarbeit für weniger Nachfrage bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hinzu kommt, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, Touristen ausbleiben und Großveranstaltungen ausgefallen sind. Nach wie vor meiden auch etliche Pendler und Gelegenheitsnutzer Bus und Bahn, da sie ein höheres Ansteckungsrisiko vermuten.

Die Unternehmen haben Hoffnung, dass die Fahrgäste zurückkehren, wenn die Infektionszahlen sinken. Denn im August und September war die Nachfrage wieder auf 60 bis 70 Prozent des üblichen Niveaus gestiegen, nachdem sie im ersten Lockdown im Frühjahr auf 20 bis 30 Prozent abgesackt war.

"Unser Ziel ist es natürlich, alle Fahrgäste schnellstmöglich zurückzugewinnen, um die Verkehrswende voranzubringen und die wirtschaftliche Situation der Branche zu verbessern", sagte Wortmann. Denn trotz staatlicher Unterstützung sind die Unternehmen darauf angewiesen, Fahrkarten zu verkaufen.

Tickets nur geringfügig teurer

Diese wurden in diesem Jahr nur noch geringfügig teurer. Im Durchschnitt lag der Aufschlag nach Verbandsberechnung bei 1,3 Prozent nach 1,75 Prozent im Vorjahr. Die Erhöhungen waren in der Regel schon vor der Krise beschlossen worden, mancherorts wurden sie noch verschoben.

Ein Einzelticket kostet nun im bundesweiten Durchschnitt 2,70 Euro (plus 0,27 Prozent), ein Monatsticket 55,20 Euro (plus 1,38 Prozent). Fahrkarten seien eine wichtige Säule der Finanzierung und für den Angebotsausbau "angemessen weiterzuentwickeln", sagte Wortmann. "Jeder Euro, den die Unternehmen daraus erwirtschaften, wird direkt wieder in den Betrieb und ins Angebot investiert."

Rettungsschirm von Bund und Ländern

Im vergangenen Jahr waren noch 13,3 Milliarden Euro an Fahrgeld-Einnahmen zusammengekommen. Gut 9,4 Milliarden Euro kamen zusätzlich von der öffentlichen Hand. Für dieses Jahr erwartet die Branche einen Rückgang der Fahrkarten-Einnahmen um 3,6 Milliarden Euro. Auch 2021 werde man deutlich unter der üblichen Summe bleiben.

Bund und Länder haben zum Ausgleich für die fehlenden Einnahmen einen Rettungsschirm von bis zu fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt, denn der Nahverkehr in Deutschland gilt als systemrelevant.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.

Darstellung: