Fragen und Antworten

Ein- und Zwei-Cent Münzen | Bildquelle: imago/Winfried Rothermel

Plan der EU-Kommission Was das Cent-Aus bedeuten würde

Stand: 28.01.2020 16:46 Uhr

Die EU-Kommission möchte sich gerne von Ein- und Zwei-Cent-Münzen verabschieden. Wie sehen die Pläne hierzu aus? Was würde das für den Handel bedeuten? Und würden so die Preise steigen?

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Von Iris Marx, tagesschau.de

Warum will die EU-Kommission die Ein- und Zwei-Cent-Münzen überhaupt abschaffen?

Eines Vorneweg: Es geht nicht um die Abschaffung von Bargeld insgesamt. Auch nicht um einen ersten Schritt dahin. Ob Ein- und Zwei-Cent Münzen sinnvoll sind, wird schon länger diskutiert, eigentlich sogar schon seit der Einführung des Euro am 01.01.2002.

Der Grund hierfür sind die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten dieser kleinen kupferfarbenen Centstücke im Vergleich zu ihrem Wert. Bei den 1-Cent-Stücken übersteigen sie ihn sogar und sind damit für viele Europäische Mitgliedstaaten ein Verlustgeschäft.

Ursula von der Leyen | Bildquelle: GIAN EHRENZELLER/EPA-EFE/REX
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Ursula von der Leyen stellt morgen das Arbeitsprogramm der EU-Kommission für das Jahr 2020 vor. Ein Punkt davon soll der künftige Umgang mit 1- und 2-Centmünzen sein.

Dazu kommt, dass gerade diese Münzen in größerer Zahl hergestellt werden müssen, auch, weil sie häufiger verloren gehen, so ein Bericht der EU Kommission von 2018.

Wie könnten die Münzen aus dem Verkehr gezogen werden?

Die Überlegungen der Kommission gehen dahin, bei einer Barzahlung auf die nächsten fünf Cent auf- bzw. abzurunden. Kaufsummen, die auf ein, zwei, sechs oder sieben Cent enden, werden abgerundet. Kaufsummen, die auf drei, vier, acht oder neun Cent enden, werden aufgerundet. Bei einem Betrag von 4,68 Euro müsste der Verbraucher also 4,70 Euro zahlen. Bei einem Preis von 1,77 Euro müssten tatsächlich 1,75 Euro gezahlt werden. Gewinn und Verlust würden sich durch dieses System am ehesten ausgleichen. Ein- und Zwei-Cent-Münzen würden nach und nach überflüssig. Ihr Status als gesetzliches Zahlungsmittel könnte dann später aufgehoben werden. Einzelne Mitgliedsstaaten wie die Niederlande und Finnland machen das schon im Alleingang so.

Was bedeutet das für den Einzelhandel und der Akzeptanz beim Verbraucher?

Seit 2014 führt die Kommission jährlich Meinungsumfragen zu dem Thema durch. Dabei befürwortet recht stabil eine große Mehrheit der Europäer die Abschaffung. 2017 stimmten etwa 64 % dafür, 33 % dagegen. Der Verbraucher empfinde das Kleingeld oft als lästig. Aber der Einzelhandel möchte nicht ganz davon lassen. Dabei spielt gerade der Handel ein große Rolle. Beim Verkauf von alltäglichen Waren werden die kleinsten Münzen an den Kassen ja oft als Rückgeld ausgegeben. Der Handelsverband Deutschland (HDE) befürchtet aber, dass sich "der Bezahlvorgang an den Kassen verzögert" und fordert, wenn überhaupt, eine europaweit einheitliche Regelung, um mögliche Verwirrungen an den Kassen zu vermeiden.

Wie wirkt sich das auf die Preise aus?

Die Europäische Kommission sieht die Befürchtung einiger Verbraucher, dass die Preise nun systematisch eher aufgerundet werden könnten. Das sei aber nicht zu erwarten. Das System setze ja gerade auf ein vorgegebenes Auf- und auch Abrunden. Die Preise müssten eigentlich auch nicht angepasst werden, so dass sich nicht so viel für den Verbraucher ändern würde. Auch der Einzelhandel könnte weiterhin seine beliebten 99 Cent Preise setzen. In Finnland, den Niederlanden oder Irland, wo die Verwendung der Münzen bereits eingeschränkt wurde, hat sich gezeigt, dass die Rundungen keine messbaren Auswirkungen auf die Verbraucherpreisinflation (HVPI) hatten.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Januar 2020 um 16:11 Uhr.

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