Wirecard-Skandal BaFin-Chef Hufeld muss gehen

Stand: 29.01.2021 21:15 Uhr

Bei der BaFin kommt es nach dem Wirecard-Skandal zu einem Wechsel an der Führungsspitze. Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, räumt der Chef der Behörde, Hufeld, im Zuge einer Neuaufstellung einvernehmlich seinen Posten.

Der Chef der Finanzaufsicht, Felix Hufeld verlässt nach dem Wirecard-Skandal die Behörde. Man sei einvernehmlich zu dem Entschluss gekommen, dass es einen personellen Neustart an der Spitze der BaFin geben sollte, teilte das Bundesfinanzministerium mit. Nächste Woche sollen Details zum Umbau der Bonner Behörde veröffentlicht werden. Dieser wird vorgeworfen, im Wirecard-Skandal versagt zu haben.

"Personeller Neuanfang"

"Die geplante organisatorische Reform der BaFin verbinden wir mit einem personellen Neuanfang", sagte Finanzminister Olaf Scholz. Der Wirecard-Skandal habe offenbart, dass die deutsche Finanzaufsicht "eine Re-Organisation braucht, um ihre Aufsichtsfunktion effektiver erfüllen zu können", erklärte das Ministerium weiter. Dazu sei eine Untersuchung der BaFin in Auftrag gegeben worden, deren Ergebnisse in der kommenden Woche präsentiert würden.

Scholz erklärte: "Ich bedanke mich ausdrücklich bei Felix Hufeld für sein großes Engagement an der Spitze der BaFin in den vergangenen acht Jahren. Er hat die Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland und Europa in dieser Zeit maßgeblich geprägt und entscheidend vorangebracht." Hufeld selbst wünschte seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin "nur das Beste" bei der Bewältigung anstehender Aufgaben.

Der 59-jährige Jurist, der die BaFin seit März 2015 führte, hatte die Vorgänge rund um Wirecard als "Schande" bezeichnet und von der "entsetzlichsten Situation" gesprochen, in der er jemals einen Konzern in der ersten deutschen Börsenliga gesehen habe. Zugleich hatte er sich selbstkritisch zur Rolle der Aufsicht geäußert: "Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert."

Weitere Kündigungen bei Prüfbehörden

Nur kurz nach Hufelds Rückzug verließ auch BaFin-Vizechefin Elisabeth Roegele die Behörde. Roegele war bei der BaFin für die Wertpapieraufsicht zuständig und stand wegen ihrer Rolle im Wirecard-Skandal schon länger im Kreuzfeuer der Kritik. Anfang 2019 hatte sie für zwei Monate Leerverkäufe von Wirecard-Aktien verboten und damit Wetten gegen den Dax-Konzern untersagt. Dabei wurde dem Zahlungsanbieter in Medienberichten schon damals Bilanzmanipulationen vorgeworfen.

Ebenfalls gehen muss der Leiter der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose. Er war Mitte Dezember bereits freigestellt worden, am 13. Januar wurde ihm durch das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle außerordentlich gekündigt. Bose war wegen Aktiendeals im Zusammenhang mit dem Wirecard-Bilanzskandal in die Kritik geraten.

Die inzwischen insolvente Wirecard AG hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" aus - und zwar seit dem Jahr 2015. Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein.

Konsequenzen aus Wirecard-Skandal: BaFin-Chef Hufeld muss gehen
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
29.01.2021 18:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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