Giro- und Tagesgeldkonten Strafzinsen treffen viele Kunden

Stand: 03.04.2021 06:01 Uhr

Viele Banken und Sparkassen verlangen für Giro- und Tagesgeldkonten "Verwahrentgelte" - teils schon ab Einlagen von 10.000 Euro. Damit holen sie sich Negativzinsen der Zentralbank von ihren Kunden zurück - oder gehen noch weiter.

Von Gerrit Rudolph, HR

Zugegeben, mit konventionellen Einlagen in Giro- und Tagesgeldkonten können Finanzinstitute schon lange kein Geld mehr verdienen - eine Folge der Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. Die EZB fährt seit Jahren eine Nullzinspolitik, pumpt billiges Geld in die Märkte, um sie anzukurbeln. Die Banken müssen selbst für ihre Einlagen bei der EZB zahlen - also indirekt auch für die Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden. Diese Straf- oder Negativzinsen von 0,5 Prozent geben immer mehr Banken an ihre Kundinnen und Kunden weiter.

Immer mehr Banken ziehen nach

Statt wenigen Zehntelprozent Habenzinsen bekommt also der Kunde für das Geld, das er auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto hat, ab einer bestimmten Summe eine Gebühr aufgebrummt. Die Grenze liegt meist bei 100.000 Euro. Es trifft also keine Armen, könnte man denken. Aber immer mehr Banken und Sparkassen verlangen schon oberhalb von 10.000 Euro Strafzinsen.

Laut Untersuchungen des Zinsportals Biallo.de haben im März knapp 50 Banken und Sparkassen ein "Verwahrentgelt" für private Einlagen eingeführt. Insgesamt zählt das Zinsportal mittlerweile rund 370 Banken und Sparkassen, die Negativzinsen auf private Guthaben berechnen. Dazu gehören auch große Institute wie Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank, aber vor allem auch viele kleine Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Der geforderte Zinssatz liegt überwiegend bei 0,50 Prozent pro Jahr. Die meisten Banken geben also den Strafzins der EZB einfach weiter. Einige Sparkassen und Genossenschaftsbanken verlangen mehr. Ganz vorne dabei ist die PSD Bank Rhein-Ruhr. Für neu eröffnete Tagesgeldkonten ab 500.000 Euro kassiert sie ein Verwahrentgelt in Höhe von 1,00 Prozent pro Jahr.

Die Grenze verschiebt sich nach unten

Vor etwa einem Jahr lag die Grenze für Strafzinsen für Privatkunden meist bei 500.000 Euro. Noch liegen sie im Durchschnitt bei 100.000 Euro, Tendenz weiter fallend. Das heißt: immer mehr Kundinnen und Kunden, und auch nicht mehr nur sehr wohlhabende, sind betroffen.

Auch die ansonsten oft günstigeren Direktbanken senken die Schwelle, jenseits derer Strafzinsen fällig werden. Die 1822direkt, die Onlinetochter der Frankfurter Sparkasse, hat den Freibetrag für Neukunden zum 1. Februar auf 50.000 Euro gesenkt. Die Commerzbank-Tochter Comdirect setze im Dezember den Freibetrag auf 100.000 Euro herab. Auch ING, DKB und Norisbank führten Negativzinsen in Höhe von 0,50 Prozent ein und setzten den Freibetrag auf 100.000 Euro fest. Die Consorsbank hat noch keine derartige Gebühr für Privatkunden eingeführt.

Ist Fondsparen die bessere Alternative?

Ob beschönigend Verwahrentgelt oder Straf-, Minus- oder Negativzinsen: Das Ergebnis bleibt für Verbraucherinnen und Verbraucher gleichermaßen unerfreulich. Ursache bleibt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB senkte den Einlagenzins erstmals 2014 in den Minusbereich ab, auf -0,10 Prozent. Banken müssen seitdem auf Geld, das sie kurzfristig bei der EZB parken, Strafzinsen bezahlen.

2016 senkte die EZB den Einlagenzins auf -0,40 Prozent, 2019 weiter auf -0,50 Prozent. Das Ziel der EZB war ebenso klar wie einfach: Die Banken sollten ihre Einlagen nicht unproduktiv herumliegen lassen, sondern als Kredite auf den Markt werfen, um diesen so zu beleben. Funktioniert hat das, wenn überhaupt, nur in begrenztem Maß.

Mit der Einführung von Negativzinsen wollen viele Banken ihre Kunden motivieren, ihr Geld lieber in Aktien oder Fonds zu stecken, an denen die Geldhäuser über Provisionen mitverdienen können. Die Frage, ob Teile eines Guthabens - insbesondere ab einer bestimmten Höhe - nicht besser in Fondsprodukten angelegt sind als auf Giro- oder Tagesgeldkonten, ist sicher eine Frage, die nur sehr individuell beantwortet werden kann - immer entsprechend der persönlichen Risikobereitschaft. Stellen sollte man sich diese Frage aber auf alle Fälle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Januar 2020 um 12:00 Uhr und am 17. Februar 2021 um 17:05 Uhr in der Sendung "Wirtschaft und Gesellschaft".

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