Passanten vor einer Börsentafel in Tokio. | Bildquelle: dpa

Warnung vor hohen Kursen Zu viel Euphorie an den Börsen?

Stand: 07.12.2020 15:33 Uhr

Die Notenbank der Notenbanken, die BIZ, warnt vor Fehlentwicklungen an den Börsen. Die Kurse riskanter Wertpapiere und die tatsächlichen wirtschaftlichen Aussichten stünden in einem Missverhältnis.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt angesichts der Börsenhoffnungen auf einen baldigen Einsatz von Corona-Impfstoffen vor Übertreibungen an den Finanzmärkten. Die Märkte bewegten sich aufgrund der Impfstoff-Euphorie zwar in die richtige Richtung, sagte der Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, Claudio Borio, zur Veröffentlichung des am Montag veröffentlichten Quartalsberichts. "Die Bewertungen liegen jedoch wieder über oder nahe den vor der Pandemie verzeichneten Niveaus, als überzogene Bewertungen bereits ein Thema waren", warnte er. "Zwischen den Bewertungen risikobehafteter Wertpapiere und dem Wirtschaftsausblick scheint weiterhin eine gewisse Diskrepanz zu bestehen."

Risiken bei den Unternehmen

Die Notenbanken haben aus Sicht der BIZ mit ihrer konjunkturstützenden Geldpolitik weltweit die Renditen der Staatsanleihen niedrig gehalten. Titel im Volumen von 17,5 Billionen Dollar wiesen nach BIZ-Berechnungen sogar inzwischen negative Renditen aus. Auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten seien Investoren dadurch gedrängt worden, auf riskantere Wertpapiere zu setzen.

Gefahren sieht die Notenbank der Notenbanken angesichts des ungewissen Fortgangs der Corona-Krise im Unternehmenssektor. Die Unternehmen hätten im laufenden Jahr angesichts des sehr günstigen Zinsumfelds Anleihen im Rekordtempo emittiert - vor allem Titel mit langen Laufzeiten. Bei Hochzinsanleihen habe sich die Ausgabe von Papieren mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren binnen Jahresfrist sogar mehr als verdoppelt.

Anfällig für Nachfrageschwäche

Mit einer Erhöhung der Barmittel könnten zwar Liquiditätsrisiken abgefedert werden, aber dies helfe wenig, um die Lasten eines höheren Schuldendienstes zu verringern. Und dies sei ein Schlüsselfaktor für Solvenzprobleme. Firmen würden so anfälliger, wenn die Nachfrage schwächele oder sie mit finanziellen Schocksituationen zurecht kommen müssten. Die Renditeaufschläge von Unternehmensanleihen seien weiter gesunken und hätten fast das vor der Pandemie verzeichnete Niveau erreicht. Angesichts der großen Nachfrage nach Unternehmensanleihen sinken deren Renditen und damit auch deren Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen.

Ein gegensätzliches Signal komme dagegen aus dem Bankensektor. So hätten die Geldhäuser in den USA und Europa ihre Vergabestandards für Kredite zuletzt verschärft. In der Vergangenheit hätten sich die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen und die Kreditstandards jedoch im Gleichklang bewegt. Dass dies aktuell nicht so sei, erklärt die BIZ mit den Anleihekäufen der Notenbanken, der allgemein extrem lockeren Geldpolitik und der damit einhergehenden Suche der Anleger nach Rendite.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete der BR in der "B5 Börse" am 07. Dezember 2020 um 14:13 Uhr und 14:43 Uhr.

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