Straßenschild der Wall Street vor der New Yorker Börse | Bildquelle: AFP

Jahresbilanz der Wall Street US-Börsenrekorde trotz Pandemie

Stand: 29.12.2020 09:07 Uhr

Covid-19 und die Folgen der Pandemie haben die Welt in diesem Jahr geprägt. Viele Länder rutschten tief in die Rezession. Warum erreichen die US-Börsen gerade jetzt neue Rekordhochs?

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

"Ich glaube, wir haben es gerade getan." Es schien, als könnten die Börsenreporter vom Finanzsender CNBC es selbst nicht richtig glauben. Ausgerechnet am Ende des Corona-Jahres 2020 sprang der Dow Jones Index erstmals über die magische Marke von 30.000 Punkten.

US-Präsident Donald Trump war an jenem 24. November deutlich ergriffener, als er völlig überraschend bei der Pressekonferenz in Weißen Haus die Nachricht von der Wall Street aufgriff und erklärte: "Die Börse hat in diesem Augenblick die 30.000 durchbrochen. Eine heilige Zahl. Niemand hat geglaubt, dass sie je erreicht wird."

Große Kurssprünge in Trumps Amtszeit

Außer natürlich Trump selbst - und Händler wie Alan Valdes, der seit 40 Jahren auf dem Börsenparkett unterwegs ist und von US-Wirtschaftsmedien gerne als "Wall Street Veteran" bezeichnet wird. In der Tat sprach wenig dafür, als im März der Dow Jones durch den Corona-Schock unter 19.000 Punkte sank. Bereits im September hatte er die Verluste aber wieder aufgeholt.

"Die Stimmung wird erstmal gut bleiben. Ich habe schon vor mehr als einem Jahr vorhergesagt, dass der Dow Jones in diesem Jahr die 30.000 erreichen wird", sagt Valdes. "Vor uns liegt ein gutes Jahr - jedenfalls aus der Perspektive des Aktienhandels." Und das, obwohl Valdes - wie die meisten Händler an der Wall Street - lieber vier weitere Jahre Trump im Weißen Haus gehabt hätten. In dessen Amtszeit legte der Dow Jones mehr als 10.000 Punkte zu.

Rekordjagd der Börsenindizes am Jahresende

Nach Trumps Unterschrift unter das neue Corona-Hilfspaket schwangen sich die US-Börsen in den letzten Tagen des Jahres zu neuen Rekorden auf. Gestern erreichten der Dow Jones, der S&P 500 und die Auswahlindizes an der technologielastigen Nasdaq-Börse historische Höchstmarken.

"Trotz der Pandemie haben wir ein großartiges Jahr hinter uns. Viele Leute haben einen Haufen Geld verdient - auch die Unternehmen. Und das in einer Zeit, in der der Zinssatz bei null liegt. Diese Milliarden Dollar, die auf der Seite liegen, müssen investiert werden."

Indizes nicht repräsentativ für die US-Wirtschaft

Und zwar an der US-Börse. Weshalb selbst kritische Analysten wie Max Wolff von der Beratungsfirma "Systematic" davon ausgehen, dass es mit den Höchstmarken von Dow Jones, S&P 500 oder Nasdaq erstmal so weitergehen wird.

"Diese Indizes werden bestimmt von einer Handvoll von Tech-Firmen, die alle mehr als 500 Milliarden wert sind", sagt er. "Das ist nicht besonders repräsentativ für die US-Wirtschaft. Die Indizes zeigen an, wie populär diese Unternehmen gerade bei den Superreichen sind, haben aber sonst keine Bedeutung."

"Großartiges Jahr für alle Spekulanten"

Diese Mischung aus viel Geld im Markt und dem Glauben an alles, was irgendwie mit Internet und Online zu tun hat, erklärt für ihn auch die vielen erfolgreichen Börsengänge in diesem Jahr. Im Dezember sogar die beiden größten: So legte er Essenslieferant DoorDash am ersten Handelstag um 87 Prozent zu; der Apartmentvermittler Airbnb sogar um 113 Prozent. Beides sind Firmen, die weit davon entfernt sind, profitabel zu sein.

"Es wird wohl nur wenige Menschen geben, die dieses Jahr als gut oder gar fantastisch bezeichnen würden. Aber wenn man sich die Börsen ansieht, dann war es ein großartiges Jahr für alle Spekulanten", sagt Wolff. "Weil viele Regierungen, vor allem die US-amerikanische, entschieden haben, Geld in den Markt zu pumpen und diesen Spekulanten zu helfen, auf die falschen Firmen zu setzen."

Rekordjahr an der Wall Street: New Yorker Börse trotzt Corona-Pandemie
Peter Mücke, ARD New York
29.12.2020 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Dezember 2020 um 11:00 Uhr.

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