Rigides Sparprogramm Die Commerzbank hat große Ziele

Stand: 11.02.2021 16:54 Uhr

Die Commerzbank will mit Hilfe eines radikalen Sparprogramms wieder Gewinne machen. Doch Experten und Investoren sind skeptisch, ob das gelingen kann. Heikel ist die Situation auch für den Bund.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof drückt aufs Tempo. Bereits in diesem Jahr will das Geldhaus im laufenden Geschäft wieder Geld verdienen, nachdem im vergangenen Jahr ein Verlust von 233 Millionen Euro entstanden war. Wegen Kosten für den Konzernumbau, Abschreibungen auf Firmenwerte und einer höheren Risikovorsorge für faule Kredite ist 2020 unter dem Strich sogar ein Verlust von 2,9 Milliarden Euro entstanden - wieder einmal.

Auch bei den Einnahmen ging es weiter bergab. Sie sanken um gut fünf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro und damit doppelt so schnell wie die Kosten. Eine gefährliche Abwärtsspirale, die der neue Vorstandschef durchbrechen will. "Wir wollen nachhaltig profitabel werden und unser Geschäftsmodell neu aufstellen", sagte der ehemalige Deutsche-Bank-Manager bei der Vorstellung der Jahresergebnisse. "Dafür müssen wir die Bank in den kommenden Jahren tiefgreifend restrukturieren."

Systematische Digitalisierung

Manfred Knof | Bildquelle: dpa
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Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof will die Commerzbank wieder in die Spur bringen.

In Deutschland streicht Knof jede dritte Stelle. Fast die Hälfte der bundesweit 790 Filialen macht dicht. Noch dieses Jahr schließt die Bank 190 Zweigstellen. Auch in der Frankfurter Zentrale wird der Rotstift angesetzt. Zahlreiche Auslandsstandorte werden geschlossen, Unternehmenskunden sollen vermehrt online oder über das Telefon betreut werden. Überhaupt setzt Knof auf die systematische Digitalisierung aller standardisierten Arbeitsprozesse. Dabei helfen soll die Direktbank Comdirect, die kürzlich in den Konzern zurückintegriert wurde. Der Aktienhandel soll künftig an Kooperationspartner ausgelagert werden.

Insgesamt fallen dem Sparkurs konzernweit 10.000 Stellen zum Opfer. 80 Prozent des geplanten Personalabbaus sollen bis 2023 abgeschlossen sein. In drei Jahren, also 2024, will die Bank dann ein Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen von 2,7 Milliarden Euro erzielen. Anlegern, darunter dem mit 15 Prozent an der Bank beteiligten Bund, versprach Knof, in zwei Jahren wieder eine Dividende zu zahlen.

Schwund der Einnahmen stoppen

Unklar ist jedoch, wie die neue Konzernführung den seit Jahren zu beobachtenden Schwund der Einnahmen stoppen will. In den vergangenen zehn Jahren sind der Commerzbank bei den jährlichen Erträgen über zwei Milliarden Euro weggebrochen. Von 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2010 sind sie im vergangenen Jahr auf 8,2 Milliarden geschrumpft. Deshalb musste die Bank immer wieder an der Kostenschraube drehen, um doch noch Gewinne einzufahren.

Doch Sparpläne allein sind keine Strategie für die Zukunft, zumal eine schlankere Bank zwar weniger kostet, aber auch weniger Einnahmen generiert. Das weiß auch der neue Vorstandschef. "Natürlich reicht es nicht, zu schrumpfen und Kosten zu senken. Auch unser Geschäftsmodell stellen wir neu auf: Wir wollen die digitale Beratungsbank für Deutschland sein", sagte Knof am Donnerstag. Dennoch dürfte es schwierig werden, den Teufelskreis von sinkenden Einnahmen und neuen Einsparungen zu durchbrechen.

Skeptische Anleger

Wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist den Banken ein essenzieller Bestandteil ihres Geschäftsmodells weggefallen. Hinzu kommt, dass der deutsche Bankenmarkt im Geschäft mit Privat- und mittelständischen Kunden einer der wettbewerbsintensivsten in Europa ist. Das liegt nicht zuletzt an der Präsenz von öffentlich-rechtlichen Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsbanken, die von privaten Instituten wie der Commerzbank nicht übernommen werden dürfen, ihnen aber gehörig Konkurrenz machen.

In diesem Umfeld will die Commerzbank auf die verstärkte Beratung von vermögenden Privatkunden und mittelständischen Unternehmen setzen. Dennoch dürften die Einnahmen im laufenden Jahr eigenen Angaben zufolge weiter sinken. Entsprechend verhalten reagierten die Analysten der anderen großen Banken auf die Umbaupläne. Sie halten sie schlicht für wenig realistisch. Noch deutlicher ist die Reaktion der Börse. Die längst in den MDAX abgerutschte Commerzbank-Aktie ist der mit Abstand größte Verlierer in dem Index.

Schwierige Rolle des Bundes

Der Bund als größter Anteilseigner - er besitzt gut 15 Prozent der Aktien - hat die zahlreichen Sanierungspläne der vergangenen Jahre stets mitgetragen. Ein Ausstieg hätte sich auch finanziell als Verlustgeschäft erwiesen. Im Winter 2008, zum Zeitpunkt des Einstiegs, hatte der Anteil des Bundes 5,05 Milliarden Euro gekostet, heute ist er nur noch knapp eine Milliarde Euro wert. Als Aktionär hat der Staat also ein Interesse daran, dass sich die Commerzbank erholt und damit auch der Aktienkurs wieder steigt. Doch es dürfte schwer vermittelbar sein, wenn der Bund Stellenstreichungen hinnimmt - aber gleichzeitig Dividenden einstreicht.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. Februar 2021 um 13:15 Uhr.

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