Deutsche-Bank-Chef Sewing Alle Ziele erreicht?

Stand: 04.02.2021 17:24 Uhr

Einst gehörte die Deutsche Bank zu den Global Playern der Finanzbranche, doch diese Zeiten sind vorbei. Ungeachtet dessen zeigt sich Vorstandschef Sewing im tagesschau.de-Interview zufrieden mit den aktuellen Entwicklungen.

tagesschau.de: Die Deutsche Bank konnte im Corona-Jahr 2020 einen Gewinn erwirtschaften. Insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung bei Kosten und Erträgen: Sind Sie zufrieden?

Christian Sewing: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Bank. Wir haben genau das erreicht und sogar übererreicht, was wir uns vorgenommen haben. Alle vier Geschäftsbereiche liegen im Plan, die Investmentbank liegt deutlich besser als der Plan, die Kosten sind wie geplant herunter gekommen. Das ist ein schönes Resultat. Vorsteuergewinn und Nachsteuergewinn. Das gibt uns Rückenwind für die Folgejahre, an unserer Strategie festzuhalten und dann noch profitabler zu werden.

"Werden die Kosten senken"

tagesschau.de: Noch braucht die Deutsche Bank 88 Cent, um einen Euro zu erwirtschaften. Das kann ja so nicht bleiben. Wo wollen Sie ansetzen?

Sewing: Genau deswegen haben wir uns einen Plan bis Ende 2022 gegeben, um genau die Kosten anzugehen. Wir werden die Kosten nochmal um 2,8 Milliarden Euro senken bis zum Ende des Jahres 2022 die Erträge sogar leicht steigern. Und dann kommen wir zu einem ganz anderen Kosten-Ertrags-Verhältnis, so dass wir dann auch wirklich von nachhaltiger und dauerhafter Profitabilität sprechen können. Ich glaube, die Fortschritte im Jahr 2020 zeigen uns, dass wir auf einem guten Weg sind.

tagesschau.de: Die größten Einschläge durch Corona dürften aber noch bevorstehen. Noch sind die Insolvenzregeln für Unternehmen ausgesetzt, es gibt staatliche Hilfen. Die Krise dürfte sich erst mit Verspätung auf die Banken durchschlagen. Mit welcher Wucht rechnen Sie?

Sewing: Zunächst einmal greifen wir auf ein wirklich hochqualitatives Kreditbuch zurück. Wir haben deutlich weniger Wertberichtigungen gebildet als andere Wettbewerber, weil wir einfach ein starkes Kreditbuch haben. Wir glauben, dass wir im Jahr 2021 weniger Wertberichtigung haben als 2020, weil wir vorgesorgt haben. Und mit der weiteren Erholung der Wirtschaft gehen wir von weiterer Normalisierung in 2022 aus. Von daher glauben wir, dass wir den Höhepunkt in der Wertberichtigung gesehen haben.

tagesschau.de: Können Sie es nochmal konkret machen? Wie viel Prozent der Kredite sehen Sie denn als ausfallgefährdet an?

Sewing: Wir müssen es so sagen: Wir haben 0,4 Prozent im Jahr 2020 des Kreditbuchs wertberichtet, das ist im internationalen Wettbewerb eine enorm niedrige Zahl. Sie haben andere Banken, die 0,8 Prozent bis zu ein Prozent wertberichtigt haben. Das liegt an der Struktur unseres Portfolios, das liegt am starken deutschen Kreditbuch, aber auch an der Diversifizierung, die wir in diesem Kreditbuch haben. Von daher eine geringe Zahl, und wir glauben, dass wir in den nächsten Jahren noch weitere Normalisierung sehen.

Festhalten an "balancierten Geschäftsmodell"

tagesschau.de: Sie wollten ja eigentlich als Bank "langweiliger werden", sprich, das Privatkundengeschäft und das Firmenkundengeschäft stärken, im Gegenzug das Investmentbanking zurückstutzen. Jetzt werden dort aber die größten Gewinne eingefahren. Können Sie bei Ihrer Zielsetzung bleiben?

Sewing: Ja! Denn die Zielsetzung war, eine balancierte Bank aufzustellen, und genau dieses Ziel haben wir verfolgt und werden wir verfolgen. Wir sind genau im Plan im Geschäftsbereich der Privatkunden und Unternehmenskunden genauso im Asset Management.

Im Kapitalmarktgeschäft haben wir natürlich von der Volatilität an den Märkten profitiert. Aber auch insbesondere davon, dass wir in den Kerngeschäften, auf die wir uns vor anderthalb Jahren fokussiert haben, einfach stärker waren, als wir selbst erwartet hatten. Das nehmen wir natürlich mit, das heißt aber nicht, dass wir nicht bei einem balancierten Geschäftsmodell bleiben. Da sind wir auf dem richtigen Weg, und das werden wir auch weiterhin verfolgen.  

tagesschau.de: Und wo siedeln sie das Investmentbanking an?

Sewing: Es ist ein Kernbestandteil der Deutschen Bank. Es hilft insbesondere den deutschen und europäischen Unternehmen, im globalen Markt zu bestehen. Wir sehen in nächsten zwei Jahren eine Welle von großen Finanzierungen, Investitionen in Nachhaltigkeit, Investitionen in Technologie. Da brauchen sie ein großes Finanzhaus, das auch am Kapitalmarkt für die Unternehmen die Refinanzierung sicherstellen kann. Das kann in Deutschland nur die Deutsche Bank, und das muss die Aufgabe des Investmentbankings sein für unsere Kunden.

"Gute Leistungen müssen wir wettbewerbsfähig bezahlen"

tagesschau.de: Werden Sie die Boni für die Investmentbanker erhöhen und falls ja - wie erklären Sie das den Aktionären, die ja wieder keine Dividende bekommen sollen? 

Sewing: Zunächst einmal entscheiden wir über die variable Vergütung mit dem endgültigen Bericht im März. Das war schon immer so, von daher können wir heute noch nichts dazu sagen. Eins ist aber auch klar: Die Deutsche Bank befindet sich im internationalen Wettbewerb, das bedeutet, bei guten Leistungen müssen wir wettbewerbsfähig zahlen. Wir sind uns aber auch der Verantwortung hinsichtlich variabler Vergütung bewusst, ich glaube aber, wir haben in den vergangenen Jahren die richtige Balance gefunden, das gilt dann auch für die Folgejahre.

tagesschau.de: Die Commerzbank hat angekündigt, massiv zu sparen, bei Filialen und Mitarbeitern. Wie sehen Ihre weiteren Sparziele aus?

Sewing: Wir haben eine klare Strategie. Wir haben seit 2016 die Deutsche-Bank-Filialen um 40 Prozent gesenkt. Wir werden mit den zusätzlichen 100 Filialen, die wir in den nächsten zwei Jahren schließen werden, auf unter 400 Filialen kommen. Von daher sind wir deutlich weiter und haben den Trend, den die Commerzbank jetzt angekündigt hat, im Grunde schon vorweggenommen. Von daher ändern wir nichts an unserer Strategie, die steht und damit fühlen wir uns wohl.

tagesschau.de: Wie nachhaltig ist denn der Gewinn dieses Jahr? Können Sie nächstes Jahr wieder einen ausweisen?

Sewing: Erst einmal ist er erfreulich, und zweitens glauben wir einfach in der Zusammensetzung der Kostenentwicklung, von den niedrigeren Wertberichtigungen nächstes Jahr und von der Stabilität der Erträge, dass er sehr nachhaltig ist. Und natürlich ist es unser Ziel, nächstes Jahr wieder einen Gewinn zu zeigen - und den gegenüber diesem Jahr zu steigern.

Das Interview führte Sandra Scheuring, hr

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Februar 2021 um 16:00 Uhr.

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