Vorsprung der US-Finanzbranche Warum deutsche Banken weniger verdienen

Stand: 19.04.2021 16:04 Uhr

Manche US-Großbanken konnten zum Jahresbeginn ihre Gewinne vervielfachen. Die deutschen Geldhäuser dagegen haben immer noch mit schwachen Renditen zu kämpfen. Was sind die Gründe?

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing übernimmt im Juli den Posten des Cheflobbyisten der privaten Geldhäuser. Der Vorstand des Bankenverbands BdB wählte Sewing heute zum Nachfolger des Verwaltungsratsvorsitzenden der Privatbank Berenberg, Hans-Walter Peters. Sewing gilt als "Macher", dem es gelungen ist, Deutschlands größtes Geldhaus mitten in der Corona-Pandemie aus den roten Zahlen zu führen.

Dennoch hinkt auch die Deutsche Bank der ausländischen Konkurrenz hinterher, allen voran den großen Wall Street-Häusern. Wie groß der Abstand ist, zeigt ein Blick auf die jüngsten Quartalszahlen. Danach verdiente allein der amerikanische Branchenprimus JPMorgan in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit 14,3 Milliarden Dollar fast das Fünffache des Vorjahreswerts. Goldman Sachs versechsfachte den Gewinn auf 6,7 Milliarden Dollar.

Die Deutsche Bank veröffentlicht ihre neuen Quartalszahlen erst nächste Woche, doch ein Blick auf das vierte Quartal 2020 offenbart, wie weit der Konzern zurückliegt. So verdiente der deutsche Branchenprimus in dieser Zeit gerade einmal 189 Millionen Euro, 624 Millionen waren es im Gesamtjahr.

Nur ein Prozent Rendite

Auch jenseits der absoluten Zahlen überstrahlen die US-Banken die heimischen Institute bei weitem. So beträgt die Eigenkapitalrendite von JPMorgan im ersten Quartal dieses Jahres 23 Prozent. Die Deutsche Bank schaffte im vergangenen Jahr acht Prozent, die gesamte deutsche Finanzbranche zusammen, also die privaten Banken, die Sparkassen und die genossenschaftlichen Banken, kam gerade einmal auf ein Prozent.

Für einen solch riesigen Unterschied gibt es vielfältige Gründe. Dass die US-Banken im ersten Quartal ihre Gewinne so kräftig steigern konnten, liegt vor allem an der guten Wirtschaftslage des Landes. So konnten die Geldhäuser einen Großteil ihrer Risikovorsorge für faule Kredite auflösen, weil sie wegen der wieder anziehenden Wirtschaft - in diesem Jahr dürfte das US-BIP um 6,5 Prozent steigen - weniger Kreditausfälle befürchten müssen. Allein bei JPMorgan ist der Gewinn dadurch um 5,2 Milliarden Dollar in die Höhe geschnellt.

Hohe Gewinne aus dem Investmentgeschäft.

Gleichzeitig profitierten die großen US-Häuser von ihrer starken Stellung auf den Kapitalmärkten und dem hohen Beratungsbedarf der Unternehmen. JPMorgan nahm im Investmentbanking mit 2,9 Milliarden Dollar so viel ein wie nie. Goldman Sachs steigerte die Erträge in der Sparte sogar um drei Viertel. Zwar dürfte auch die Deutsche Bank von diesem Boom profitieren, sie ist einer der größten Devisen- und Anleihenhändler der Welt. Doch der große Rest der deutschen Bankenbranche sitzt dabei nur auf der Zuschauerbank. Die Commerzbank hat sich schon seit Jahren vom Handel an den Kapitalmärkten verabschiedet. Sparkassen und Volksbanken waren nie wirklich dabei.

Natürlich handelt es sich hier um ein äußerst volatiles Geschäft, doch in Zeiten von Nullzinsen ist es eine umso üppiger sprudelnde Einnahmequelle. Auch bei der Deutschen Bank ist das Investmentbanking der größte Ertragsbringer. Ohne die Einnahmen aus dieser Sparte hätte es das Bankhaus nicht geschafft, aus der Verlustzone zu kommen.

Zersplitterter Bankenmarkt

Auch in anderen Bereichen tun sich die deutschen Banken und Sparkassen schwer damit, ihre Einnahmen aus Gebühren und Provisionen zu steigern. Branchenbeobachter verweisen dabei auf den immer noch zersplitterten Bankenmarkt hierzulande, der eine angemessene Bepreisung der Leistungen verhindere. Tatsächlich bleibt die Aufteilung des Marktes in private Banken, öffentlich-rechtliche Sparkassen und Landesbanken sowie genossenschaftliche Häuser eine deutsche Besonderheit.

Für preissensible Privatkunden ist das ein Vorteil. Doch habe genau diese von der Politik gewollte Aufteilung dazu geführt, dass Deutschland als führende Wirtschaftsnation in Europa nur über eine einzige international aufgestellte Bank verfüge, monieren Experten bereits seit Jahren.

Allerdings haben die Banken auch selbst Schuld an ihrer Misere. So gelingt es den deutschen Geldhäusern nicht, ihre Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zu verringern und im Gegenzug ihre Einnahmen aus Gebühren und Provisionen zu steigern. Ganz anders in den USA: JPMorgan hat im ersten Quartal die zinsunabhängigen Einnahmen um 39 Prozent gesteigert, die Zinseinnahmen aber nur um elf Prozent.

Vergleichsweise hohe Kosten

Den Unternehmensberatern von McKinsey zufolge sind Deutschlands Banken nicht offensiv genug. Gemessen an ihren Einlagen vergeben sie deutlich weniger Kredite als ihre europäischen und US-Konkurrenten. Auch beim Verkauf von Anlagen hinken sie hinterher. Insgesamt seien deutsche Anbieter damit abhängiger von wiederkehrenden Gebühren als ihre ausländischen Wettbewerber, heißt es in einer bereits im vergangenen Sommer veröffentlichten Untersuchung.

Die Flaute bei den Einnahmen führt bei den Instituten zu einer verhältnismäßig hohen Kostenquote. Die Aufwands-Ertrags-Relation ist seit 2007 von 66 Prozent auf 83 Prozent gestiegen. Das liegt sehr deutlich über dem internationalen Durchschnitt von 70 Prozent. Um diesen Standard zu erreichen, müssen die Banken ihre Geschäfte weiter automatisieren und digitalisieren - mit der Folge, dass vor allem Deutsche Bank und Commerzbank viele Tausend Stellen streichen müssen.

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