Schutz vor Bankenpleiten So funktioniert die Einlagensicherung

Stand: 05.03.2021 16:03 Uhr

Zumindest Privatanleger können darauf hoffen, dass die Einlagensicherung für Verluste wegen der Turbulenzen bei der Greensill Bank einspringt. Was deckt dieses Sicherungssystem ab - und was nicht?

Anlagen werden in Deutschland und Europa von der Einlagensicherung geschützt. Dabei ist zwischen gesetzlicher und freiwilliger Einlagensicherung zu unterscheiden.

Alle paar Jahre ist es wieder soweit, dass eine Bank in Deutschland oder Europa in Schieflage kommt. Häufig sind dann auch die Spareinlagen der Kunden betroffen. Zunächst verbieten die zuständigen Aufsichtsbehörden, in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), den betroffenen Geldhäusern, Ein- und Auszahlungen vorzunehmen. Sie verhängen ein sogenanntes Moratorium. Kurzfristig haben die Kunden damit keinen Zugriff auf ihre Guthaben.

Im Fall Greensill Bank ist der Fall relativ klar. Die Bank hat die Rechtsform einer deutschen Aktiengesellschaft, sie ist damit trotz des australischen Mutterkonzerns formal ein deutsches Unternehmen. In diesem Fall sind die Anlagen zunächst bis zur gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro je Einleger abgesichert. Garantiegeber ist dabei die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, die das Geld im Schadensfall innerhalb von fünf bis sieben Tagen bereitstellt.

Wenn die Sicherung des Heimatlandes greift

Etwas anders gelagert sind vergleichbare Fälle bei deutschen Zweigstellen oder Zweigniederlassungen ausländischer Banken aus dem Europäischen Wirtschaftsraum EWR. Hierzu gehören alle EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen, aber beispielsweise nicht die Schweiz. In diesem Fall greift die Einlagensicherung des Landes, bei der die Mutterbank ihren Sitz hat. Die garantierte Summe beträgt auch hier jeweils 100.000 Euro pro Einleger.

Da in letzter Instanz die jeweiligen Staaten für ihre Einlagensicherungssysteme haften, kann sich im Falle einer systemischen Bankenkrise ein Blick auf die Bonität des jeweiligen Landes lohnen. So verfügt insbesondere Griechenland derzeit über ein schlechtes und Ungarn nur über ein befriedigendes Rating.

Vier gesetzliche Systeme

Für in Deutschland gelegene Zweigstellen und Zweigniederlassungen von Banken mit Sitz außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums EWR gelten laut dem Einlagensicherungsgesetz wiederum die gleichen Vorschriften wie für deutsche Banken. Sie müssen der deutschen gesetzlichen Einlagensicherung angehören, sonst dürfen sie keine Geschäfte in Deutschland betreiben. Die garantierte Summe beträgt auch hier jeweils 100.000 Euro je Einleger.

In Deutschland existieren insgesamt vier gesetzliche Einlagensicherungssysteme: die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB), die Entschädigungseinrichtung des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands GmbH (EdÖ) sowie die Institutssicherungssysteme der Sparkassen-Finanzgruppe und des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.

Manchmal 500.000 Euro abgedeckt

Doch bei den besagten 100.000 Euro muss es nicht bleiben. In besonderen Lebenssituationen kann die gesetzliche Einlagensicherung auch für bis zu sechs Monate auf bis zu 500.000 Euro erhöht sein; wenn beispielsweise Erlöse aus dem Verkauf von Immobilien oder sozialrechtlicher Ansprüche in einer Summe ausgezahlt werden. In einem solchen Fall sollten die Anleger die Summe dann im Anschluss an die Auszahlung aus Sicherheitsgründen lieber auf Konten bei mehreren Banken verteilen.

Freiwillige Einlagensicherung in individueller Höhe

Darüber hinaus bieten die meisten Banken eine so genannte freiwillige Einlagensicherung an, die Beträge über 100.000 Euro bis zu einer individuell unterschiedlichen Höhe absichert, die häufig mit Millionenbereich liegt. Auch hier gibt es vier freiwillige Einlagensicherungssysteme: Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), der Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe im Deutschen Sparkassen- und Giroverband (für Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen und die Dekabank) sowie die BVR Institutssicherung, die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken für die Genossenschaftsbanken.

Allerdings sind nur "natürliche Personen", also Privatanleger und rechtsfähige Stiftungen, durch die freiwillige Einlagensicherung geschützt. Die Einlagen von Kreditinstituten, Finanzinstituten, Wertpapierfirmen und Gebietskörperschaften genießen seit Oktober 2017 keinen grundsätzlichen Schutz mehr. Kommunen wie Osnabrück oder Monheim am Rhein, die Millionenbeträge bei der Greensill Bank anlegten, droht also ein Verlust ihres Geldes.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. März 2021 um 13:44 Uhr.

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