Dow Jones auf Rekordhoch Fed-Chef bringt Anleger in Hochstimmung

Stand: 24.02.2021 22:32 Uhr

Nach einer kurzen Schwächephase ist die Wall Street wieder zurück auf Rekordjagd. Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank, dämpfte die Inflationssorgen und brachte die Börsen in Schwung.

Schon wieder ein historischer Tag in New York: Erstmals in seiner Geschichte überwand der Dow Jones, das wichtigste Börsenbarometer der Welt, die Schwelle von 32.000 Punkten. Nach schwachem Beginn drehte der Standardwerte-Index ins Plus und schloss dann um 1,4 Prozent fester bei 31.961 Zählern. Da konnte selbst der breiter gefasste S&P 500 nicht mithalten. Er legte "nur" um 1,1 Prozent auf 3.925,43 Punkte zu. Auch die technologielastige Nasdaq erholte sich von ihren jüngsten Verlusten und stieg um 1,0 Prozent.

Powell dämpft Inflationssorgen

Zwar treiben steigende Rohstoff- und Immobilienpreise die Inflation. Die US-Notenbank scheint das bislang aber nicht zu beunruhigen. Fed-Chef Jerome Powell zufolge könnte es mehr als drei Jahre dauern, bis das Ziel einer Inflation von zwei Prozent erreicht wird. Zudem bekräftigte er bei einer zweiten Anhörung vor US-Parlamentariern seine Ansicht, dass die Wirtschaft Unterstützung braucht. Der Fed-Vorsitzende sagte, dass die US-Konjunktur noch einen langen Weg vor sich habe, um die maximale Beschäftigung und das Inflationsziel der Fed zu erreichen. Dies wurde von Anlegern als Signal verstanden, dass die Fed bei ihrer ultralockeren Geldpolitik bleiben will.

US-Anleiherenditen zeitweise auf Einjahres-Hoch

Den Anstieg der Anleihe-Renditen konnte Powell damit aber nur vorübergehend bremsen. Die richtungsweisenden zehnjährigen US-Treasuries rentierten mit 1,435 Prozent zeitweise so hoch wie zuletzt vor rund einem Jahr. Steigende Bond-Renditen machen Aktien unattraktiver.

DAX schafft ersten Gewinntag der Woche

Die gute Stimmung an der Wall Street schwappte auch nach Europa über: Der DAX beendete seine zweitägige Schwächephase und schloss erstmals in dieser Woche wieder im Plus bei fast 14.000 Punkten. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gewann rund 0,5 Prozent, und der französische Cac 40 rückte um 0,3 Prozent vor.

Deutsche Wirtschaft wächst trotz Lockdown

Stützend wirkte auch, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende trotz erneuter Corona-Beschränkungen stärker gewachsen ist als zunächst angenommen. In der größten Volkswirtschaft der Eurozone stieg das Bruttoinlandsprodukt im Quartalsvergleich um 0,3 Prozent, nachdem zuvor nur ein Wachstum von 0,1 Prozent gemeldet worden war.

Freizeit- und Urlaubsaktien gefragt

Auch die wachsenden Impfquoten und die zunehmende Verbreitung von Schnelltests bewegten die Kurse. Freizeit und Urlaub statt Homeoffice und Gesundheit lautet die dazu passende Rotation an den Aktienmärkten. Reise- und Freizeitwerte konnten ihre Erholung fortsetzen. Im MDAX gehörte die Fraport-Aktie mit einem Plus von über sechs Prozent zu den größten Gewinnern. Die TUI-Aktie stieg in ähnlicher Größenordnung. Die Papiere der Lufthansa legten um 3,5 Prozent zu. Erneut gab es auch kräftige Gewinne für Aktien aus der Flugzeugindustrie: Die Titel von Airbus kletterten um 3,8 Prozent nach oben, die Aktien von MTU zogen um sechs Prozent an und zierten die DAX-Spitze.

Kupferpreis im Höhenflug

Die Inflationsspekulationen werden derzeit angeheizt von steigenden Rohstoffpreisen. So gewann das Industriemetall Kupfer bis zu 1,5 Prozent und war mit 9342 Dollar je Tonne so teuer wie zuletzt vor gut neuneinhalb Jahren. Auch die Ölpreise stiegen weiter. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 66,13 Dollar je Barrel (159 Liter), obwohl die US-Lagerbestände überraschend gestiegen sind.

Pfund auf Drei-Jahres-Hoch

Am Devisenmarkt deckten sich weitere Anleger mit dem Pfund ein. Die britische Währung stieg in der Spitze um ein knappes Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 1,4235 Dollar beziehungsweise auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 1,1703 Euro. Die raschen Fortschritte bei den Corona-Massenimpfungen und die Vorstellung eines Fahrplans für eine Lockerung der Pandemie-Beschränkungen schürten Hoffnungen auf eine kräftige Konjunkturerholung, sagten Börsianer.

Euro fällt, Goldpreis sinkt

Die guten Konjunkturdaten aus Deutschland konnten den Euro nur vorübergehend stützen. Bis zum Abend gab der Euro merklich nach. Dazu trugen auch robuste Daten vom US-Häusermarkt bei. So sind die Verkäufe neuer Häuser im Januar deutlich stärker gestiegen als erwartet. Eine robuste Wirtschaftsentwicklung in den USA stärkt auch die Nachfrage nach dem US-Dollar.

Der Goldpreis fiel leicht auf 1.791 Dollar je Feinunze an. Das gelbe Edelmetall war zuletzt angesichts der steigenden Renditen deutlich unter Druck geraten und im Februar auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gefallen. Gold zahlt nämlich keine Zinsen.

Bitcoin auf Erholungstrip

Unterdessen ging der Bitcoin nach dem rund 25-prozentigen Kurssturz der vergangenen Tage auf Erholungskurs. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg um vier Prozent auf 49.625 Dollar. Es sei bemerkenswert, dass Investoren umgehend die Gelegenheit zum Einstieg nutzten, sagte Emden. "Ob sich es lediglich um eine technische Gegenbewegung handelt oder sich erneut eine neue Aufwärtsdynamik entfalten kann, bleibt abzuwarten."

VW - Streiks im Anmarsch?

Im DAX stand die VW-Aktie im Fokus. In den Tarifverhandlungen für die rund 120.000 Beschäftigten in Westdeutschland ruft die IG Metall ihre Mitglieder für kommende Woche zu Protestaktionen auf. "Volkswagen ist nicht auf uns zugekommen und versucht, die Corona-Situation schamlos auszunutzen", sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger im Anschluss an die dritte Verhandlungsrunde. "Jetzt werden wir unter Beweis stellen, dass wir auch unter Pandemie-Bedingungen voll handlungsfähig sind."

Goldman Sachs will Delivery-Hero-Aktien abgeben

Im späten Handel kamen die Aktien von Delivery Hero unter Druck. Die US-Bank Goldman Sachs trennt sich Kreisen zufolge von drei Millionen Aktien des Essenslieferdienstes. Die Anteilsscheine sollen in einem öffentlichen Bookbuilding-Verfahren zum Preis von mindestens 105,30 Euro bis maximal zum Marktpreis angeboten werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg nach Xetra-Schluss. Seit Anfang des Monats hat die Aktie bereits um knapp 13 Prozent nachgegeben.

Bayer verkauft Herbizid-Sparte

Am Tag vor der Veröffentlichung seiner Jahreszahlen hat Bayer weiteren Ballast abgeworfen. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern will den Geschäftsbereich "Environmental Science" mit einem Jahresumsatz von zuletzt etwa 600 Millionen Euro verkaufen. Die Sparte verkauft Herbizide und andere Mittel an bestimmte professionelle Anwender, ob Waldbesitzer, Städte oder Industriekonzerne. Ein Einsatzgebiet sind zum Beispiel Golfplätze und Grünflächen in Parks. Mittel mit Glyphosat hat "Environmental Science" nicht im Portfolio. Diese Produkte sollen auch langfristig bei Bayer bleiben.

Deutsche Bank forciert Kooperation mit Mastercard

Die Deutsche Bank baut ihre Zusammenarbeit mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard aus. Gemeinsam wollen die beiden digitale Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen für Firmen anbieten. Die Corona-Pandemie habe die Nachfrage nach solchen Angeboten beschleunigt. Das größte deutsche Geldhaus erhofft sich von dem Ausbau des Geschäfts höhere Provisionseinnahmen. Branchenexperten rechnen weltweit mit einem starken Wachstum bei digitalen Zahlungen.

Freenet trotzt Lädenschließungen

Der im MDax gelistete Mobilfunkanbieter profitierte im vergangenen Jahr von einem starken Kundenzustrom bei seinem Internetfernsehangebot waipu.tv und konnte damit die Schließung von Ladengeschäften in der Corona-Krise nahezu abfedern. Der Umsatz fiel um ein Prozent auf 2,58 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebitda) stagnierte bei knapp 426 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet Freenet stabile Erlöse und ein Ebitda zwischen 415 und 435 Millionen Euro. Als Mobilfunk-Anbieter ohne eigenes Netz kauft Freenet freie Kapazitäten bei Netzbetreibern ein und bietet auf diese Weise dann eigene Tarife an.

Zulassung für Zuhause-Test von Siemens

Die Siemens-Medizintechnik-Tochter gehört zu den ersten drei Anbietern, die eine Zulassung für ihren Corona-Schnelltests für zuhause erhalten haben. Der "Clinitest Rapid Covid-19 Antigen Self-Test" liefere nach der Entnahme von Proben aus beiden Nasenlöchern in 15 Minuten ein Ergebnis, teilte Siemens Healthineers mit. Er erkenne eine Infektion mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 97 Prozent. Falsch positive Ergebnisse kämen praktisch nicht vor. In Österreich hatte der Test bereits eine Zulassung erhalten.

Knorr-Bremse-Großaktionär Thiele gestorben

Heinz Hermann Thiele, einer der reichsten Deutschen, ist tot. Der Mehrheitseigentümer des Lkw- und Bahn-Zulieferers Knorr-Bremse, der erst im vergangenen Jahr auch bei der Lufthansa eingestiegen war, ist am Dienstag wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag überraschend in München gestorben. Der Selfmade-Milliardär, der bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begann, hatte seinen Arbeitgeber 1985 in der Krise übernommen und vom Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen ausgebaut.

Aareal Bank macht Hoffnung

Die Aussicht auf einen dreistelligen Millionengewinn im laufenden Jahr ermunterte Anleger zum Einstieg bei Aareal Bank. Die Aktien des Immobilienfinanzierers schafften mit einem Plus von gut 16 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren. Drohenden Kreditausfälle durch die Corona-Krise drückten den Immobilienfinanzierer 2020 noch tiefer in die roten Zahlen als gedacht. Auf die Aktionäre entfiel unter dem Strich ein Verlust von 90 Millionen Euro nach einem Gewinn von 145 Millionen im Vorjahr.

Hensoldt-Bestellungen auf Rekordniveau

Der Rüstungskonzern Hensoldt hat im Corona-Jahr von Großaufträgen profitiert. Die Bestellungen schnellten um 55,5 Prozent in die Höhe und liegen nun mit 3,4 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Dabei spielt insbesondere ein Großauftrag für Radare für den Eurofighter eine Rolle. Die Erlöse kletterten um 8,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Sensor-Spezialist mit einem weiteren Umsatzplus auf 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro.

Telefonica Deutschland als Krisenprofiteur

Erstmals seit Jahren hat der Mobilfunkbetreiber Telefonica Deutschland (O2) wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das Nettoergebnis lag 2020 bei 328 Millionen Euro nach einem Verlust von 212 Millionen Euro im Vorjahr. Telefonica Deutschland profitierte dabei in erster Linie von einer steigenden Nachfrage nach höherwertigen Mobilfunk- und Festnetzverträgen. So fragten Kunden des Münchner Konzerns verstärkt nach mehr Datenvolumen oder schnelleren Surfgeschwindigkeiten zu Hause. Das brachliegende Roaming-Geschäft wegen des eingeschränkten Reiseverkehrs in der Pandemie verhinderte indes ein noch größeres Plus.

Corestate vergrätzt Anleger

Verfehlte Ziele und ein deutlicher Rückgang der Barmittel im vierten Quartal schicken die Anteilsscheine von Corestate Capital zeitweise prozentual zweistellig in die Tiefe. Ein Börsianer sprach von "fürchterlichen Zahlen" und verwies darauf, dass Corestate mit seinen Aussagen schon des Öfteren deutlich enttäuscht habe. Nun habe Corestate 2020 sogar die eigenen Erwartungen verfehlt und statt eines Gewinns einen Verlust eingefahren, obwohl die Jahresziele für 2020 zur Vorlage der Neunmonatszahlen noch bestätigt worden waren.

Puma hofft auf zweite Jahreshälfte

Der Sportartikelhersteller Puma rechnet im neuen Jahr vor allem zu Beginn mit weiteren Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie. Derzeit seien immer noch 50 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte, die Puma-Produkte verkauften, in Europa geschlossen. In der zweiten Jahreshälfte sollen sich die Geschäfte aber wieder "stark" verbessern. Insgesamt erwartet Puma daher für 2021 einen leichten währungsbereinigten Anstieg der Umsätze, die im vergangenen Jahr bei 5,2 Milliarden Euro lagen.

Vantage Towers strebt an die Börse

Die Vodafone-Tochter Vantage Towers will vor Ende März ihr Debüt auf dem Frankfurter Börsenparkett feiern. Geplant sei, einen beachtlichen Minderheitsanteil an die Börse zu bringen, teilte der erst im vergangenen Jahr formierte Funkmasten-Betreiber am Mittwoch mit. Laut Insidern könnte das Unternehmen mit bis zu 18 Milliarden Euro bewertet werden und damit den größten Börsengang seit dem Debüt von Siemens Healthineers vor vier Jahren stemmen.

Reckitt Benckiser im Putzfieber

Hygieneprodukte und Putzmittel haben den Umsatz von Reckitt Benckiser angekurbelt. Die Erlöse kletterten im vergangenen Jahr um fast zwölf Prozent auf gut 14 Milliarden Pfund. Darüber hinaus gab der Konzern bekannt, dass er sein Geschäft mit "Dr. Scholl"-Fußpflegeprodukten an die Private-Equity-Firma Yellow Wood Partners verkauft und das Schmerzgel Biofreeze von Performance Health übernimmt.

Keine Fusion zwischen Volvo und Geely

Der chinesische Autobauer Geely und seine schwedische Schwestermarke Volvo haben ihre Fusionspläne aufgeben und wollen ihre Zusammenarbeit auf anderem Weg vertiefen. Sie beabsichtigen nun die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Bündelung der Aktivitäten bei Antrieben und zur Zusammenarbeit bei Elektroautos. Das neue Unternehmen soll noch in diesem Jahr an den Start gehen und Motoren, Getriebe und Hybridantriebe sowohl für die beiden Partner als auch für andere Automobilhersteller anbieten. Die Geely-Mutter Zhejiang Geely Holding hatte Volvo Cars 2010 von Ford übernommen.

Neue Lieferengpässe bei AstraZeneca?

Der Pharmakonzern AstraZeneca wird einem Insider zufolge wohl auch im zweiten Quartal deutlich weniger Impfstoff in die EU liefern als vereinbart. Das Unternehmen rechne damit, zwischen April und Juni weniger als die Hälfte der vertraglich zugesagten 180 Millionen Impfdosen in die Staatengemeinschaft zu liefern, sagte ein EU-Vertreter zu Reuters. Sollte dies so kommen, könnte das EU-Ziel gefährdet sein, bis zum Sommer 70 Prozent der Erwachsenen geimpft zu haben.

Munger: Gamestop wie Pferdewette

Die Aktien des Videospiele-Händlers GameStop wurden kurz vor Börsenschluss in New York vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels notierten sie zunächst 103 Prozent im Plus. Anfang des Jahres waren die Papiere zum Spielball von Spekulanten geworden: Kleinanleger zwangen mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung von Wetten auf den Verfall des GameStop-Kurses und brachten diese damit teils in die Bredouille.

Der langjährige Geschäftspartner der Investmentlegende Warren Buffett, Charlie Munger, warnte vor Marktexzessen. Die Kurskapriolen bei GameStop spiegelten eine "gefährliche Mentalität einiger Investoren wider, die auf Aktien wetteten, als ob diese Pferde wären". Das könne nicht gut ausgehen.

Boeing: besondere Tests nach Triebwerksausfall

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat für bestimmte Triebwerke von Pratt & Whitney besondere Tests angeordnet. Dabei sollen bei den Triebwerkstypen, deren Teile am Samstag im Flug von einer Boeing 777 abgefallen waren, die Turbinenschaufeln mit einem Wärmebild-Verfahren untersucht werden. Zahlreichen Großraumjets dieses Typs droht derweil ein Flugverbot. In Japan und Großbritannien dürfen Maschinen mit diesem Antrieb von Pratt & Whitney vorerst nicht mehr verkehren. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte am Wochenende bereits eine entsprechende Notfallrichtlinie angekündigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Februar 2021 um 12:00 Uhr.

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