Verkehrte Börsenwelt DAX wird abgehängt

Stand: 12.02.2021 22:43 Uhr

Ist der verlängerte Lockdown schuld? Am deutschen Aktienmarkt ging in dieser Woche nicht viel. An den Börsen in anderen Teilen Europas und in den USA lief’s dagegen deutlich besser.

Der Start in die fünfte Jahreszeit hat nur zeitweise für gute Laune auf dem Frankfurter Börsenparkett gesorgt. Der DAX kam in der abgelaufenen Handelswoche nicht vom Fleck. Er schloss mit fast 14.050 Punkten in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Nach dem Rekordhoch am Montag ging dem deutschen Leitindex die Luft aus. Der Risikoappetit der Anleger hat abgenommen, meinte Pierre Veyret, technischer Analyst beim Broker ActivTrades.

Auf Richtungssuche

Nach der jüngsten Rally sei der DAX nun auf Richtungssuche, sagt Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Wir haben auf der einen Seite die optimistischen Anleger, die ihren Blick weit in die Zukunft richten und in der Hoffnung auf ein positives wirtschaftliches Umfeld nach Corona Aktien kaufen. Auf der anderen Seite haben wir die pessimistischen Anleger, die sehen, dass sich durch die ständig verlängerten Lockdowns auch die wirtschaftliche Erholung noch weiter nach hinten verschieben wird."

Gewinne an anderen europäischen Börsen

Die anderen wichtigen Aktienmärkte Europas hängten indes den DAX ab. Der EuroStoxx50 legte auf Wochensicht um 1,1 Prozent zu. Auch der französische Cac40 und der britische FTSE 100 beendeten die Woche im Plus. Mut machte den Anlegern die Aussicht auf eine italienische Regierung unter Führung des ehemaligen EZB-Präsidenten "Super Mario" Draghi. Die Mitglieder der 5-Sterne-Bewegung, die die größte Fraktion im Parlament stellt, hatten sich für eine Unterstützung Draghis ausgesprochen. Weitere Parteien aus allen Lagern hatten sich zuvor bereits ähnlich geäußert.

Dow-Rekordjagd gestoppt

An der Wall Street purzelten in der abgelaufenen Woche gar die Rekorde. Der Dow Jones markierte vier Tage in Folge neue Allzeithochs. Erst am Freitag geriet die Rally ins Stocken. Der US-Leitindex ging mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent ins verlängerte Wochenende. Damit schaffte der US-Leitindex einen Wochengewinn von rund 0,9 Prozent. Der marktbreite S&P 500 und die technologielastige Nasdaq 100 legten um 0,5 Prozent zu.

Die Anleger seien offenbar nicht gewillt, sich vor dem langen Wochenende allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, sagte ein Marktteilnehmer. Am kommenden Montag wird in New York anlässlich des "George Washington Day" nicht gehandelt.

Neue Rekorde weiter in Reichweite

Trotzdem bleibt die positive Stimmung an den internationalen Aktienmärkten intakt. Nach Einschätzung von Aktienstrategen dürfte sich der Rekordlauf in der nächsten Woche fortsetzen - dies- und jenseits des Atlantiks. "Die Verschnaufpausen an den Aktienmärkten sind nach wie vor von nur kurzer Dauer", schreibt Analyst Markus Reinwand von der Helaba im Wochenausblick. Rückläufige Neuinfektionszahlen in zahlreichen Ländern und Fortschritte bei den Corona-Impfungen machen Hoffnung auf ein baldiges Ende der Lockdowns.

Warten auf Fortschritte beim US-Konjunkturpaket

Darüber hinaus können sich die Anleger auf Unterstützung der ultralockeren Notenbanken und aus der Politik verlassen. Die Hoffnung ruhen vor allem auf neuen Konjunkturhilfen in den USA. Jeder Fortschritt auf dem Weg zum 1,9 Billionen Dollar schweren Corona-Hilfspaket dürfte der Börse neuen Schwung verleihen, meinen Marktbeobachter. "In den USA rückt die Verabschiedung des ersten gewaltigen Fiskalpakets unter der Biden-Administration näher", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck.

Der Preis ist hoch

Die Kehrseite der gigantischen Konjunkturhilfen: Die Verschuldung der US-Regierung wird in diesem Jahr einer Prognose zufolge die Wirtschaftsleistung des Landes übersteigen. Ende 2021 sei von einer Schuldenquote von 102 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auszugehen, teilte das unabhängige Haushaltsamt des US-Kongresses (CBO) am Donnerstag mit.

Das laufende Haushaltsdefizit soll dieses Jahr demnach etwa 2,3 Billionen US-Dollar betragen, was 10,3 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Das wäre nach dem Corona-Jahr 2020 die zweithöchste Neuverschuldungsquote seit 1945. Und in dieser Rechnung ist das geplante 1,9 Billionen schwere Konjunkturpaket der Biden-Regierung noch nicht einmal enthalten!

Sorgen über Lieferengpässe wegen Grenzkontrollen

Mit den zuletzt stark gestiegenen Kursen nimmt auch das Rückschlagsrisiko zu. So bleiben die Virusmutanten eine Gefahr für den innereuropäischen Handel. Wegen der Virus-Mutanten hat Deutschland verschärfte Kontrollen und Pflichttests an den Grenzen zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol beschlossen, die am Sonntag in Kraft treten. Die deutschen Spediteure und die Autobranche warnen wegen der beschlossenen Kontrollen und der Corona-Testpflicht an mehreren Grenzen vor Liefer-Engpässen und Produktionsausfall.

US-Konsumklima trübt sich überraschend ein

Der Euro rappelte sich am Nachmittag wieder auf und sprang über die Marke von 1,21 Dollar. In den USA hat sich das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima im Februar eingetrübt. Volkswirte hatten hingegen eine Aufhellung erwartet. Die Verbraucher schauen vor allem pessimistischer in die Zukunft. Zudem fürchten sie eine höhere Inflation.

Draghi soll Italien retten

Die Aussicht auf eine neue italienische Regierung unter Mario Draghi ermunterte weitere Anleger zum Kauf italienischer Staatsanleihen. Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,426 Prozent und markierte den zweiten Tag in Folge ein Rekordtief. Gleichzeitig schrumpfte der Renditeaufschlag zu vergleichbaren Bundespapieren auf den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Jahren.

Ölpreise rutschen ab

Die Ölpreise standen zum Wochenschluss unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit 60,46 Dollar gut ein Prozent weniger. Vorsichtige Nachfrageschätzungen haben die Ölpreise seit Wochenmitte von ihren einjährigen Höchstständen abrücken lassen. Sowohl die Internationale Energieagentur IEA als auch die US-Regierung haben ihre Prognosen in dieser Woche reduziert. Als Grund wurden die neuen Corona-Varianten und Beschränkungen des öffentlichen Lebens genannt. Gold verliert 0,4 Prozent auf knapp 1820 Dollar je Feinunze.

Bitcoin mit Rekordhoch

Derweil bekennen sich immer mehr große Namen der Unternehmenswelt zum Bitcoin. Am Donnerstag kündigten der Finanzanbieter BNY Mellon und der Kreditkartenanbieter Mastercard an, ins Geschäft mit der Digitalwährung einzusteigen. Die steigende Akzeptanz des Bitcoins durch große bekannte Unternehmen treiben die Kryptowährung auf ein neues Rekordhoch von rund 49.000 Dollar.

Autoaktien auf der Verkaufsliste

Im DAX waren defensive Werte wie Fresenius Medical Care und Merck gefragt. Auch die Titel der Deutschen Bank gehörten zu den Top-Gewinnern. Dagegen wurden Aktien aus der konjunktursensiblen Automobilbranche von den Anlegern gemieden. Mit einem Minus von 1,9 Prozent war VW DAX-Schlusslicht. Der Autobauer hatte im Vergleich zum Dezember leicht rückläufige Auslieferungszahlen für Januar bekannt gegeben.

Bundesregierung ebnet Weg für höheres Briefporto

Die Deutsche Post darf sich Hoffnungen auf ein höheres Briefporto machen. Im Bundestag stimmten am Freitag die Fraktionen der Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD sowie die AfD für eine Post-Reform. Die FDP, die Grünen und die Linke votierten dagegen.  Mit der Reform will die Bundesregierung eine Berechnungsmethode in das Postgesetz hieven. Dadurch wäre der Spielraum für Portoerhöhungen größer. Die Zustimmung des Bundesrats zur Reform steht noch aus. Hier könnte es Widerstand geben.

BASF investiert in Infrastruktur in Schwarzheide

Der Bau neuer Produktionsanlagen am BASF-Standort Schwarzheide wie etwa der Fabrik für Kathodenmaterialien benötigt mehr Infrastruktur. Das Chemieunternehmen investiert deshalb nach eigenen Angaben mehr als 17 Millionen Euro zur Erschließung eines weiteren Blockfeldes sowie in die Modernisierung des Umspannwerks. Zudem werden die Rohrleitungsnetze erweitert.

Sartorius schraubt Dividende nach oben

Im MDAX machte Sartorius auf sich aufmerksam. Der in Göttingen ansässige Laborausrüster will die Dividende fast verdoppeln. Der Hauptversammlung solle eine Ausschüttung von 71 Cent je Vorzugsaktie und 70 Cent je Stammaktie vorgeschlagen werden, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahr hatte die Dividende noch 36 Cent je Vorzugsaktie und 35 Cent je Stammaktie betragen.

Grenke auf Erholungskurs

Die Aktien von Grenke erholten sich mit einem Plus von gut zwei Prozent weiter, nachdem der Kurs am Montag um rund ein Drittel Prozent eingebrochen war. Der Leerverkäufer Fraser Perring, der einst auf den Absturz von Wirecard wettete, hat laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" die Finanzaufsicht Bafin per Mail aufgefordert, zur besseren Kontrolle des Konzerns Aufpasser bei Grenke einzusetzen. Am Montag hatte Top-Manager Mark Kindermann seinen Hut genommen. Nach heftiger Kritik an den Geschäftspraktiken und der Bilanzierung war Grenke auf Mängel im eigenen Haus gestoßen.

Impfstoff-Schub für Dermapharm

Größter Gewinner im Nebenwerteindex SDAX waren die Aktien von Dermapharm mit plus 5,8 Prozent. Das Arzneiunternehmen erwartet aus seiner Zusammenarbeit mit BioNTech für das laufende Jahr einen Konzernumsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich. Zur Herstellung des Corona-Impfstoffs Comirnaty sollten zusätzliche Produktionskapazitäten am Standort Reinbek aufgenommen werden, teilte das Unternehmen am Freitag in Grünwald mit.

BioNTech entwickelt Impfsoftware

Der Impfstoffhersteller BioNTech entwickelt einem Medienbericht zufolge eine Software für das bundesweite Impfmanagement. Man wolle die Software schnellstens einsatzbereit haben, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf das Unternehmen. Sie solle alle zugelassenen Impfstoffe umfassen und etwa die Lieferung und Verteilung der Dosen steuern. Die Software werde zunächst als Pilotprojekt mit dem Land Bayern erprobt und sei weitgehend fertig.

Corona-Krise halbiert ING-Gewinn

ING
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ING-Schriftzug

Hohe Rückstellungen für gefährdete Kredite haben der niederländischen Großbank ING im Corona-Jahr 2020 einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Weil außerdem Kosten für einen Stellenabbau anfielen, schrumpfte der Nettogewinn um fast die Hälfte auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Die ING legte fast 2,7 Milliarden Euro für ausfallgefährdete Darlehen zurück - fast zweieinhalb Mal so viel wie im Vorjahr. Die ING-Aktien stiegen in Amsterdam um fast sieben Prozent.

Expedia mit tiefroten Zahlen

Die Corona-Pandemie hat dem Online-Reisebuchungsunternehmen im vierten Quartal wenig überraschend einen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von 412 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 76 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Im Berichtszeitraum fielen die Bruttobuchungen um 67 Prozent auf 7,57 Milliarden Dollar.

Colt wird tschechisch

Der legendäre US-Waffenhersteller Colt kommt in tschechische Hände. Man habe eine "endgültige Vereinbarung" über den Erwerb aller Aktien des US-Konkurrenten unterzeichnet, teilte der Waffenfabrikant Ceska Zbrojovka Group (CZG) in der Nacht zu Freitag mit. Dafür sind die Tschechen bereit, 220 Millionen US-Dollar in bar sowie mehr als eine Million neuer eigener Aktien hinzulegen. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Disney macht wieder Gewinn

Die Aktien von Walt Disney büßten 1,7 Prozent ein und waren Dow-Schlußlicht. Der US-Unterhaltungskonzern hat dank seines boomenden Streaming-Geschäfts überraschend schwarze Zahlen geschrieben. In den drei Monaten bis Ende Dezember schaffte Disney unter dem Strich einen Gewinn in Höhe von 29 Millionen Dollar. Obwohl dies ein Rückgang um 99 Prozent im Jahresvergleich ist, wurden die Erwartungen übertroffen. In den Vorquartalen hatte es stets hohe Verluste gegeben, weil die Pandemie weite Teile des Disney-Imperiums lahmlegte.

Behörden knöpfen sich den Fall Gamestop vor

Laut einem Medienbericht untersuchen die US-Behörden, ob Marktmanipulationen zu der Aktienrally bei dem Videospielhändler Gamestop und bei der Kinokette AMC geführt haben. Das Justizministerium und der Staatsanwalt von San Francisco hätten dazu Informationen von Brokern wie Robinhood und Social-Media-Firmen angefordert, die im Zentrum des Handels gestanden hätten, berichtet das "Wall Street Journal".

USA wollen Chipmangel bekämpfen

Die US-Regierung arbeitet an einer Lösung für den weltweiten Chipmangel in der Autoindustrie. Derzeit sei man dabei, die Flaschenhälse beim Halbleiter-Nachschub zu identifizieren, sagte Präsidialamtssprecherin Jen Psaki. Gleichzeitig arbeite man mit Unternehmen aus der Branche und Handelspartnern an einer Lösung. Nicht nur in den USA leiden Autohersteller unter dem weltweiten Chipmangel. So stehen etwa bei VW seit Mitte Dezember immer wieder die Bänder still.

Über dieses Thema berichtete B5-aktuell am 12. Februar 2021 um 09:43 Uhr.

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