Neue Rekorde an der Wall Street Frühjahrshoch an den Börsen hält an

Stand: 09.04.2021 22:23 Uhr

Während die dritte Corona-Welle durch Europa rollt, steigen die Börsen von einem Rekordhoch zum nächsten. Am Freitag erreichten Dow Jones & Co neue Bestmarken - und rissen den DAX mit.

Gut gelaunt gingen die Wall-Street-Anleger ins Wochenende. Der Dow Jones, der amerikanische Standardwerte-Index, stieg um 0,9 Prozent und markierte mit 33.800 Punkten ein neues Allzeithoch. Auf Wochensicht legte er um rund zwei Prozent zu. Der breiter gefasste Index, der S&P 500, zog am Freitag um knapp 0,8 Prozent an und kletterte auf eine neue historische Bestmarke von über 4.100 Zähler. Selbst der technologielastige Nasdaq 100 drehte ins Plus und schloss um 0,6 Prozent höher.

Anleger wetten auf den Wirtschaftsboom

Grund für den überbordenden Optimismus an den Börsen: Die Anleger setzen auf einen ganz großen Wirtschaftsaufschwung ab dem zweiten Halbjahr. Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank Bank JPMorgan, traut der US-Wirtschaft einen bis 2023 anhaltenden Wirtschaftsboom zu. Vor allem das billionenschwere Infrastruktur-Programm von US-Präsident Joe Biden könnte einen nie dagewesenen Boom auslösen, glauben Experten.

"Zwar sind die Aktienbörsen den realwirtschaftlichen Entwicklungen in der Regel einige Monate voraus, haben also bereits einen Großteil der wirtschaftlichen Erholung nach der globalen Corona-Rezession eingepreist", sagt Carsten Mumm, Chefanalyst der Privatbank Donner & Reuschel. Trotzdem stehe weiteren Kursgewinnen in den kommenden Monaten nichts im Wege, denn der Aufschwung werde sich auch 2022 fortsetzen.

DAX schafft sechsten Wochengewinn in Folge

Die Rekordstimmung an der Wall Street schwappte auch auf die Frankfurter Börse – zumindest ein bisschen. Der DAX beendete seine stundenlange Richtungssuche und schloss 0,2 Prozent höher bei 15.234 Punkten. Damit schaffte er den sechsten Wochengewinn in Folge. Das ist die längste Serie seit rund eineinhalb Jahren. Am Dienstag nach Ostern hatte der deutsche Leitindex erstmals in seiner Geschichte die Marke von 15.300 Punkten erklommen. Danach ließen es die Anleger etwas ruhiger angehen.

Droht jetzt ein Rückschlag?

Bislang hätten "positive Wirtschaftsdaten, der schnelle Fortschritt der Corona-Impfungen in den USA und die weltweite extrem expansive Geldpolitik den Dax auf neue Höchststände steigen lassen", meint Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank. Doch die Gefahr von kleinen Rückschlägen nimmt zu. Die Konsolidierung sei noch nicht vorbei, schreibt etwa David Lusow, charttechnischer Analyst von DailyFX. Andreas Büchler von Index-Radar spricht von einem kurz- und mittelfristig leicht überhitzten Markt, wobei spätestens im Bereich um die 15.500 Punkte mit verstärktem Abgabedruck zu rechnen sei.

Corona-Sorgen bremsen Kauflaune

Wegen anhaltender Corona-Sorgen scheuten Investoren zum Wochenschluss größere Engagements am Aktienmarkt. Die Debatte über einen strengen bundesweiten Lockdown hält an. Sie wurde neu angeheizt durch die steigende Zahl der Neuinfektionen. Das Robert-Koch-Institut teilte mit, dass binnen eines Tages 25.464 Corona-Neuinfektionen von den Gesundheitsämtern gemeldet wurden. Das ist der bisherige Tages-Höchstwert der seit März laufenden dritten Welle.

Dämpfer für die deutsche Konjunktur

Auch konjunkturell gibt es Störfaktoren. Nach den starken Auftragseingängen für die deutsche Industrie fielen die am Freitag veröffentlichten Produktionsdaten überraschend schwach aus. Im Februar ist die Industrieproduktion im Monatsvergleich um 1,6 Prozent gesunken. Ökonomen waren im Schnitt von einem Anstieg um 1,5 Prozent ausgegangen.

Nervosität auf niedrigstem Stand seit Februar 2020

So lange aber die Geldpolitik locker bleibt und die staatlichen Corona-Hilfen fließen, nutzen Anleger Kursrücksetzer am Aktienmarkt rasch zum Wiedereinstieg. Der Konjunkturoptimismus ist nach wie vor groß. Das signalisieren auch die Volatilitätsindizes VDAX und VSTOXX, die die Nervosität der Anleger messen. Sie sind auf den niedrigsten Stand seit Ende Februar 2020 gefallen, also auf die zeit vor dem CoronaCrash. Gleiches gilt für den US-Volatilitätsindex.

Öl wieder etwas billiger

Die Ölpreise gaben am Freitag leicht nach, nachdem sie zwischenzeitlich ins Plus gedreht waren. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend mit 62,92 Dollar 0,3 Prozent weniger. Auf Wochensicht zeichnen sich leichte Verluste ab. Zuletzt hatte Saudi-Arabien den jüngsten Beschluss der in der OPEC+ zusammengefassten Förderstaaten zur schrittweisen Ausweitung der Fördermenge verteidigt.

Euro hält sich über 1,19 Dollar

Am Devisenmarkt stabilisierte sich der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, zum Wochenabschluss bei 92,2 Punkten. Auf der einen Seite stütze die Aussicht auf eine rasche Normalisierung der US-Wirtschaft die Weltleitwährung, sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. Auf der anderen Seite belaste die Fed-Ankündigung einer auf längere Sicht ultra-lockeren Geldpolitik. Der Euro behauptete sich knapp über der Marke von 1,19 Dollar.

Der Goldpreis konnte zuletzt von den gestiegenen Inflationssorgen profitieren. Am Freitag setzte aber auch das gelbe Edelmetall zu einer Gegenbewegung an und gab um 0,7 Prozent auf 1743 Dollar je Feinunze nach.

Post hebt Jahresprognose an

Zu den Top-Gewinnern im DAX zählte die Deutsche Post. Die Aktien stiegen um fast zwei Prozent auf ein neues Rekordhoch. Die Deutsche Post wird nach einem starken Quartal optimistischer für das Gesamtjahr. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) für 2021 erwartet der Konzern jetzt "deutlich" über 5,6 Milliarden Euro. Bisher sollte er lediglich über dem Wert liegen. Im ersten Quartal hat die deutsche Post ein Ebit von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet - fast drei Mal mehr als im Vorjareszeitraum.

Chipmangel belastet Porsche

Die Sportwagentochter von Volkswagen muss wegen des Chipmangels in der Autobranche möglicherweise ihre Produktion drosseln. "Wir können bei einzelnen Modellen nicht ausschließen, dass wir in nächster Zeit die Stückzahlen verringern", erklärte Porsche laut "Handelsblatt".

TUI gibt Wandelanleihe aus

Die Aktien des Reisekonzerns TUI gerieten zum Wochenschluss unter Druck. Sie fielen um zwei Prozent. Das staatlich gestützte Unternehmen platzierte am Freitag bei Investoren eine Wandelanleihe im Umfang von 400 Millionen Euro. Das sei nur eine sehr kurzfristige Lösung für die Liquiditätsprobleme des hoch verschuldeten Konzerns, kritisierte Analystin Becky Lane vom Investmenthaus Jefferies. Die Wandelanleihe sichere dem Reisekonzern nur einen weiteren Monat Zahlungsfähigkeit.

Airbus: mehr Stornierungen als Bestellungen

Der Konzern hat im ersten Quartal 125 Flugzeuge an Kunden ausgeliefert und damit den Vergleichswert aus dem Vorjahr um drei Jets übertroffen. 39 Maschinen seien neu bestellt worden, erklärte Airbus. Allerdings habe in der Corona-Krise die Zahl der Stornierungen die Bestellungen weit überwogen, so dass sich ein Netto-Auftragseingang von minus 61 ergebe.

Süss Microtec - der Verfünffacher aus dem SDAX

Der Halbleiter-Zulieferer Süss Microtec hat einen Ausblick im Rahmen der Markterwartungen präsentiert: Demnach will der SDAX-Konzern den Umsatz 2021 auf 270 bis 290 Millionen Euro steigern und die Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern auf neun bis elf Prozent verbessern. Erst zur Wochenmitte hatte die Süss-Aktie mit 28,90 Euro ein Hoch seit dem Jahr 2002 erreicht. Auf Sicht von rund zwölf Monaten hatten die Papiere ihren Wert damit fast verfünffacht.

Impfstoff von BioNTech Pfizer bald schon für 12-Jährige?

BioNTech und Pfizer wollen ihren Corona-Impfstoff in den USA künftig auch bei Jugendlichen ab zwölf Jahren einsetzen. Ein Antrag auf die Erweiterung der bestehenden Notfallzulassung für den Impfstoff sei bei der Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) eingereicht worden, erklärte der US-Pharmakonzern Pfizer am Freitag. Ähnliche Anträge sollen "in den kommenden Tagen" weltweit auch bei anderen Zulassungsbehörden eingereicht werden, hieß es. Bislang ist der Einsatz des Impfstoffs in den USA erst ab 16 Jahren zugelassen.

Schon wieder Probleme beim 737 MAX von Boeing

Die Aktien von Boeing verloren über ein Prozent. Der Flugzeugbauer hat neue Probleme bei seiner 737 MAX. Der Konzern empfahl 16 seiner Kunden, vor weiteren Flügen ein "potenzielles Elektronik-Problem" bei einem Teil der Maschinen zu überprüfen. Dabei gehe es um die Frage, ob ein ausreichender Erdungsweg "für eine Komponente des elektronischen Antriebssystems" bestehe. Erst Ende 2020 war ein seit mehr als eineinhalb Jahren geltendes Flugverbot für die 737 MAX aufgehoben worden.

Mehrheit gegen Amazon-Gewerkschaft

An den US-Standorten des Online-Versandriesen Amazon wird es vorerst weiter keine gewerkschaftliche Vertretung für die Arbeitnehmer geben. Die Angestellten in einem Lager im US-Staat Alabama stimmten mehrheitlich gegen das Vorhaben. Bis Freitag waren 1798 Nein-Stimmen und 738 Ja-Stimmen ausgezählt. Damit war klar, dass es keine Mehrheit mehr für die Gewerkschaft geben würde.

"Spider-Man" und "Jumanji" kommen zu Netflix

Der Streaming-Marktführer Netflix hat sich durch einen Lizenz-Deal mit Sony Pictures die exklusiven US-Rechte an Fortsetzungen von Blockbuster-Reihen wie "Spider-Man" oder "Jumanji" sowie anderen künftigen Produktionen gesichert. Die am Donnerstag verkündete Vereinbarung soll 2022 starten, fünf Jahre laufen und Sonys bisherige Partnerschaft mit dem US-Bezahlsender Starz ersetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. April 2021 um 07:35 Uhr.

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