DAX im Aufwind Die Börsenbullen melden sich zurück

Stand: 01.02.2021 23:17 Uhr

Zum Wochenstart haben die Märkte sich vom unmittelbaren Gamestop-Schock zumindest etwas wieder erholt. Grundsätzliche Fragen aber bleiben. Hierzulande stand der Fortgang der Impfkampagne im Fokus.

An der Wall Street haben die Anleger am Montag die jüngsten spekulativen Verwerfungen um die Gamestop-Aktie zunächst hinter sich gelassen und sind wieder stärker ins Risiko und zur Tagesordnung übergegangen. Der Leitindex Dow Jones legte 0,8 Prozent zu auf 30.211 Punkte, der breiter aufgestellte S&P-500-Index gewann 1,6 Prozent auf 3.773 Punkte.

Noch besser ging es an der Technologiebörse Nasdaq voran, die deutlich stärker zulegte als die Standardwerte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 2,5 Prozent vor auf 13.248 Punkte, der Composite-Index auf 13.403 Punkte, ein Tagesgewinn von ebenfalls rund 2,5 Prozent.

Gespräche über das neue Konjunkturpaket

Zum Brot- und Buttergeschäft der Börse gehört weiter das politische Ringen um ein weiteres Corona-Konjunkturpaket in den USA. Hier sucht Präsident Joe Biden das Gespräch mit Republikanern im Senat. Nachdem zehn republikanische Senatoren am Wochenende einen Alternativvorschlag zu Bidens angestrebtem Paket unterbreitet hatten, lud der demokratische Präsident die Gruppe für Montag zu einem Treffen ins Weiße Haus ein, um über die Ideen zu diskutieren. Aber es war heute nicht das Ringen um das neue Hilfsprogramm für die Wirtschaft, das die Wall Street beherrschte.

Absurde Kurskapriolen im Krieg der Kleinanleger

Denn so richtig aus dem Kopf der Anleger ist der jüngste Krieg der Kleinanleger gegen professionelle Leerverkäufer sicher nicht. Eine Situation, die es so noch nicht gegeben hat an der Weltleitbörse und die das Zeug dazu hat, grundsätzliche Fragen aufzuwerfen.

Denn wenn sich in einem Forum der Internet-Plattform Reddit Kleinanleger zu konzertierten Käufen der GameStop-Aktie verabreden und damit institutionelle Hedgefonds zur Auflösung von Wetten auf einen Kursverfall dieses Papiers zwingen, bleibt ein gefährlich fader Beigeschmack.

Vor allem dann, wenn damit einige von den Fonds an den Rand des Ruins getrieben werden. Experten warnen vor möglichen drastischen Verwerfungen für das gesamte Finanzsystem. Inzwischen haben sich erste Justizbehörden in die Auseinandersetzung eingeschaltet. Wie empfindlich die Investoren sind, hat der Rücksetzer der Vorwoche an der Street eindrucksvoll gezeigt.

Derweil entweicht aus der GameStop-Aktie die spekulative Luft, das Papier verlor an der Wall Street rund 30 Prozent, steht damit aber immer noch bei 225 Dollar. Fundamental gab es zuletzt nicht viel Gutes über das Unternehmen zu berichten, vor Beginn der Spekulationswelle Anfang Januar dümpelte der Kurs bei gerade mal 20 Dollar vor sich hin.

Ist Silber das neue GameStop?

Zum neuen Spekulationsobjekt am Finanzmarkt scheint dafür nun nach dem Kampf um GameStop das Edelmetall Silber geworden zu sein. Die Notierung für eine Feinunze (31,1 Gramm) stieg am Montag erstmals seit Anfang 2013 über die Marke von 30 US-Dollar. Aktien von Silberproduzenten schnellten zum Wochenauftakt in New York in die Höhe.

"Die Reddit-Gemeinde hat ihre Aufmerksamkeit von GameStop ab- und dem Edelmetallmarkt zugewendet", sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Die "Varta-Connection" von Melvin Capital

Hierzulande standen in diesem Zusammenhang Papiere von Varta im Fokus. Aktien des deutschen Batterieherstellers waren in der Vorwoche infolge eines "Short Squeeze" zeitweise über ein Drittel nach oben geschossen. Am Montag rutschten sie um rund acht Prozent ab, nachdem sich die Leerverkäufer in der Vorwoche wohl größtenteils zurückgezogen haben. Unter anderem soll Melvin Capital seine Short-Positionen weitgehend gedeckt haben.

Bei Melvin Capital handelt es sich übrigens um den bei Gamestop von Kleinanlegern ausgetricksten Hedgefonds, der im Januar mehr als die Hälfte seines Vermögens verloren haben soll. Verfügte Melvin Capital zu Jahresbeginn noch über ein Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar, so habe sich dieses bis zum Monatsende um 53 Prozent reduziert, sagte eine mit den Zahlen vertraute Person.

DAX auf Erholungskurs

Zum Wochen- und Monatsstart ging es auch am deutschen Aktienmarkt wieder etwas versöhnlicher zu. Der Leitindex DAX machte nach den Abschlägen der Vorwoche wieder Boden gut und schloss bei 13.622 Punkten um 1,4 Prozent höher. Damit wurde auch die markttechnisch wichtige Marke von 13.500 Zählern wieder zurückerobert, an der sich der Index in der Vergangenheit immer wieder orientiert hatte. Im Vorfeld des angesetzten Impfgipels bei Kanzlerin Angela Merkel herrschte Zuversicht.

Impfgipfel bei der Kanzlerin

Allerdings blieben die Beschlüsse dieses "nationalen Impfplans" vage, der Fortgang der Impfkampagne dürfte vor allem im laufenden ersten Quartal von weiter fehlenden Impfstoffen gekennzeichnet bleiben. Die Kanzlerin bestätigte nach den Gesprächen mit den Ministerpräsidenten sowie Vertretern der Hersteller und der EU aber, dass Besserung für das zweite und dritte Quartal zu erwarten sei.

So rechnet die Bundesregierung auf Grundlage der von der EU beschlossenen Verträge und den Angaben der Firmen damit, dass Deutschland bis Ende März 10,9 Millionen Dosen von BioNTech/Pfizer bekommt, 1,8 Millionen Dosen von Moderna und 5,6 Millionen Dosen von AstraZeneca - also insgesamt 18,3 Millionen.

Im zweiten Quartal wird dann mit rund 77 Millionen Dosen und damit mit noch mehr Impfstoff gerechnet, dann könnten die Hersteller Johnson & Johnson und CureVac dazu kommen. Die rasche Überwindung der Pandemie sei wichtig für die Börse, sagte John Brigs vom Brokerhaus NatWest Markets. "Ein Großteil der Marktbewertungen setzt voraus, dass wir das Licht am Ende des Corona-Tunnels sehen."

Zuletzt hatten Pharmariesen wie Bayer oder Sanofi ihre Unterstützung bei der Produktion weiterer Impfdosen angekündigt, AstraZeneca will zudem doch noch etwas mehr Impfstoffdosen in die EU liefern als zuletzt angekündigt.

Bayer steigt in Corona-Impfstoffproduktion ein

Der Pharmakonzern Bayer will in die Produktion des Corona-Impfstoffs von CureVac einsteigen. Das Präparat, das von dem Tübinger Biotechnologie-Unternehmen derzeit noch entwickelt wird, soll ab Ende 2021 auch von Bayer hergestellt werden. CureVac hofft, dass das Präparat im Sommer auf den Markt kommen kann. Bis Jahresende sind dann bis zu 300 Millionen Dosen geplant, 2022 soll die Zahl deutlich steigen. Bayer-Aktien legten über ein Prozent zu.

Mehr BioNTech-Impfstoff im zweiten Quartal

Positive Nachrichten für die Märkte kommen von BioNTech. Der deutsche Hersteller will im kommenden Quartal die Lieferung seines Covid-19-Vakzins an die Europäische Union erweitern. "Im zweiten Quartal können bis zu 75 Millionen mehr Impf-Einheiten an die EU ausgeliefert werden", erklärte Finanzvorstand Sierk Poetting. Allein für Deutschland soll es im Frühjahr 14 Millionen Dosen mehr geben.

Insgesamt will BioNTech 2021 zwei Milliarden Dosen seines Vakzins herstellen und damit die bisher erwartete Produktion von 1,3 Milliarden Dosen um mehr als 50 Prozent steigern.

Immoaktien gefragt

Unter den Einzelwerten im DAX gehörten die beiden Immobilienaktien Deutsche Wohnen und Vonovia nach einem positiven Analystenkommentar von Barclays zu den größten Gewinnern. Auch für Covestro gab es gleich mehrere positive Expertenkommentare, die Aktie markierte bei Kursen über 58 Euro ein neues Zwei-Jahres-Hoch. Im Gegenzug rutschten beide Fresenius-Aktien ab, wobei die Dialysetochter FMC am Indexende stand. Der Markt für den Dialysespezialisten habe die Talsohle noch nicht erreicht, so Daniel Grigat von Stiefel Europe.

Euro sackt ab

Der Euro ist am Nachmittag unter Druck geraten. Er kostet aktuell 1,2058 Dollar und verliert damit gegenüber der US-Währung über 0,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2084 (Freitag: 1,2136) Dollar fest.

Deutsche Einzelhändler leiden

Fundamental gab es Gegenwind aus Deutschland. Dort ist der Umsatz im Einzelhandel im Dezember wegen Corona-Beschränkungen eingebrochen. Der Rückgang war deutlich stärker als erwartet.

"Ausschlaggebend hierfür war natürlich, dass die meisten Geschäfte einen großen Teil des Monats geschlossen waren", erklärte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Dies habe auch eine kräftige Ausweitung des Online-Handels nicht ausgleichen können. "Da der Lockdown wohl noch einige Zeit anhalten wird, sind vorerst auch keine deutlich besseren Zahlen zu erwarten", so Solveen.

Ölpreise drehen ins Plus

Lange gab es heute keine klare Tendenz am Ölmarkt, ehe die Notierungen im Handelsverlauf dann ins Plus drehten Sowohl die Notierungen für die Nordseesorte Brent als auch für die US-Sorte WTI bleiben damit weiter auf hohem Niveau. Die nachlassende Risikoaversion der Anleger kommt den Notierungen dabei zugute. Der Preis für die Feinunze Gold zieht am frühen Abend 0,4 Prozent an auf 1862 Dollar.

Konzerne mit Staatsbeteiligungen im Fokus

Im DAX standen heute Papiere der Deutschen Telekom und der Deutschen Post im Fokus. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte angekündigt, angesichts der immensen Kosten der Corona-Pandemie zu prüfen, ob das Tafelsilber des Bundes zu Geld gemacht werden kann. An der Telekom hält der Bund rund 32 Prozent, an der Post rund 21 Prozent. Bundesfinanzminister Olaf Scholz wies Altmaiers Überlegungen allerdings zurück.

Gewinnwarnung von Fresenius und FMC

Sowohl die Muttergesellschaft Fresenius als auch die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) haben am Abend nach Börsenschluss ihren Ausblick für 2021 zurückgenommen. Grund dafür ist primär die erhöhte Sterblichkeit von Dialysepatienten infolge der Covid-19-Pandemie.

Da man erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 mit Erleichterungen rechne, strebe der Fresenius-Konzern beim operativen Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr mindestens in etwa stabile Entwicklung an. Die mittelfristigen Wachstumsziele wurden bestätigt, konkrete Zahlen nicht genannt.

FMC erwartet signifikante negative Auswirkungen der zunehmenden Übersterblichkeit von Dialysepatienten durch Covid-19 auf das Konzernergebnis 2021. Anpassungen der Kostenstruktur und Restrukturierungsmaßnahmen seien in Prüfung. Die Ziele für das Gesamtjahr 2020 seien erreicht worden, hieß es weiter. FMC berichtete darüber hinaus von einer Wertminderung des Firmennamens in Lateinamerika. Diese schlage mit einer Abschreibung von 195 Millionen zu Buche, die las Einmalbelastung verbucht werde.

FMC erwartet auf Basis der im Moment verfügbaren Informationen und Analysen für das Geschäftsjahr 2021 ein Umsatzwachstum im höchstens mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das Konzernergebnis1 (währungsbereinigt) erwartet das Unternehmen ohne Berücksichtigung etwaiger Restrukturierungsmaßnahmen einen Rückgang von bis zu 25 Prozent. Die vollständigen Ergebnisse beider Unternehmen werden am 23. Februar veröffentlicht.

Gutes Anleihengeschäft der Deutschen Bank?

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres konnte die Deutsche Bank mit dem Handel von Anleihen offenbar deutlich mehr verdienen. Um etwa ein Fünftel sei der Umsatz der Sparte in den Monaten Oktober bis Dezember zum Vorjahreszeitraum auf rund 1,4 Milliarden Euro gestiegen, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Ein Sprecher wollte dies nicht kommentieren.

Die Bank legt an diesem Donnerstag ihre Jahreszahlen vor. Damit wuchs die Sparte deutlich mehr als bei den fünf größten US-Banken, wo sie durchschnittlich um rund 10 Prozent zulegte. Die Deutsche Bank hatte im Dezember schon erklärt, dass der Umsatz im Anleihehandel im Oktober um 10 Prozent und im November um 23 Prozent stieg. Der Anleihehandel ist im Niedrigzinsumfeld wichtig für die Deutsche Bank, um ihr Profitabilitätsziel zu erreichen.

Lufthansa zu längstem Nonstop-Passagierflug gestartet

Die Lufthansa ist am Sonntagabend vom Flughafen Hamburg mit einem Airbus A350-900 zum längsten Nonstop-Passagierflug in ihrer Unternehmensgeschichte gestartet. Ziel ist die 13.700 Kilometer entfernte Militärbasis Mount Pleasant auf den Falklandinseln. Der Sonderflug dauert 15 Stunden und 35 Minuten. An Bord sind Forscher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) sowie die neue Crew des Forschungseisbrechers "Polarstern".

Siemens Healthineers bekommt eine Personalchefin

Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers erweitert den Vorstand um eine Personalchefin. Die 56-jährige Kanadierin Darleen Caron hat den Posten bereits am Montag angetreten. Außerdem berichtete das MDAX-Unternehmen am Montag über einen Anstieg des Nettogewinns im vergangenen Quartal um 44 Prozent. Die übrigen Kennzahlen hatte Siemens Healthineers bereits bekanntgegeben und die Prognose für 2020/21 erhöht.

Siltronic-Arbeitsplätze zunächst gesichert?

Der taiwanische Konzern GlobalWafers hat für den Fall der milliardenschweren Übernahme des deutschen Chip-Zulieferers Siltronic zunächst den Erhalt von Arbeitsplätzen zugesichert. "Bis Ende 2024 wird es an den deutschen Standorten garantiert keine Veränderungen wie etwa Werksschließungen oder Stellenstreichungen an den einzelnen Standorten geben", sagte GlobalWafers-Chefin Doris Hsu der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Stabilus mit starkem Asien-Geschäft

Im SDAX profitierte Stabilus von den anziehenden Geschäften der Autobauer zum Jahresende 2020. Im Schlussquartal kletterte der Umsatz des Herstellers von Federn und Dämpfern, getrieben von einem starken Asien-Geschäft, um knapp zwei Prozent auf 235,4 Millionen Euro. Der Nettogewinn fiel allerdings von 16,4 auf 14,3 Millionen Euro.

Hamborner Reit für 2021 weniger zuversichtlich

Die Immobilienfirma erwartet im laufenden Jahr sinkende Mieteinnahmen und Gewinne. Für 2021 prognostizierte Hamborner Reit Miet- und Pachterlöse von 82 bis 86 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (FFO) zwischen 45 und 50 Millionen Euro. Für das abgelaufene Jahr, für das noch kein Abschluss vorliegt, hatte das Unternehmen Mieteinnahmen zwischen 87 und 88 Millionen Euro und ein FFO von 52 bis 54 Millionen Euro angepeilt. Die größeren Spannen der Prognosen für 2021 sei der Unsicherheit in der Corona-Krise geschuldet. Die Aktionäre sollen für 2020 eine Dividende auf Vorjahresniveau erhalten.

Ryanair rechnet mit fast einer Milliarde Euro Verlust

Europas größter Billigflieger Ryanair erwartet wegen des Einbruchs des Reiseverkehrs während der Corona-Pandemie im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 einen Verlust von fast einer Milliarde Euro. Zwar lasse sich die Entwicklung angesichts der Änderungen von Reisebeschränkungen schwer vorhersagen, doch prognostiziere das Management angesichts der Impfkampagnen für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr "verhalten optimistisch" ein Minus von 850 bis 950 Millionen Euro.

Nintendo verkauft so viele Switch-Konsolen wie noch nie

In der Pandemie verbringen mehr Menschen Zeit zu Hause und mit Videospielen. Der japanische Spiele-Spezialist Nintendo räumte dank seiner Switch-Konsole im Weihnachtsgeschäft ab. Während die Konkurrenz mit Lieferengpässen zu kämpfen hatte, verkaufte Nintendo im Weihnachtsquartal knapp 11,6 Millionen Switch-Konsolen - so viele wie noch nie in seiner Geschichte. Das Unternehmen erhöhte daraufhin seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr zum zweiten Mal.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2021 um 17:00 Uhr.

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