Zitterpartie an der Wall Street Turbulente Börsenwoche für DAX und Dow

Stand: 26.02.2021 22:12 Uhr

Die Aktienmärkte haben eine Börsenwoche voller Höhen und Tiefen hinter sich. Der DAX schloss den Freitagshandel mit kleinen Verlusten ab. An der Wall Street erholten sich Technologietitel zum Wochenschluss.

Heftige Schwankungen begleiteten auch den letzten Handelstag der Woche, sowohl im deutschen Handel als auch an den US-Börsen in New York. An der Wall Street drehte am Freitag die Stimmung für Technologiewerte, die an den Vortagen deutliche Verluste hingenommen hatten. Die Technologiebörse Nasdaq verbuchte Zugewinne von rund einem halben Prozent. Beim Dow-Jones-Index mit den US-Standardwerten gab es dagegen Verluste von 1,5 Prozent auf 30.932 Punkte. Der Index hatte am Donnerstag mit rund 32.000 Punkten noch den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht.

Der DAX legte im nachbörslichen Abendhandel gegenüber dem Xetra-Schlussstand noch einige Punkte zu. Dennoch verlor der Index im Wochenverlauf gut ein Prozent. Der Börsenmonat Februar wurde allerdings mit einem Plus von rund 2,6 Prozent beendet.

Notwendige Konsolidierung

Laut dem Helaba-Experten Markus Reinwand findet derzeit an den Börsen auch eine notwendige Konsolidierung statt. Inflationsängste dienten dafür als Begründung, seien aber eigentlich kein Problem, solange sie die Notenbanken nicht zu einer Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik bewegten. Dafür gebe es derzeit aber keine Signale.

Für eine Erholung vom sehr schwachen Handelsauftakt im deutschen Handel hatte am Morgen EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel gesorgt, indem sie eine weitere Stützung der Wirtschaft durch die Zentralbank signalisierte, falls dies durch stark steigende Kapitalmarktzinsen nötig werde. Der Anstieg der Kapitalmarktzinsen in den vergangenen Tagen hatte auch US-Notenbankchef Jerome Powell veranlasst zu betonen, dass die Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik noch lange fortsetzen will. Der rasante Zinsanstieg bei Staatsanleihen der vergangenen Tage war am Freitag vorerst zum Stillstand gekommen.

GameStop-Aktie schlägt Kapriolen

Unterdessen hielt die GameStop-Saga die Anleger in New York weiter in Atem. Die Aktien des Videospiele-Händlers stiegen zunächst um mehr als 25 Prozent. Anders als im Januar, als Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds zur Auflösung ihrer Wetten auf einen Kursverfall der Papiere zwangen, hatten Marktteilnehmer keine Erklärung für den Kurssprung. Im Handelsverlauf brachen die Papiere dann um mehr als 20 Prozent ein und standen bei 86 Dollar.

Wackelige US-Konjunktur

Das Konsumklima in der USA hat sich im Februar weniger als erwartet eingetrübt. Das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen fiel gegenüber dem Vormonat um 2,2 Punkte auf 76,8 Zähler. Das ist der niedrigste Stand seit August 2020. Deutlicher als erwartet ging dagegen die Stimmung in der US-Industrie zurück. Das Geschäftsklima in der Region Chicago hat sich im Februar eingetrübt. Der Indikator fiel um 4,3 Punkte auf 59,5 Zähler. Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang auf 61,0 Punkte erwartet. Werte über der Marke von 50 Punkten signalisieren wirtschaftliches Wachstum, Werte darunter deuten auf eine Schrumpfung hin.

Euro unter 1,21 Dollar, Gold fällt

Der US-Dollar konnte auch wegen der Zinsspekulationen weiter Boden gegenüber dem Euro gutmachen. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Abend weiter unter die Marke von 1,21 Dollar. Der Goldpreis kann von den gestiegenen Inflationsängsten derzeit nicht profitieren. Die Feinunze Gold gab weiter nach bis auf 1729 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit sieben Monaten.

Der Preis des Bitcoin entfernt sich weiter von seinen Höchstständen Anfang der Woche. Die Kryptowährung fiel wieder unter die Marke von 50.000 Dollar gefallen und notiert derzeit bei 46.700 Dollar.

VW optimistisch für 2021

Im DAX hat sich die VW-Aktie bis zum Handelsschluss am Freitag an der Spitze gehalten. Volkswagen blickt mitten in der Corona-Pandemie sehr zuversichtlich nach vorn: Im laufenden Geschäftsjahr 2021 erwartet VW, dass die Auslieferungen "deutlich", der Umsatz gar "signifikant" über dem Vorjahr liegen, wie der Konzern am Freitag mitteilte. 2020 konnte VW demnach "besser als erwartet" abschließen: Der Umsatz ging um rund zwölf Prozent zurück, der Nettogewinn schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Die Dividende für das abgelaufene Jahr soll je Vorzugsaktie 4,86 Euro betragen. Das ist genauso viel wie im Vorjahr und das Jahr davor.

Telekom-Prozess wird neu aufgerollt

Mehr als 20 Jahre nach dem dritten Börsengang der Deutschen Telekom AG im Jahr 2000 muss der zugehörige Anlegerschutzprozess noch einmal aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof hat den Musterentscheid des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt erneut in Teilen aufgehoben und zur Neuverhandlung zurückverwiesen. Hinter dem Musterverfahren stehen rund 16.000 klagende Kleinaktionäre, die Schadenersatz für ihre erlittenen Kursverluste in Höhe von rund 80 Millionen Euro verlangen, den die Telekom verweigert.

Die Telekom hatte am Morgen gute Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr vorgelegt. Der Konzern hatte beim Umsatz erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro geknackt.

BASF hofft auf 2021

Leicht im Minus schloss die BASF-Aktie. Das Unternehmen sieht auch im laufenden Jahr große Unsicherheiten für die Geschäftsentwicklung. Nach einem deutlichen Gewinnrückgang im vergangenen Jahr will BASF 2021 aber wieder deutlich zulegen. Der Umsatz soll auf 61 bis 64 Milliarden Euro steigen und das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) auf 4,1 bis 5,0 Milliarden, wie der Ludwigshafener Chemiekonzern am Freitag mitteilte.

Zwei neue DAX-Kandidaten

Im deutschen Aktienindex könnte es wegen der neuen Regeln für den Index in diesem Jahr bereits im März zu einem Stühlerücken kommen. Experten rechnen damit, dass am Mittwoch bei der Entscheidung der Deutschen Börse über die Zusammensetzung einige Index-Mitglieder ausgetauscht werden dürften. Demnach haben Siemens Energy, der Kochbox-Anbieter Hellofresh und der Online-Modehändler Zalando die besten Chancen auf einen Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga. Im Gegenzug drohten dem Nivea-Hersteller Beiersdorf und Heidelberg Cement der Abstieg in den Nebenwerte-Index MDax.

Grenke-Aktie macht Erleichterungssprung

Aktien des wegen seiner Bilanzierung in der Kritik stehenden Leasingspezialisten Grenke legten bis zu 14 Prozent zu. Das Unternehmen sieht sich durch erste Zwischenergebnisse der Bafin-Sonderprüfung in Teilen entlastet. Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars habe den Vorwurf der Geldwäsche nicht bestätigt, erklärte das Unternehmen.

Pfandbriefbank muss abschreiben

Wertberichtigungen lasten auf dem Gewinn des Immobilienfinanzierers. Der Vorsteuergewinn lag 2020 nach vorläufigen Zahlen bei 154 Millionen Euro, 2019 waren es noch 216 Millionen Euro gewesen. Allerdings sei das Ergebnis damit besser als Analysten mit rund 142 Millionen Euro im Schnitt vorhergesagt hatten, teilte das Unternehmen mit. Die Risikokosten seien auf 126 Millionen Euro von 49 Millionen Euro gestiegen. Dabei spielte einerseits die Pandemie eine Rolle, in Großbritannien kämen Wertberichtigungen auf Einzelhandelsimmobilien dazu.

Airbnb bleibt nur die Hoffnung

Die Coronakrise hat tiefe Löcher in die Bilanz des Appartement-Vermittlers Airbnb gerissen - insgesamt machte Airbnb 2020 einen Verlust von 4,6 Milliarden Dollar. Für 2021 geht das Unternehmen wegen der Fortschritte bei den Corona-Impfungen und dem Ende der Lockdowns von einer deutlichen Erholung der Reisebranche aus. Airbnb ist nach eigenen Angaben voll darauf konzentriert, sich für diesen Aufschwung vorzubereiten. Die Anleger hatten Schlimmeres befürchtet, die Aktie hob um zehn Prozent ab.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. Februar 2021 um 06:15 Uhr.

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