Wall Street New York

DAX und Dow Jones Gewinne auf breiter Front

Stand: 17.12.2020 22:16 Uhr

Sowohl in Frankfurt als auch besonders in New York haben die Börsenbullen derzeit das bessere Ende für sich. Die Anleger sind in Rekordlaune und greifen kräftig zu. So auch heute.

Von Robert Minde, tagesschau.de

An der New Yorker Weltleitbörse ist vor allem die Erwartung eines rund 900 Milliarden Dollar schweren neuen Konjunkturprogramms der Regierung der Haupttreiber der derzeitigen Kursgewinne. Im Moment nähern sich Republikaner und Demokraten im Kongress immer weiter an. "Auf Betriebstemperatur hält die Anleger vor allem die Hoffnung auf das langersehnte US-Konjunkturpaket", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Aber auch die anhaltend lockere Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve treibt die Liquiditätshausse immer weiter. Die Währungshüter setzen ihre Krisenpolitik angesichts der weiter schwelenden Corona-Pandemie fort. Die Leitzinsen bleiben in der Nähe der Nulllinie, während weiterhin jeden Monat dreistellige Milliardenbeträge in die amerikanische Wirtschaft gepumpt werden.

Hinzu kommt die Aussicht auf neue Covid-Impfstoffe. US-Vizepräsident Mike Pence will sich am Freitag öffentlich gegen Covid 19 impfen lassen. All das spielt den Börsenbullen fast schon perfekt in die Hände, denn der Markt blickt jetzt mit viel Optimismus auf die Zeit nach der Pandemie.

S&P 500 mit neuem Rekordhoch

Die großen amerikanischen Indizes setzten vor diesem Hintergrund ihren Rekordlauf fort. Sowohl an der Technologiebörse Nasdaq als auch bei den Standardwerteindizes ging es heute weiter bergauf. Nicht spektakulär, aber stetig.

Neue Rekordstände gab es beim breit aufgestellten wichtigen Benchmark-Index S&P-500. In der Spitze erreichte der für viele Fondsmanager maßgebliche Index 3.725 Punkte, der Schlusskurs lag bei 3.722 Punkten. Der Leitindex Dow Jones beendet den Handel bei 30.303 Zählern und blieb im Hoch bei 30.323 Punkten nur einen Wimpernschlag unter seinem bisherigen Rekordhoch. Der Nasdaq 100-Auswahlindex ging bei 12.752, der Composite-Indes bei 12.764 Punkten aus dem Handel. Neue Rekorde sind an der Technologiebörse derzeit nichts Ungewöhnliches.

Dax legt ebenfalls zu

Auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt bleiben weiter in Kauflaune. Der deutsche Leitindex DAX legte am Donnerstag den vierten Tag in Folge zu und schloss 0,8 Prozent höher bei 13.667 Punkten. In der Spitze hatte das führende deutsche Börsenbarometer sogar die Marke von 13.700 Punkten übersprungen, konnte das bisherige "Vor-Corona-Hoch" bei 13.795 Zählern aus dem Februar aber nicht überspringen.

Impfhoffnungen stützen

Der Beginn der Corona-Impfungen in Europa ab dem 27. Dezember sorgte dafür, dass die Börse trotz derzeit weiter steigender Corona-Zahlen ein gutes Ende der Krise antizipiert. Dies trotz Lockdown und weiter hoher Neuinfektionszahlen.

Unter den Einzelwerten waren die beiden Technologievertreter Infineon und SAP besonders gefragt, die von der Rekordlaune der Nasdaq profitierten. Lediglich MTU Aero gaben als Tagesverlierer gegen den Trend stärker nach.

Brexit-Einigung auf Messers Schneide

Spannend bleibt es weiter bei den Brexit-Verhandlungen. Nach einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Boris Johnson hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von große Fortschritten bei den Brexit-Verhandlungen berichtet.

Jedoch müssten bei dem Thema der Fischerei noch "große Differenzen" überbrückt werden, erklärte sie am Donnerstag auf Twitter. Dies werde eine große Herausforderung. Die Verhandlungen sollten Freitag fortgesetzt werden.

Der EU-Chefunterhändler Barnier und der britische Verhandlungsführer, Frost (v.r.). | Bildquelle: AP
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Der EU-Chefunterhändler Barnier und der britische Verhandlungsführer, Frost (v.r.).

Das britische Pfund reagierte auf die Entwicklung mit Kursgewinnen und legte auf über 1,36 Dollar zu. Die Bank of England hat derweil ihren Leitzins auf dem historischen Tief von 0,1 Prozent belassen. Auch das Volumen der Wertpapierkäufe bleibt unverändert.

Euro über 1,22 Dollar

Am Devisenmarkt strebte auch der Euro nach oben. Die Gemeinschaftswährung baute am späten Abend ihre Kursgewinne auf 1,2262 Dollar aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2246 (Mittwoch: 1,2189) US-Dollar fest.

Diese Entwicklung lässt sich ebenfalls als Reaktion auf die Aussagen der Fed interpretieren. Marktbeobachter gehen nun davon aus, dass die Notenbank auch höhere Inflationsraten als in der Vergangenheit tolerieren könnte. Dadurch könnte die Situation eintreten, dass die Inflation höher als das kurzfristige Zinsniveau liegt. In diesem Fall wäre der Realzins negativ, was den Dollar unattraktiv machen würde.

US-Konjunkturdaten ohne klaren Trend

Die aktuellen US-Konjunkturdaten fielen gemischt aus. Während die Erholung am Arbeitsmarkt weiter schleppend verläuft und auch der Konjunkturindikator für die Region Philadelphia, der Philly-Fed-Index, etwas schwächer abschnitt, tendiert der Hausmarkt weiter freundlich.

"Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe der Region Philadelphia hat sich den zweiten Monat in Folge abgeschwächt. Ähnlich wie im Großraum New York liegt der Index aber komfortabel im Expansionsbereich. Letztlich zeichnet sich im Industriesektor aber eine nachlassende Erholungsdynamik ab", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Ölpreise klettern weiter

Am Rohstoffmarkt sind die Ölpreise auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie geklettert. Zeitweise kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent fast 52 Dollar. Die Öllagerbestände in den USA sinken. Außerdem sorgt der schwächere Dollar für eine steigende Nachfrage.

"Nicht nur die Hoffnungen auf eine Verabschiedung des Stimuluspakets in den USA schieben die Preise höher, auch die US-Lagerdaten gaben positive Impulse", erklärte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht die aktuellen Kursgewinne. Die Rohöllagerbestände waren in der vergangenen Woche laut Daten vom Donnerstag stärker als erwartet gefallen. Eine Einigung auf ein Konjunkturpaket in den USA würde die wirtschaftlichen Aussichten verbessern und könnte so die Nachfrage nach Rohöl steigern.

Bitcoin nicht zu bremsen

Der Aufwärtstrend des Bitcoin hält weiter an. Die Kryptowährung stieg heute über die Marke von 23.000 Dollar und erreichte bei 23.774 Dollar ein neues Rekordniveau. Manche Marktbeobachter begründen die sehr starke Entwicklung des Bitcoin mit der ultralockeren Zinspolitik der internationalen Notenbanken.

Weniger Autoverkäufe in Europa

Auch im November sind in der EU deutlich weniger Fahrzeuge erstmals zugelassen worden. Die Zahl sank um zwölf Prozent auf knapp 900.000 Einheiten. In Frankreich gingen die Zulassungen um mehr als ein Viertel zurück. Daimler schloss mit einem Minus von 15 Prozent ab. VW verbuchte einen Rückgang um 13 Prozent und BMW um sechs Prozent.

Rückschlag in der "Diesel-Thematik" für Konzerne

Es ist fünf Jahre her, dass der Diesel-Skandal von Volkswagen publik wurde. Nun hat der Europäische Gerichtshof eine umstrittene Software für illegal erklärt, mit der Abgaswerte bei Zulassungstests geschönt werden konnten. Ein Hersteller dürfe keine Abschalteinrichtung einbauen, die bei Zulassungsverfahren systematisch die Leistung des Systems zur Kontrolle der Emissionen verbessert, erklärte das Gericht. Auch die Verminderung von Verschleiß oder Verschmutzung des Motors könne eine solche Abschalteinrichtung nicht rechtfertigen. Die VW-Aktien reagieren dennoch gefasst, schließlich wurde der Konzern auch ohne dieses Urteil bereits in sehr vielen Fällen dazu verurteilt, Schadenersatz zu zahlen.

Neues Gesicht im BASF-Vorstand

Der Aufsichtsrat des Chemiekonzerns BASF hat die Chemikerin Melanie Maas-Brunner mit Wirkung zum 1. Februar 2021 als Mitglied des Vorstands bestellt. Die in Korschenbroich (Nordrhein-Westfalen) geborene Maas-Brunner habe bisher unter anderem Geschäftsfelder in Asien erfolgreich für die Zukunft aufgestellt, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Bock am Donnerstag einer Mitteilung zufolge in Ludwigshafen. Die 52-Jährige ist seit 1997 bei BASF und leitet seit 2017 den Unternehmensbereich Nutrition & Health. Künftig übernimmt sie unter anderem die Rolle als Arbeitsdirektorin und als Chief Technology Officer des Unternehmens.

Frankfurter Nordwest-Landebahn wird wieder zum Flugzeugparkplatz

Am Frankfurter Flughafen wird in der Corona-Flaute die Landebahn Nordwest erneut als Parkplatz für Flugzeuge genutzt. Anders als im März stellt die Lufthansa diesmal dort Großraumflugzeuge ab, wie Sprecher der Fluggesellschaft und des Flughafenbetreibers Fraport am Donnerstag bestätigten. Im Frühjahr parkten auf der jüngsten Frankfurter Piste vor allem kleinere Mittelstreckenjets vom Typ Airbus A320.

Lufthansa erwägt Airplus-Verkauf

Die von der Corona-Pandemie hart getroffene Lufthansa könnte auf der Suche nach Kapital einem Medienbericht zufolge den Reisedienstleister Airplus verkaufen. Die für Kreditkarten bekannte Tochter könnte bei einem Wiederanziehen des Marktes für Geschäftsreisen bis zu einer Milliarde Euro einbringen, berichtete das "Manager Magazin" am Donnerstag. Die Airline äußerte sich dazu nicht konkret. Ein Lufthansa-Sprecher verwies aber auf jüngste Äußerungen von Konzernchef Carsten Spohr, wonach man sich das Portfolio genau anschaue. Die gelte vor allem für Tochterfirmen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Es werde aber keine Notverkäufe geben.

Evotec erhält Meilensteinzahlungen

Die Aktien des Biotech-Unternehmens Evotec steigen stark und erreichten zeitweise den höchsten Stand seit dem Jahr 2001. Das TECDAX-Mitglied hat so genannte Meilensteine in einer Partnerschaft mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb erreicht. Finanzielle Details wurden nicht genannt. Analyst Charles Weston von der Bank RBC schätzt sie auf 16 Millionen Euro, die kommenden Jahr anfallen dürften.

Höheres Kursziel für Zalando

Zalando-Aktien gehören zu den stärksten Werten im MDAX. Die Schweizer Großbank UBS hat eine Kaufempfehlung ausgesprochen, bisher hatten die Analysten empfohlen, das Papier zu halten. Die Marktbeobachter hoben außerdem ihr Kursziel von 65 auf 99 Euro je Aktie an. Die UBS rechnet mit positiven Nachrichten für das kommende Geschäftsjahr.

Gutachter entscheidet zugunsten von 1&1 Drillisch

Die United Internet-Tochter 1&1 Drillisch sieht sich im Kampf um Vorleistungspreise mit Telefonica Deutschland nach einem endgültigen Schiedsgutachten weiter als Sieger. Der Schiedsgutachter habe das Ergebnis und die Berechnungsmethode seines Entwurfs vom 8. Oktober bestätigt, hieß es am Donnerstag nach Börsenschluss.

In dem schon lange laufenden Streit der beiden Unternehmen geht es um die Preisgestaltung des sogenannten MBA-MVNO-Vertrages (Mobile Bitstream Access - Mobile Virtual Network Operator). Telefonica wollte Vorleistungspreise des Vertrages im Dezember 2018 rückwirkend erhöhen und 1&1 Drillisch auf diesem Wege an den Kosten aus der Frequenzauktion von 2015 beteiligen. Der Vertrag gewährt 1&1 Drillisch Zugang zum Mobilfunknetz von Telefonica. Die im SDAX notierte 1&1-Aktie zog nachbörslich an.

Villeroy & Boch traut sich mehr zu

Die Aktien von Villeroy & Boch des Keramikwaren-Herstellers haben einen sehr guten Lauf. Das Unternehmen hat seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. Villeroy rechnet nun mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mindestens 45 Millionen Euro. Bislang hatte das Unternehmen 30 bis 35 Millionen Euro erwartet.

SNP profitieren von Verkauf

Der Softwareanbieter und IT-Berater SNP Schneider-Neureither & Partner verkauft 51 Prozent an seiner polnischen Tochter SNP Poland an die All for One Group für einen nicht genannten Preis. Die SNP-Aktie macht wegen der Transaktion einen Freudensprung.

Neuer Chef bei Rio Tinto

Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto hat einen neuen Chef gefunden. Der derzeitige Finanzvorstand Jakob Stausholm wird zu Beginn des neuen Jahres Nachfolger von Jean-Sebastien Jacques. Dieser räumt seinen Posten, da unter seiner Ägide 46.000 Jahre alte Felshöhlen der Aborigines in der Juukan-Schlucht gesprengt worden waren.

Moderna-Impfstoff kann in Europa früher kommen

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA will bereits am 4. Januar über die Zulassung eines weiteren Corona-Impfstoffes entscheiden. Es geht um das Präparat des US-Herstellers Moderna, wie die Behörde mitteilte. Das sind acht Tage früher als zunächst geplant.

Zuvor hatte die EMA angegeben, dass sie am 12. Januar über den Moderna-Impfstoff entscheiden werde. Das Pharmaunternehmen habe aber bereits am Donnerstag und damit früher als erwartet das letzte Datenpaket übermittelt. "Dieses enthält spezifische Informationen für die Herstellung für den EU-Markt", teilt die Behörde mit. Der Impfstoff von Moderna könnte damit aller Voraussicht nach der zweite sein, der in der EU auf den Markt kommt.

Bereits am kommenden Montag will die EMA über die Zulassung des Impfstoffes der Hersteller Pfizer und Biontech entscheiden. Sobald dann die EU-Kommission grünes Licht gibt, könnte bereits noch im Dezember in der EU geimpft werden. Die Zustimmung der Kommission gilt als Formsache.

Amazon will frühe Impfung

Der Online-Riese Amazon hat in einem Schreiben an die US-Regierung darum gebeten, seine Mitarbeiter in Warenlagern und Datenzentren bei den Impfungen gegen Covid-19 zu bevorzugen. Der Konzern hat allein in den USA rund 800.000 Mitarbeiter.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Dezember 2020 um 22:15 Uhr.

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