Herbe Kursverluste zum Monatsschluss Hobby-Zocker mischen die Börsen auf

Stand: 29.01.2021 22:29 Uhr

An den Aktienmärkten tobt derzeit der Kampf zwischen David und Goliath. Eine Schar von Kleinanlegern wettet gegen Hedgefonds und bringt die Wall Street ins Wanken. Die Januar-Gewinne lösten sich in Luft auf.

Händler sprechen vom "Zocker-Krieg", andere von der "Schlacht der Kleinsparer gegen alteingesessene Profi-Anleger". Seit Tagen versucht eine Armee von Kleinanlegern, die sich über Online-Dienste wie Reddit organisiert, die Hedgefonds in die Knie zu zwingen. Spielball der Zocker ist die GameStop-Aktie. Die meist jungen Anleger setzten auf steigende Kurse des US-Videospielhändlers und zwangen Hedgefonds, ihre Wetten auf einen Kursverfall der Aktien aufzulösen. "Was bei GameStop passiert, offenbart, dass die Börse kein Spielfeld, sondern ein Schlachtfeld geworden ist", warnte Börsenexperte Dirk Müller auf n-tv.

Das GameStop-Phänomen: Kleine Privatanleger stellen sich mächtigen Hedgefonds entgegen
tagesschau24 09:00 Uhr, 30.01.2021, Christiane Meier, ARD New York

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Zockerei um GameStop geht weiter

Neo-Broker wie Robinhood, die sich großer Popularität bei jungen Kleinanlegern erfreuen, zogen die Reißleine - und stoppten die wilden Zockereien rund um die GameStop-Aktie. Das wiederum sorgte für ein Sturm der Entrüstung. Robinhood geriet in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall-Street-Großinvestoren zu benachteiligen. Am Freitag lenkte der Neo-Broker ein und lockerte die Handelsbeschränkungen wieder. Prompt schoss der Kurs von GameStop wieder in die Höhe. Auch andere Aktien, bei denen Hedgefonds massiv auf fallende Kurse setzen, wurden erfasst.

Der Aufstand vieler Kleinanleger gegen die mächtigen Hedgefonds könnte zu einer ernsthaften Bedrohung des Finanzsystems werden. Denn sollten Hedgefonds ihre Verluste nicht mehr ausgleichen können und in Schieflage geraten, drohen erhebliche Verwerfungen an den Finanzmärkten. Die US-Wertpapieraufsicht SEC erklärte am Freitag, sie beobachte die Vorgänge genau und werde die Sicherheit der Anleger sowie "faire, ordentliche und sichere Märkte" sicherstellen.

Kleines Kursbeben an der Wall Street

Die Jagd der Hobby-Anleger auf Hedgefonds schürt Verunsicherung an den Börsen. Schon jetzt ist von einem "GameStop-Beben" die Rede. Der Dow Jones sackte am Freitag um rund zwei Prozent auf unter 30.000 Punkte ab. Mit einem Minus von knapp 3,3 Prozent war es die schlechteste Börsenwoche seit Oktober. Die gesamten Gewinne im Januar sind nun wieder weg. Der breiter gefasste S&P 500 und die Nasdaq knickten zum Wochenschluss ebenfalls um rund zwei Prozent ein.

Wie gewonnen, so zerronnen!

Im Sog der schwachen US-Börsen weitete auch der DAX seine Verluste aus. Er schloss am Freitag 1,7 Prozent tiefer bei 13.432 Zählern. Damit summierte sich das Wochenminus auf 3,2 Prozent. Auch die Monatsbilanz ist negativ. Im Januar büßte der DAX 2,1 Prozent ein, nachdem er zeitweise einen neuen Rekord bei 14.131 Punkten erreicht hatte.

Das Impfstoff-Desaster

Für zusätzliche Verunsicherung am Freitag sorgen die mangelnden Fortschritte bei den Impfungen und neue Lockdowns. "Fehlender Impfstoff, Virusmutationen - der Weg aus der Pandemie bleibt wahrlich holprig", sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Nun werde befürchtet, dass in Europa die Staaten die Impfstoff-Beschaffung wieder in die eigenen Hände nehmen, sollte die EU mit der Koordination scheitern, warnte Marktbeobachter Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Dies könnte zu erneuten Spannungen innerhalb der Gemeinschaft führen und auf den europäischen Börsen lasten."

Brüssel gibt grünes Licht für AstraZeneca-Impfmittel

Der Streit zwischen der EU und AstraZeneca hält an. Brüssel sieht sich dem Vorwurf gegenüber, zu wenig bestellt zu haben. AstraZeneca muss erklären, warum Großbritannien, Heimatland des Unternehmens, den vollen Umfang der Impfstoffdosen erhält. Am Nachmittag gab die EU grünes Licht für den Covid-19-Impfstoff des britischen Pharma-Riesen, erteilte aber nur eine bedingte Zulassung.

Rückschlag für Johnson & Johnson

Einen kleinen Rückschlag gab es für einen weiteren Impfstoff-Kandidaten: Der Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson zeigt einer Studie zufolge eine weltweite Wirksamkeit von 66 Prozent. Aktien des US-Konzerns fielen um 3,6 Prozent. Die Papiere von BioNTech legten hingegen 6,3 Prozent zu, die Titel von Moderna stiegen um mehr als 8,5 Prozent.

Novavax-Impfmittel mit hoher Wirksamkeit

Der Impfstoff des US-Herstellers Novavax hat laut vorläufigen Ergebnissen indes rund 90 Prozent Wirksamkeit gegen Covid-19 aufgezeigt. Gegen die in Großbritannien zuerst entdeckte Mutation soll das Vakzin sehr gut wirken - weniger stark soll die Wirkung hingegen bei der südafrikanischen Variante sein. Die Novavax-Aktien schossen um 65 Prozent in die Höhe.

GB hält an Astrazeneca-Impfstoff fest und freut sich über Novavax-Entwicklung
Thomas Spickhofen, ARD London
29.01.2021 15:29 Uhr

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Novartis hilft BionTech bei der Produktion

Derweil wurde bekannt, dass Novartis ab dem Frühling bei der Produktion des Coronavirus-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer mithelfen will. Der Schweizer Pharmakonzern hat mit BioNTech eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. So plane Novartis, den Wirkstoff von BioNTech zu beziehen und diesen unter aseptischen Bedingungen im Werk im schweizerischen Stein in Fläschchen abzufüllen. Danach sollen die Fläschchen für den weltweiten Vertrieb zurück an BioNTech gehen.

Flucht in Gold

Wegen der wachsenden Nervosität an den Aktienmärkten flüchteten einige Anleger in "sichere Häfen" wie Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um ein Prozent auf 1858 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Elon Musk schiebt den Bitcoin an

Und auch beim Bitcoin nahmen die Schwankungen wieder zu. Die Kryptowährung stieg auf der Handelsplattform Bitstamp im Tagesverlauf um rund zwanzig Prozent bis auf rund 38.000 Dollar. Zuletzt notierte er bei 36.000 Dollar. Beobachter machten dafür einen Tweet von Tesla-Chef Elon Musk mit dem simplen Hashtag "#Bitcoin" verantwortlich. Bereits vor einigen Tagen hatte Musk mit einer Verlinkung auf ein Anleger-Forum im Internet den Börsen-Hype um Gamestop noch zusätzlich befeuert.

Daimler fährt Milliardengewinn ein

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählte Daimler mit einem Plus von ein Prozent. Der Stuttgarter Autobauer hat mit einem unerwarteten Endspurt die eigenen Gewinnerwartungen und die Prognosen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag im vergangenen Jahr trotz Corona bei 6,6 Milliarden Euro. Analysten hatten dem Konzern im Schnitt nur gut 5,2 Milliarden Euro zugetraut, Daimler selbst hatte noch im November ein Ergebnis von 4,3 Milliarden in Aussicht gestellt.

SAP will Dividende erhöhen

Die SAP-Aktien verloren über drei Prozent. Der Softwarekonzern will mit den Erlösen aus dem US-Börsengang seiner Marktforschungstochter Qualtrics vorwiegend die Schulden senken. Allerdings werde man dem Aufsichtsrat auch eine Erhöhung der Dividende vorschlagen, sagte Finanzchef Luka Mucic in einer Telefonkonferenz.

BMW produziert den i4 früher

Der BMW-Konzern will laut einem "Handelsblatt"-Bericht das Elektroauto-Modell i4 schon im August oder spätestens im September produzieren. Ursprünglicher Termin war Ende 2021. BMW reagiere mit dem früheren Produktionsstart auf die stark ansteigende Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland. Zum anderen wolle das Unternehmen dem Rivalen Tesla zuvorkommen.

JPMorgan empfiehlt Sartorius

Die Aktien von Sartorius waren Spitzenreiter im MDax. Sie stiegen um fünf Prozent. Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für den Pharma- und Laborausrüster von 390 auf 455 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Die guten Quartalszahlen, der Ausblick auf das laufende Jahr sowie die deutlich angehobenen mittelfristigen Ziele stimmen JPMorgan optimistischer für Sartorius.

Rational heruntergestuft

Dagegen fielen die Aktien von Rational um rund fünf Prozent. Die Deutsche Bank hat den Großküchenausrüster von "Hold" auf "Sell" abgestuft, das Kursziel aber von 425 auf 460 Euro angehoben. Rational dürfte im vergangenen Jahr eine stabile Geschäftsentwicklung auf niedriger Basis verzeichnet haben, schrieb der zuständige Analyst in einer Studie.

Siltronic zuversichtlich für 2021

Den Halbleiterzulieferer Siltronic haben im vergangenen Jahr niedrigere Verkaufspreise für seine Siliziumwafer und der starke Euro belastet. Der Umsatz fiel 2020 um rund fünf Prozent auf gut 1,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um rund 16 Prozent auf 344 Millionen Euro. Konzernchef Christoph von Plotho erwartet einen guten Start in das Jahr 2021. Siltronic soll vom taiwanesischen Konkurrenten Globalwafers geschluckt werden. Die Taiwaner hatten ihr Angebot jüngst auf 145 Euro je Aktie aufgestockt. Die Mindestannahmeschwelle liegt inzwischen nur noch bei 50 Prozent. Zuletzt hatten GlobalWafers noch 13,05 Prozent der ausstehenden Aktien gefehlt.

Aggregate steigt bei S Immo und Immofinanz ein

Das Übernahmekarussell in der österreichischen Immobilienbranche nimmt Fahrt auf. Der Immobilieninvestor Aggreate ist mit einem Minderheitsanteil bei den beiden Wiener Immobilienunternehmen S Immo und Immofinanz eingestiegen. Bei der S Immo sicherte sich der Investor einen Anteil von 9,03 Prozent, an der Immofinanz von 10,54 Prozent. Der Schritt stehe im Einklang mit der Strategie, unterbewertete Immobilien zu erwerben, hieß es. Aggregate dürfte das S-Immo-Paket vom österreichischen Investor und Chef des Immobilienkonzerns Immofinanz, Ronny Pecik, erworben haben.

Gewinnrückgang bei H&M

Der zweitgrößte Modekonzern der Welt, H&M, hat die zweite Corona-Welle mit zahlreichen Geschäftsschließungen zu spüren bekommen. Der Gewinn lag im vierten Geschäftsquartal 2019/20 von September bis November bei 3,67 Milliarden schwedische Kronen (etwa 363 Millionen Euro) - nach 5,4 Milliarden Kronen im Vorjahreszeitraum.

Gewinnvervielfachung bei LG

Trotz anhaltender Verluste im Smartphone-Geschäft hat der südkoreanische Elektronikhersteller LG den Gewinn im vergangenen Jahr kräftig steigern können. Der Überschuss erreichte 2,06 Billionen Won (umgerechnet 1,5 Milliarden Euro). Das war mehr als elfmal so viel wie ein Jahr zuvor. LG profitierte vor allem vom robusten Absatz von Haushaltsgeräten und Produkten der Sparte Heimunterhaltung wie etwa Fernsehgeräte.

Dr. Martens stiefelt an die Börse

Die Aktien von Dr. Martens legten am Freitag ein fulminantes Debüt an der Londoner Börse hin. Die Papiere des britischen Schuherstellers schlossen bei 450 Pence und damit fast 22 Prozent über dem Ausgabekurs von 370 Pence. Dr. Martens, das erstmals 1960 seine Kult gewordenen Stiefel auf den Markt brachte, verkauft jedes Jahr mehr als elf Millionen Paar Schuhe in gut 60 Ländern. Die Aktien seien achtfach überzeichnet gewesen, erklärte das Unternehmen. Der Finanzinvestor Permira hatte für das Unternehmen vor sieben Jahren gerade 380 Millionen Euro gezahlt.

Coinbase bald als Aktie

Die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen wie Bitcoin, Coinbase, konkretisiert ihre Pläne für einen Börsengang. Das in San Francisco ansässige Unternehmen kündigte an, seine Aktien über eine Direktplatzierung in den Handel zu bringen. Dabei werden die Papiere ohne Begleitung durch Investmentbanken und ein vorheriges Preisbildungsverfahren direkt an der Börse gelistet.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 29. Januar 2021 um 12:00 Uhr, die Tagesthemen um 22.00 Uhr sowie Inforadio 19:35 Uhr.

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