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Hoffnung auf Brexit-Handelspakt Mit Kursgewinnen in die Weihnachtspause

Stand: 23.12.2020 22:30 Uhr

Die Sorgen vor mutierten Coronaviren und einer dritten Infektionswelle sind an den Börsen wie weggeblasen. Am letzten Handelstag vor Weihnachten setzte der DAX seine Erholung fort - auch dank einer Hoffnung.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Eine schöne Bescherung für die Börsen: Die kaum noch erwartete Einigung im Brexit-Streit zwischen der EU und Großbritannien scheint kurz vor Weihnachten doch noch zu kommen. Zumindest verdichteten sich die Spekulationen, dass sich beide Seiten angenähert hätten. Es sei "möglich, aber alles andere als sicher", dass in Kürze ein Abkommen mit der EU vereinbart werde, hieß es aus britischen Regierungskreisen. Ähnliche Signale kamen auch von Seiten der Europäischen Union. Man sei in der Endphase. Gelänge eine Einigung, könnte ein harter wirtschaftlicher Bruch beider Seiten zum Jahresende im letzten Augenblick vermieden werden.

DAX macht Montagsverluste fast wett

Die Hoffnung auf ein Last-Minute-Brexit-Abkommen trieb den DAX am Mittwoch um 1,3 Prozent nach oben. Es war der zweite Gewinntag in Folge. Mit 13.587 Punkten hat der deutsche Leitindex nun einen Großteil seiner herben Kursverluste zum Wochenbeginn wieder aufgeholt. Auf Jahressicht liegt der DAX über 300 Punkte höher.

Wall Street schließt im Plus

Auch an der Wall Street ging es bergauf. Der Dow Jones schloss rund 0,4 Prozent im Plus bei 30.129 Punkten. Der marktbreite S&P 500 stieg um 0,1 Prozent. Nur der technologielastige Nasdaq 100 gab etwas nach. Die Anleger zeigten sich relativ unbeeindruckt vom Veto von Präsident Donald Trump gegen das vom Kongress beschlossene 900 Milliarden schwere Corona-Konjunkturpaket.

Allerdings waren die Umsätze auch an der Wall Street recht dünn. Am Donnerstag, den 24. Dezember, wird dort noch einmal gehandelt, die US-Börsen schließen aber drei Stunden früher als sonst. Die Frankfurter Börse hingegen ist an Heiligabend dicht und öffnet erst wieder am 28. Dezember.

"Anleger handeln das Licht am Ende des Tunnels"

"Die Börse lässt sich derzeit nicht so leicht aus dem Tritt bringen, die Virus-Mutation konnte die Rally am deutschen Aktienmarkt nur kurz unterbrechen", sagte Jochen Stanzl, Marktbeobachter vom Brokerhaus CMC Markets. Mit dem Impfstart rückten Wirtschaft und Gesellschaft wieder ein Stück zurück in Richtung Normalität. "Die Anleger handeln derzeit das Licht am Ende eines wenn auch noch sehr langen Tunnels."

Neue Corona-Variante in Großbritannien

Die Angst vor einer neuen Corona-Variante trat in den Hintergrund. "Die Händler vertrauen auf die Wirkmacht der Impfungen sowie der weltweiten geldpolitischen und fiskalischen Unterstützung", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. In Großbritannien wurden zwei Fälle einer angeblich noch ansteckenderen Variante des Virus, das aus Südafrika stammt, festgestellt. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock zeigte sich beunruhigt. "Diese neue Variante ist höchst besorgniserregend, weil sie noch übertragbarer ist und anscheinend weiter mutiert ist als die (erste) neue Variante."

Euro profitiert von möglichem Brexit-Deal

Der Euro zog zeitweise kräftig an und kletterte über die Marke von 1,22 Dollar. Am Abend notierte er bei 1,2195 Dollar. Die Hoffnungen auf eine Einigung im Brexit-Streit zwischen der EU und Großbritannien gaben dem Euro Auftrieb. Auch das britische Pfund legte um 1,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar zu.

Autoaktien fahren voran

Vor allem Autoaktien waren heute ganz vorne im DAX. Daimler, Conti und VW führten hinter MTU den Leitindex an. Medienberichte, wonach Daimler einen Börsengang seiner LKW-Sparte plant, halfen dem Sektor. Die Aktie von Delivery Hero litt dagegen unter kleinen Gewinnmitnahmen und war größter Dax-Verlierer.

Plant Daimler einen LKW-Börsengang?

Der Stuttgarter Autobauer Daimler bereitet einem Medienbericht zufolge den Börsengang seines Lastwagengeschäfts vor. Bereits Ende 2021 könnte Daimler Trucks vom Rest des Unternehmens abgetrennt werden und an die Börse gehen, meldet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzern- und Finanzkreise. Wahrscheinlicher sei der Schritt aber im Jahr 2022. Daimler wollte sich dem Bericht zufolge zu den Überlegungen nicht äußern. Volkswagen hatte im vergangenen Jahr seine Lkw-Tochter Traton an die Börse gebracht.

Allianz-Chef erwartet Pleiten

Allianz-Chef Oliver Bäte | Bildquelle: picture alliance / Peter Kneffel/dpa
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Allianz-Chef Oliver Bäte

Allianz-Chef Oliver Bäte hat angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik infolge der Pandemie vor Pleiten deutscher Lebensversicherer gewarnt. "Ich rechne gerade angesichts der massiven Verwerfungen damit, dass ein paar Wettbewerber, die nicht gut gewirtschaftet haben, ausscheiden", sagt Bäte dem "Handelsblatt".

Siemens Energy macht weiter Wind

Siemens Gamesa
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Siemens Gamesa

Im MDAX waren die Aktien von Siemens Energy gefragt. Sie stiegen um 3,1 Prozent. Der Energietechnik-Konzern beabsichtigt nach eigenen Angaben nicht, die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa in Teilen oder ganz zu verkaufen. "Siemens Gamesa ist der grüne Teil im Portfolio von Siemens Energy", sagte ein Händler. "Es wäre eine Überraschung, wenn sie sich von diesem prestigeträchtigen Geschäft trennen würden." Einem spanischen Zeitungsbericht zufolge hatten mehrere asiatische Firmen ein Auge auf Siemens Gamesa geworfen, darunter Shanghai Electric und Mitsubishi. Derweil will Siemens Energy sein Geschäft mit Wasserstoff massiv ausbauen. "Wasserstoff kann für Siemens Energy ein Milliardengeschäft werden", sagte Vorstandschef Christian Bruch dem "Handelsblatt".

Hapag-Lloyd gibt Großbestellung auf

Hapag-Lloyd Container
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Hapag-Lloyd Container

Die Reederei Hapag-Lloyd hat für rund eine Milliarde Dollar sechs Containerschiffe mit einer Kapazität von jeweils mehr als 23.500 Standardcontainern (TEU) bestellt. Lieferbeginn für die Schiffe, die sowohl mit Flüssigerdgas (LNG) als auch mit konventionellem Treibstoff betrieben werden sollen, sei im April 2023, teilte die Hamburger Reederei am Mittwoch mit. Das letzte der für die Europa-Fernost-Routen vorgesehenen Schiffe soll im Dezember 2023 von der koreanischen Werft Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering übergeben werden.

Aixtron-Aktie im Höhenflug

Die Aktie des Chipanlagenbauers Aixtron ist am Mittwoch auf einen weiteren Höchstkurs seit April 2018 gestiegen. Allein seit Anfang November belaufen sich die Gewinne auf fast 50 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Plus von fast 70 Prozent zu Buche. Händler verwiesen zur Begründung für die fortgesetzten Kursgewinne auf Fortschritte eines Projekts mit einem asiatischen Display-Hersteller.

Hellofresh offenbar überlastet

Die Aktien von Hellofresh sackten indes um rund fünf Prozent ab. Der Kochboxenversender leidet offenbar unter Kapazitätsengpässen. Laut einem "Handelsblatt"-Bericht sei Hellofresh derart überlastet, dass das Berliner Unternehmen seinen Stammkunden Belohnungen verspreche, wenn sie ihre Bestellung stornierten.

LG und Magna gründen E-Tochter

Der südkoreanische Elektronikriese und der österreichisch-kanadische Autozulieferer schließen ein Joint Venture für Schlüsselkomponenten für Elektroautos. Das Gemeinschaftsunternehmen soll unter LG Magna e-Powertrain firmieren und einen Wert von einer Milliarde Dollar haben. LG werde 51 Prozent des neuen Unternehmens halten und Magna 49 Prozent, teilte LG mit. Die Firma wird E-Motoren, Wechselrichter und Bordladegeräte herstellen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.

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