Gewinnmitnahmen Wall Street macht (Rekord-)Pause

Stand: 11.02.2021 22:24 Uhr

Auch an der Wall Street wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Nach mehreren Rekordtagen in Folge ging dem Dow Jones die Luft aus. Der DAX hingegen konnte seine Anfangsgewinne halten.

Fed-Chef Jerome Powell hat bei seinem virtuellen Auftritt im Economic Club of New York das Inflationsgespenst verscheucht - und die Anleger beruhigt. Die Warnung von mehreren Ökonomen, dass ein billionenschweres Konjunkturpaket in den USA zu mehr Inflation führe, wischte der oberste US-Notenbanker beiseite. Sollte die Preisstabilität gefährdet sein, könnte die Fed gegensteuern.

Fed-Chef hält an ultralockerer Geldpolitik fest

Powell konstatierte zwar, dass die Erholung am US-Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten zum Stillstand gekommen sei. Wegen des hohen Maßes an Unsicherheit sei aber an einen Entzug der geldpolitischen Unterstützung nicht zu denken, bevor die Pandemie vorbei sei, erklärte der Fed-Präsident. "Die Tatsache, dass Jerome Powell an seiner Geldpolitik nicht rütteln will, selbst wenn der Arbeitsmarkt anzuziehen beginnt, sagt eigentlich alles", freute sich Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

Dow Jones kann Gewinne nicht halten

Die Aussicht auf eine weiter ultralockere Geldpolitik der Fed gab der Wall Street zunächst weiteren Auftrieb. Der Dow Jones markierte mit 31.543 Punkten den vierten Tag in Folge ein neues Rekordhoch. Dann aber setzten Gewinnmitnahmen ein. Der US-Standardwerteindex rutschte ins Minus und schloss etwas leichter bei 31.430 Zähler. Der breiter gefasste S&P 500 trat weitgehend auf der Stelle, nur an der Nasdaq 100 war die Tendenz klar positiv. Die Zeit sei einfach reif für eine Verschnaufpause, meinte ein Marktteilnehmer an der Wall Street.

Ton zwischen China und dem Westen wird schärfer

Am Markt gab es aber auch Befürchtungen über zunehmende Spannungen zwischen China und dem Westen. In einem ersten Telefonat mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kritisierte US-Präsident Joe Biden "Pekings unfaire wirtschaftliche Praktiken, die Repression in Hongkong und Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang". Zudem belastete die Nachricht, dass der Rundfunksender BBC World News aus China verbannt wurde.

DAX überwindet wieder die 14.000 Punkte

Der "Powell-Effekt" sorgte am deutschen Aktienmarkt für Kauflaune. Der DAX beendete seine kleine Durststrecke der letzten beiden Tage und schloss um 0,7 Prozent im Plus. Er eroberte die Marke von 14.000 Punkten zurück und lag fast wieder auf dem Niveau, das er Ende der vergangenen Woche erreicht hatte.

Dauer-Lockdown lässt Anleger kalt

Die Verlängerung des Lockdowns in Deutschland um zunächst drei Wochen kann die gute Stimmung am Aktienmarkt kaum trüben. Die anhaltend strengen Beschränkungen dürften allerdings schwer auf dem Wirtschaftswachstum im ersten Quartal lasten, meint Analystin Katja Müller von der Landesbank Baden-Württemberg. Noch immer ist völlig unklar, ob es nach Ablauf der Frist nicht weitere deutliche Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens geben muss, weil sich die gefährlichen deutlich ansteckenderen Virusmutationen laut Epidemiologen weiter stark ausbreiten dürften.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht keine Notwendigkeit für weitere Staatshilfen zur Bewältigung der Corona-Krise. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Pandemie so überleben können, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen", sagte Sewing beim virtuellen Neujahrsempfang der Bank am Donnerstag. Er erwarte keine massive Pleitewelle. Weitere Staatshilfen sieht Sewing kritisch. Der Staat sollte nicht noch draufsatteln auf die bisher gemachten Konjunkturprogramme. Viele Ökonomen und Politiker warnen vor einem Anstieg der Insolvenzen, vor allem wenn die Pflicht zur Insolvenzanmeldung wieder uneingeschränkt gilt.

Italiens Anleiherendite auf Rekordtief

Am Abend machte die Fünf-Sterne-Bewegung den Weg frei für eine neue italienische Regierung unter Ex-EZB-Chef Mario Draghi. Erwartet wird, dass Draghi am Freitag Präsident Sergio Mattarella seine Kabinettsliste vorlegt und kommende Woche sein Programm im Parlament vorstellt. Dort muss er dann in beiden Kammern Vertrauensabstimmungen gewinnen. Die Aussicht auf eine italienische Regierung unter Führung von Draghi lockte Anleger in die Anleihen des Landes. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Rekordtief von 0,462 Prozent. Gleichzeitig fiel der Risikoaufschlag zu vergleichbaren Bundestiteln auf den tiefsten Stand seit mehr als fünfeinhalb Jahren.

UBS lobt Adidas und Puma

Besonders begehrt waren am Donnerstag die Aktien von Sportartikelherstellern. Eine Kaufempfehlung der schweizerischen Großbank UBS trieb die Aktien von Adidas und Puma an. Nachdem Adidas im vergangenen Jahr auf eine Reduzierung zu hoher Lagerbestände gesetzt habe, stehe der Konzern nun vor einem Neustart, schrieb die zuständige Analystin. Puma habe derweil von höheren Marktanteilen profitiert, weshalb die Aktien die des Kontrahenten Adidas weit hinter sich gelassen hätten. Die Marke sei stark, im Vertrieb und in neuen Produktgruppen lägen zusätzliche Wachstumschancen.

Rekordjahr für die Deutsche Börse

Zu den Gewinnern im DAX zählte auch die Deutsche Börse. Das hohe Handelsvolumen an den Finanzmärkten hat dem Frankfurter Börsenbetreiber ein Rekordjahr beschert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis stieg 2020 um neun Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Nettoerlöse legten um ebenfalls neun Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zu. Die Dividende steigt um zehn Cent auf drei Euro je Aktie.

VW verbündet sich mit Microsoft

Der Volkswagen-Konzern kooperiert mit Microsoft, um Software für vernetzte Assistenz-Systeme und automatisiertes Fahren zu entwickeln. Microsofts Cloud-Dienste sollen beim Aufbau einer Plattform für Entwickler zum Einsatz kommen, teilten die Unternehmen am Donnerstag mit. Ein Ziel ist es demnach auch, Software-Updates zu ermöglichen, die wie bei Tesla per Funk vorgenommen werden.

Commerzbank enttäuscht mit neuer Strategie

Die Aktien der Commerzbank sackten um sechs Prozent ab und waren Schlusslicht im MDAX. Das Geldinstitut will nach einem Nettoverlust von fast 2,9 Milliarden Euro im laufenden Jahr wieder ein positives operatives Ergebnis erreichen. "Wir werden alles tun, um die Commerzbank wieder stark, leistungsfähig und nachhaltig profitabel zu machen", versprach der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof. Der Sanierer räumt kräftig auf: 10.000 Stellen fallen weg, und fast jede zweite Filiale macht dicht. Aus dem Aktienhandel und dem Research zieht sich die Bank zurück und arbeitet mit externen Anbietern zusammen. Erst ab 2023 sollen die Aktionäre wieder eine Dividende erhalten.

Passagier-Flaute bei Fraport

Die verschärften Lockdowns und Reisebeschränkungen machen dem Frankfurter Flughafen weiter stark zu schaffen. Im Januar zählte der Flughafenbetreiber Fraport an Deutschlands größtem Flughafen rund 880.000 Passagiere und damit gut 80 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Deutlich besser lief es weiterhin im Geschäft mit der Luftfracht. Im Januar erhöhte sich das Aufkommen im Jahresvergleich um knapp ein Fünftel. Die MDAX-Aktien büßten über ein Prozent ein.

Sartorius auf Rekordhoch

Sartorius-Aktien zogen dagegen kräftig um drei Prozent an und erreichten mit über 480 Euro einen neuen Höchststand. Das Investmenthaus Stifel Europe verhalf den Papieren mit einem hohen Kursziel zu einem Rekordhoch. Stifel schraubte das Kursziel von 430 auf 515 Euro nach oben und begründete den Optimismus mit den Wachstumsaussichten der Sparte Bioprozess- und Labortechnik (BPS).

HHLA wird wiederentdeckt

Im SDAX profitierten die Aktien des Hamburger Hafenkonzerns HHLA von Aussagen der Commerzbank. Diese hat ihr Kursziel für den Wert von 23 auf 25 Euro angehoben. Analyst Adrian Pehl zeigte sich überrascht von der bereinigten operativen Ergebnismarge im vierten Quartal. Diese sei im vierten Quartal auf den höchsten Stand zehn Jahren gestiegen.

Bilfinger zuversichtlich für 2021

Die Pandemie und der Verfall bei den Ölpreisen haben beim Industriedienstleister Bilfinger im vergangenen Jahr deutliche Spuren hinterlassen. Der Umsatz ging im Jahresvergleich um ein Fünftel auf knapp 3,5 Milliarden Euro zurück. Operativ lief es noch schlechter. Das bereinigte operative Ergebnis des DAX-Unternehmens sackte um vier Fünftel auf 20 Millionen Euro ab. Unter dem Strich wies Bilfinger dank eines Sondererlöses einen Gewinn von 99 Millionen Euro aus. Für das laufende Jahr rechnet Bilfinger mit einem deutlichen Umsatzwachstum. Das bereinigte Ebita soll sich erheblich verbessern. Die Aktien gewannen drei Prozent.

AstraZeneca verdient deutlich mehr

Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar verdoppelt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 26,6 Milliarden Dollar. Für 2021 stellte der Konzern ein Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen im niedrigen Zehnerprozentbereich in Aussicht. Der bereinigte Ergebnis je Aktie soll stärker auf 4,75 bis 5,00 Dollar je Aktie zulegen.

Walt Disney schafft überraschend kleinen Gewinn

Disney +
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Disney + App

Dank eines boomenden Streaming-Geschäfts ist der Entertainment-Gigant in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Im ersten Quartal schaffte Disney unter dem Strich einen Gewinn in Höhe von 29 Millionen Dollar. Analysten hatten mit einem Verlust gerechnet. Die Erlöse schrumpften um 22 Prozent auf 16,2 Milliarden Dollar. Vor allem das Geschäft mit den Disneys Vergnügungsparks, Ferienresorts und Kreuzfahrten litt unter der Corona-Krise. Die Aktie reagierte nachbörslich mit Kursgewinnen.

Anleger fliegen auf Bumble

Der Börsengang des Tinder-Rivalen Bumble hat am Donnerstag Anleger ins Schwärmen gebracht. Die Papiere des Betreibers der Online-Dating-Plattformen Bumble und Badoo lagen mit 76 Dollar fast 77 Prozent über dem Ausgabepreis. Insgesamt wurde das Unternehmen beim Börsengang mit rund 8,2 Milliarden Dollar bewertet. Die Bumble-App wurde 2014 von der erst 31 Jahre alten Whitney Wolfe Herd gestartet. Als Besonderheit von Bumble gilt, dass Frauen dort den ersten Schritt beim Dating machen. In den ersten neun Monaten 2020 machte die Firma allerdings einen Verlust von 28 Millionen Dollar.

Pepsi wächst dank Snacks

Der Getränke- und Lebensmittelriese Pepsi ist dank der hohen Nachfrage nach Chips und anderen Knabbereien im Corona-Jahr gewachsen. Die Erlöse kletterten um fünf Prozent auf 70,4 Milliarden Dollar. Allerdings verdiente Pepsi wegen höherer Kosten weniger: der Jahresgewinn sank auf 7,1 Milliarden Dollar. Die Aktien fielen um ein Prozent.

Kraft Heinz übertrifft Erwartungen

Kraft Heinz
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Deckel mit Kraft Macaroni-Schriftzug und Heinz-Tomaten-Ketchup-Flasche

Die Titel von Kraft Heinz stiegen dagegen um über fünf Prozent. Der Lebensmittel-Hersteller machte im abgelaufenen Quartal bei einem Umsatz von 6,94 Milliarden Dollar einen Gewinn von 0,80 Dollar je Aktie. Damit wurden die Markterwartungen übertroffen. Zudem soll die Nuss-Sparte für 3,35 Milliarden Dollar verkauft werden.

Cannabis-Aktien sind der neue Spielball der Zocker

US-Privatanleger haben in Cannabis-Aktien offenbar ein neues Spekulationsobjekt gefunden. Ende Januar waren sie bei dem Videospiel-Händler Gamestop ein Kräftemessen mit Hedgefonds eingegangen, neuerdings scheinen nun Aktien wie Sundial Growers zu ihren Lieblingen zu werden. Am Donnerstag ging deren Höhenflug weiter.

Ölpreis-Rally gestoppt

An den Rohstoffmärkten nahmen Anleger beim Öl nach der jüngsten Rally Gewinne mit. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich um elf Cent auf 61,35 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI sank um 18 Cent auf 58,50 Dollar. Die Internationale Energieagentur IEA hat die Jahresprognose der globalen Ölnachfrage erneut um 200.000 Barrel je Tag reduziert. Hauptgrund sind neue Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie, die die Reisetätigkeit und die wirtschaftliche Aktivität begrenzen.

Bitcoin nähert sich den 50.000 Dollar

Der Bitcoin nähert sich der 50.000er Marke an. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg heute um 7,5 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 48.387,04 Dollar. Auslöser der jüngsten Kursgewinne war ein Internetbeitrag des Kreditkartenunternehmens Mastercard. In einem Blog äußerte Raj Dhamodharan, zuständig bei Mastercard für digitale Vermögenswerte, dass das Unternehmen Transaktionen mit ausgesuchten Kryptowährungen erlauben wolle.

Bereits Anfang der Woche hatte Tesla bekanntgegeben, einen Milliardenbetrag in Bitcoin angelegt zu haben und künftig seinen Kunden die Bezahlung in Bitcoin ermöglichen zu wollen. Derartige Nachrichten weckten die Hoffnung, dass weitere Unternehmen folgen und die Akzeptanz des Bitcoin steigt.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. Februar 2021 um 14:15 Uhr.

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