China warnt Droht eine Börsenblase?

Stand: 02.03.2021 22:47 Uhr

Nach dem fulminanten Monatsauftakt ist die Luft an den Aktienmärkten vorerst raus. Die Wall Street beendete ihre Rekordjagd und bremste den DAX-Anstieg. Die Warnungen vor einer Aktienblase zeigten Wirkung.

Ein Mann namens Guo Shuqing dämpfte am Dienstag die gute Stimmung an den Börsen. Shuqing ist der oberste Börsenaufseher in China und hat in der Finanzwelt durchaus was zu sagen. Der Chef der Regulierungsbehörde China Banking and Insurance Regulatory Commission warnte, dass die hohen Kurse an der Wall Street und den europäischen Finanzmärkten in eine andere Richtung zeigten als die realwirtschaftliche Entwicklung.

Hohe Bewertung an der Wall Street

Tatsächlich sei der S&P 500 mit einem erwarteten Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23 und einem historischen KGV von 32 deutlich teurer bewertet als im historischen Durchschnitt, hat Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners herausgefunden. Von daher komme die Warnung aus China nicht aus dem Nichts, findet er.

Rekordjagd gestoppt

Die mahnenden Worte aus China stoppten die Rally an der Wall Street. Der Dow Jones schloss rund 0,5 Prozent tiefer, nachdem er gestern noch fast zwei Prozent zugelegt hatte. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,8 Prozent auf 3870 Punkte nach. Am härtesten erwischte es die Tech-Aktien. Der technologielastige Nasdaq 100 büßte fast 1,7 Prozent ein und hielt sich knapp über der Marke von 13.000 Zählern.

Dass sich die Kursverluste in Grenzen hielten, dürfte der wachsenden Hoffnung auf das knapp zwei Billionen US-Dollar schwere Hilfsprogramm des neuen US-Präsidenten Joe Biden geschuldet sein. Nachdem es im demokratisch dominierten Repräsentantenhaus bereits die Zustimmung erhalten hat, soll nun der Senat noch in dieser Woche darüber beraten, wie der demokratische Mehrheitsführer Chuck Schumer sagte.

Anleiherenditen sinken

Zudem beruhigte sich die Lage am Anleihenmarkt. Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg nicht weiter an, sondern sank vielmehr wieder auf 1,41 Prozent. In der vergangenen Woche war der Effektivzins noch bis auf 1,55 Prozent gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht.

Auch die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten mit minus 0,321 Prozent deutlich unter dem Niveau von der vergangenen Woche (minus 0,20 Prozent). Zeitweise hatten Spekulationen auf eine anziehende Inflation und einen vorzeitigen Ausstieg der Notenbanken aus ihrer ultralockeren Geldpolitik einen Ausverkauf am Anleihemarkt ausgelöst und die Börsen weltweit in Unruhe versetzt. Zahlreiche Notenbanker bekräftigten daraufhin ihr Bekenntnis zu niedrigen Zinsen und Anleihekäufen.

DAX rettet kleinen Gewinn

Dank der Entspannung bei den Anleiherenditen schaffte der DAX seinen zweiten Gewinntag in Folge und kam zeitweise bis auf rund 80 Zähler an das Rekordhoch vom Februar heran. Am Nachmittag aber ließ der Schwung immer mehr nach. Der deutsche Leitindex verabschiedete sich mit einem kleinen Plus von 0,2 Prozent in den Feierabend. Schlechter lief es für Papiere aus der zweiten und dritten Reihe. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank um 0,4 Prozent.

EZB gibt sich locker

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat laut ihrem Vize-Präsidenten Luis de Guindos genügend Mittel, um jeden unerwünschten Anstieg der Anleiherenditen zu bekämpfen. Die Notenbank besitze die dafür nötige Flexibilität in der Geldpolitik, sagte de Guindos in einem auf der EZB-Webseite veröffentlichten Interview. Inflationssorgen hält der Notenbanker derzeit nicht für angebracht. "Wir müssen kurzfristig nicht sehr besorgt sein hinsichtlich der Inflation, und mittelfristig werden wir uns das weiterhin sehr sorgfältig anschauen, was wir immer tun." Kurzfristig - in den nächsten zwölf Monaten - werde die Teuerung unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent bleiben.

Europäische Inflation bleibt stabil

Tatsächlich hat sich die Inflation im Euroraum im Februar stabilisiert. Die Teuerungsrate lag wie bereits im Januar bei 0,9 Prozent, wie die Europäische Statistikbehörde am Dienstag mitteilte. Die EZB sieht einen Wert von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an, verfehlt dieses Ziel jedoch seit Jahren.

Experte glaubt nicht an die große Inflation

Über eine Rückkehr der Inflation gibt es seit Wochen eine Debatte unter Experten. Der Anlagestratege Frank Wohlgemuth von der Essener National-Bank hält einen dauerhaften Anstieg der Inflationsraten für unwahrscheinlich. Die internationale Arbeitsteilung in Kombination mit einer immensen Preistransparenz sowie einer fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt wirkten weiterhin inflationsdämpfend, schrieb er in einer aktuellen Studie. Darüber hinaus sei in den nächsten Jahren nicht mit einer Vollauslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten zu rechnen.

Gold-Talfahrt vorerst beendet

Die gesunkenen Bondrenditen machen auch Gold wieder etwas attraktiver. Nachdem der Preis für das gelbe Edelmetall zunächst auf ein Achteinhalb-Monats-Tief von 1706,70 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gefallen war, stabilisiert er sich nun. Am Abend kostete Gold 1729 Dollar. Sollte der Preis unter die Marke von 1700 Dollar rutschen, müsse mit Anschluss-Verkäufen gerechnet werden, warnte ein Marktbeobachter.

Ölpreis steigt wieder vor Öpec+-Treffen

Mit Spannung warten Anleger auf das Treffen der Staatengruppe Opec+ am Donnerstag. Dabei würden die großen Exportländer wohl eine Ausweitung ihrer Fördermengen um 500.000 Barrel pro Tag beschließen, prognostiziert Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Außerdem werde Saudi-Arabien seine freiwillige zusätzliche Kürzung um eine Million Barrel auslaufen lassen. Der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee stieg um 0,3 Prozent auf 63,86 Dollar je Barrel (159 Liter).

Euro wieder über 1,20 Dollar

Am Devisenmarkt legte der Euro eine Berg- und Talfahrt hin. Die Gemeinschaftswährung markierte bei 1,1992 US-Dollar ein Tagestief, erholte sich dann aber wieder. Am Abend stieg der Euro wieder auf 1,2087 Dollar.

Einnahmen im Einzelhandel gesunken

Der Lockdown hat den deutschen Einzelhändlern einen miserablen Jahresstart beschert. Ihre Einnahmen fielen im Januar um 3,9 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Um Preisveränderungen bereinigt, also real gab es sogar ein Minus von 4,5 Prozent. "Dieser Rückgang lässt sich mit dem anhaltenden Corona-Lockdown erklären, der eine Schließung vieler Einzelhandelsgeschäfte seit dem 16. Dezember 2020 bedeutete", hieß es. Auch das Ende der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung dürfte dazu beigetragen haben, weil viele Verbraucher größere Anschaffungen noch im alten Jahr machten, um Geld zu sparen.

Daimler baut Brennstoffzellen-Lkws mit Volvo

Spitzenreiter im DAX war Daimler. Die Aktien des Autobauers gewannen 2,5 Prozent und kletterten auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Daimler Trucks und der schwedische Lkw-Hersteller Volvo haben das Gemeinschaftsunternehmen Cellcentric gegründet, das Brennstoffzellenantriebe für schwere Lastwagen entwickeln soll. Volvo hat dazu für rund 600 Millionen Euro 50 Prozent der Anteile an der Firma Daimler Truck Fuel Cell gekauft, in der der Stuttgarter Lastwagenbauer zuvor schon alle seine Brennstoffzellen-Aktivitäten zusammengeführt hatte.

Hellofresh wächst gewaltig

Der Kochboxenversender Hellofresh hat im Corona-Jahr von einem ungebremsten Appetit auf seine Produkte profitiert. Der Umsatz konnte auf 3,75 Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden. Das Nettoergebnis lag bei plus 351 Millionen Euro. Die Aktien sackten dennoch um 6,5 Prozent auf 62,50 Euro ab und waren im MDAX der größte Verlierer.

Hellofresh wird voraussichtlich vorerst nicht in den DAX aufsteigen - vermutlich nur deshalb, weil es seine Jahreszahlen nicht bereits Ende Februar vorgelegt hat. Laut den von der Deutschen Börse entwickelten neuen Kriterien für eine Dax-Mitgliedschaft muss ein Unternehmen zwei Jahre in Folge ein positives operatives Ergebnis vorweisen. Hellofresh hat das zwar geschafft, doch die Deutsche Börse wird dies wohl nicht mehr berücksichtigen, da der abgeschlossene Monat Februar Grundlage ihrer Überprüfungen ist.

Morphosys übertrifft sich selbst

Das Biotech-Unternehmen Morphosys hat im abgelaufenen Geschäftsjahr besser abgeschnitten als geplant. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird voraussichtlich bei 27,4 Millionen Euro liegen. Das Unternehmen selbst hatte deutlich weniger angepeilt. Die Aktien zogen um drei Prozent an. Am späten Abend gab Morphosys noch eine 16 Millionen Euro hohe Meilensteinzahlung von GSK im Rahmen der Oscar-Studie bekannt.

Teamviewer kauft zu

Das Softwareunternehmen Teamviewer baut mit einer Übernahme in den USA den Bereich Augmented Reality für die Industrie aus. Das US-Unternehmen Upskill bietet Echtzeit-Schnittstellen über Datenbrillen und andere mobile Endgeräte, die unter anderem für Facharbeiter und Wartungsteams nützlich sein können. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht. Die Aktientiegen um über vier Prozent.

Kion plant wieder Wachstum

Der Gabelstaplerhersteller Kion hat im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um fünf Prozent auf 8,3 Milliarden verbucht. Das bereinigte operative Ergebnis schrumpfte von 805 auf 547 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will das MDAX-Mitglied wieder wachsen. So sollen die Erlöse auf 9,15 Milliarden bis 9,75 Milliarden Euro und das Ergebnis auf 720 Millionen bis 800 Millionen Euro zulegen. "Wir sehen einen Silberstreif am Horizont", sagte Kion-Chef Gordon Riske. Die Aktien gewannen rund acht Prozent.

Sixt wagt keine Prognose

Der scheidende Sixt-Chef, Erich Sixt hat sich mit schwarzen Zahlen verabschiedet. "Ich möchte nicht nach 50 Jahren abtreten und im letzten Jahr noch einen Verlust verzeichnen", erklärte der 76-Jährige Firmenpatriarch. "Dieser Makel" sei ihm erspart geblieben. Seine Söhne Alexander und Konstantin, die ihn im Juni als gemeinsame Vorstandschefs ablösen, würden den Konzern jetzt zu neuen Ufern führen.

Obwohl Sixt seine Autoflotte um ein Viertel verkleinerte, 1200 Stellen abbaute und viele Mitarbeiter in Kurzarbeit schickte, rutschte das Konzernergebnis vor Steuern mit minus 81,5 Millionen Euro in die roten Zahlen. Aber durch den Verkauf des Leasinggeschäfts stand unter dem Strich doch noch ein Gewinn von zwei Millionen Euro nach Steuern. Eine Prognose für das neue Jahr traut sich Sixt angesichts der unsicheren Aussichten für die Reisebranche nicht zu.

Turbulenzen bei Greensill Capital

Nach Medienberichten über eine drohende Schieflage von Greensill Capital kappen wichtige Partner ihre Geschäftsbeziehungen zu der Londoner Finanzgesellschaft. Das Schweizer Fondshaus GAM kündigte am Dienstag an, den zusammen mit Greensill betriebenen GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds abzuwickeln. Am Montag hatte bereits die Schweizer Großbank Credit Suisse den Handel mit Fonds im Gesamtvolumen von zehn Milliarden Dollar vorübergehend eingestellt. Greensill steuert auf einen Notverkauf zu.

Die Ereignisse bei der britisch-australischen Greensill-Gruppe rücken auch die in Bremen ansässige Greensill Bank in den Fokus, die mit relativ hohen Zinsen um deutsche Privatkunden buhlt. Greensill Capital hatte die frühere Nordfinanz Bank AG 2014 übernommen und aus ihr die Greensill Bank geformt. Die BaFin hat nun einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt.

Volvo Cars setzt voll auf Elektroautos

Der zur chinesischen Geely-Gruppe gehörende Autobauer Volvo Cars verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor und will ab 2030 nur noch Fahrzeuge mit Elektroantrieb bauen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine Kunden geben wird, die wirklich an einem Benzinmotor festhalten wollen", sagte Volvo-Chef Håkan Samuelsson. Bis 2025 sollen bereits 50 Prozent der Erlöse durch den Absatz von Elektroautos kommen und 50 Prozent durch Hybrid-Modelle.

Weniger "Schoggi" von Lindt & Sprüngli

Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli hat im vergangenen Jahr massiv unter geschlossenen Läden und dem starken Schweizer Franken gelitten. Der Gewinn brach um knapp 38 Prozent auf 320 Millionen Franken ein. Für das laufende Jahr erwartet Lindt ein organisches Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent und eine Verbesserung der operativen Marge auf 13 bis 14 Prozent. Außerdem will das Unternehmen eigene Anteile im Wert von 750 Millionen Franken zurückkaufen. Die Anleger zeigten sich begeistert: die Aktien legten an der Züricher Börse um 3,5 Prozent zu.

Intel erleidet juristische Schlappe im Patentstreit

Der Chipkonzern Intel ist von Geschworenen in Texas zur Zahlung von knapp 2,2 Milliarden Dollar in einem Patentstreit verurteilt worden. In dem Verfahren ging es um zwei Patente für Technologien aus der Halbleiterproduktion, die laut dem Urteil verletzt wurden. Intel kündigte umgehend an, in Berufung zu gehen.

Gewinnmitnahmen bei Zoom

Die Zoom-Aktien konnten ihre Anfangsgewinne nicht halten. Gewinnmitnahmen drückten sie neun Prozent ins Minus. Die Befürchtung, dass sich das Wachstum des Spezialisten für Videokonferenzen verlangsamt, hat sich als unbegründet erwiesen. Der Videodienst Zoom wächst dank des anhaltenden Trends zum Homeoffice weiter im dreistelligen Prozentbereich. Im vierten Geschäftsquartal sprang der Umsatz um 369 Prozent auf 882,5 Millionen Dollar. Inzwischen kommt Zoom Video auf rund 467.000 Kunden. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn erhöhte sich auf rund 260 Millionen Dollar.

Über dieses Thema berichtete B5 Wirtschaft und Börse am 02. März 2021 um 12:16 Uhr.

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