Erfolgreiches Börsendebüt Auto1 bei Anlegern beliebt

Stand: 04.02.2021 12:42 Uhr

Dem Berliner Gebrauchtwagenportal Auto1 ist am Donnerstag ein fulminanter Börsenstart gelungen. Die Aktien schossen gleich zu Handelsbeginn um 45 Prozent in die Höhe.

Beim Börsengang des Berliner Gebrauchtwagenportals Auto1 hat es einen massiven Ansturm auf die Aktien gegeben. Während die Papiere zu einem Ausgabepreis von 38 Euro angeboten wurden, schossen sie zu Handelsbeginn in Frankfurt auf 55 Euro hoch, ein Plus von 45 Prozent. Bereits am Vorabend hieß es aus Bankkreisen, dass die Aktie um mehr als das Zehnfache überzeichnet worden sei.

Damit wird der Betreiber der Plattform "wirkaufendeinauto.de" mit 11,7 Milliarden Euro bewertet, so viel wie noch nie ein junges Unternehmen in Europa erzielt hat. Auto1 ist auch das erste Unternehmen, das in diesem Jahr auf das Frankfurter Börsenparkett geht.

"Startschuss für die nächste Phase"

Firmenchef und Mitgründer Christian Bertermann sagte: "Wir sind in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewachsen, und der heutige Börsengang ist der Startschuss für die nächste Phase dieser unglaublichen Wachstumsgeschichte." Vom Emissionsvolumen fließt dem Börsenneuling eine Milliarde Euro zu, der Rest geht an die Altaktionäre, darunter die US-Hedgefonds Sequoia Capital und Lone Pine Capital.

Laut Marktbeobachter Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets ist der Zeitpunkt für die Erstnotiz gut gewählt, schließlich hätten stationäre Autohäuser derzeit mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ein großes Problem. Er sieht Auto1 daher als weiteren Profiteur der Digitalisierungswelle, die in den vergangenen Monaten schon viele Gewinner hervorbrachte.

Riesiger Gebrauchtwagenmarkt

Doch auch an Auto1 ist der Lockdown nicht spurlos vorüber gegangen. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat das Unternehmen knapp 120.000 Autos verkauft und 769 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das ist deutlich weniger - minus 17 Prozent - als im Vorjahreszeitraum. Allerdings ist es dem Börsenneuling gelungen, erstmals ein positives Ergebnis in Höhe von 16 Millionen Euro zu erzielen. Im dritten Quartal 2019 war noch ein Verlust von 11,5 Millionen Euro angefallen.

Für Zuversicht bei den Investoren sorgt vor allem, dass sich Auto1 auf einem riesigen Markt mit entsprechendem Potenzial bewegt. 2019 wurden in Europa mit dem Verlauf von Gebrauchtwagen rund 600 Milliarden Euro umgesetzt. Dabei ist Auto1 bisher vor allem als Großhändler aktiv gewesen, Onlineverkäufe an Privatpersonen machen dagegen nur ein Prozent des Umsatzes aus. Über die Plattform "Autohero" sollen nun verstärkt auch an Privatkunden Wagen verkauft werden.

Aufschlag von zehn Prozent

"Wir glauben, dass dies auf eine einzigartige Marktchance hindeutet", heißt es im Auto1-Börsenprospekt. Wie das Unternehmen bisher gewirtschaftet hat, zeigt ein Blick in die Bilanz 2019. Danach hat Auto1 Group in dem Jahr 616.000 Autos weiterverkauft und damit 3,48 Milliarden Euro umgesetzt.

Dabei hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge jedes angekaufte Fahrzeug im Schnitt um 556 Euro teurer weiterverkauft, was einem Aufschlag von etwa zehn Prozent entspricht. In diesem Ergebnis sind allerdings die Ausgaben für das Personal und sonstige Kosten nicht enthalten. In den ersten drei Quartalen 2020 konnte die Gewinnspanne auf 597 Euro verbessert werden, bei Umsätzen je Fahrzeug von 6029 Euro.

Keine Garantie jemals profitabel zu werden

Um die zum Verkauf stehenden Autos ausfindig zu machen, benötigt Auto1 riesige Datensätze. Eigenen Angaben zufolge wertet das Unternehmen täglich fünf Millionen Daten aus und verfügt damit über die größte Datenbank für den Gebrauchtwagenhandel in Europa. Dies helfe, "die Genauigkeit unserer Preise und die Zusammensetzung unserer Angebote weiter zu verbessern," so Auto1 im Börsenprospekt.

Ob dieses Geschäftsmodell auch langfristig funktioniert, bleibt abzuwarten. "Wir sind rasant gewachsen und nie über ein gesamtes Geschäftsjahr hinweg profitabel gewesen", heißt es weiter. Finanzchef Markus Boser sagte im Dezember auf Nachfrage: "Wir können nicht garantieren, dass wir jemals profitabel werden und bleiben."

Allerdings ist Boser, ein ehemaliger Investmentbanker, überzeugt, dass der Verkauf von Autos über das Internet noch erhebliches Wachstumspotenzial bietet. "Aus unserer Sicht sind Autos das letzte große Wirtschaftsgut, das man noch nicht wirklich online kauft, so Boser bei der Präsentation der Neunmonatszahlen. "Wir wollen den Autokauf von der Auswahl bis zur Lieferung voll digitalisieren."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2021 um 06:36 Uhr.

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