Das alte EZB-Gebäude im Jahr 2008 | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga

Zehn Jahre Finanzkrise Die folgenschwere Entscheidung der EZB

Stand: 04.07.2018 11:24 Uhr

Vor zehn Jahren begann die Finanzkrise - einer der Gründe war teurer werdendes Öl. Darauf reagierten EZB und Fed sehr unterschiedlich. Viele Ökonomen sehen den europäischen Weg heute kritisch.

Von Ulrich Ueckerseifer, WDR

Abschwung oder Inflation - was ist die größere Gefahr für eine Volkswirtschaft? Diese Frage wird im Sommer 2008 auf den beiden Seiten des Atlantiks vor zehn Jahren höchst unterschiedlich beantwortet. Während die Fed in den USA die Zinsen schon seit Monaten kräftig senkt, erhöht die EZB am 3. Juli 2008 den Leitzins auf 4,25 Prozent - doppelt so hoch wie in den USA.

2008 ist die Krise der Banken in den USA längst nach Europa hinübergeschwappt, die Wirtschaft aber läuft in Europa rund. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Die Preissteigerung liegt Anfang des Jahres noch bei rund zwei Prozent - kein Grund für Inflationsängste.

Das ändert sich im Sommer: Die Inflationsrate in Deutschland steigt im Juni 2008 auf mehr als drei Prozent, in der Eurozone insgesamt auf vier Prozent. Grund dafür ist der seit Monaten stark steigende Ölpreis. Der liegt Anfang Juli 2008 bei mehr als 140 Dollar pro Fass, unter anderem wegen einer Konfrontation zwischen den USA und Iran. In dieser weltpolitisch überaus unruhigen Lage erhöht die EZB an jenem 3. Juli den Leitzins - auf das mit 4,25 Prozent höchste Niveau seit vielen Jahren.

"Die Inflation ist die Sorge Nummer eins"

Der Haken: Preissteigerungen, die durch den steigenden Ölpreis entstehen, kann eine Notenbank gar nicht durch einen höheren Leitzins bremsen. Es gibt hier fast keinen Zusammenhang. Doch es geht um Symbolik. EZB-Chef Jean Claude Trichet sagt am 3. Juli 2008: "Die Inflation ist die Sorge Nummer eins der Bürger in Europa. Sie können auf uns zählen."

Ganz anders war zu dieser Zeit die Auffassung der amerikanischen Notenbank Fed. Sie geht schon längst nicht mehr von einem "robusten Aufschwung" aus und hat die Zinsen bereits mehrfach gesenkt: Von mehr als fünf Prozent Mitte 2007 auf zwei Prozent Mitte 2008.

EZB lag wohl falsch

So gehen die Notenbanken in diesem Sommer vor zehn Jahren ganz getrennte Wege. Während sich die Notenbanker in Europa noch Gedanken um die Inflation machten, ahnten ihre Kollegen in den USA wohl schon, dass diese wohl das kleinste ökonomische Problem darstellte. Im Rückblick sind sich viele Ökonomen einig: Im Juli 2008 lag die EZB ziemlich daneben, denn höhere Zinsen verschärften auch die Probleme der Immobilienschuldner in Spanien, Irland und anderen Ländern, in denen damals gerade die Immobilienblasen platzten.

Schon wenige Monate nach der Erhöhung vom 3. Juli senkte EZB die Zinsen wieder kräftig. Der Ölpreis stieg derweil im Juli 2008 immer weiter und erreichte ein Woche später das höchste jemals erreichte Niveau.

Dieser Text ist der erste Teil einer Serie zum Thema "Zehn Jahre Finanzkrise". Weitere Artikel dazu werden in den kommenden Wochen auf tagesschau.de erscheinen.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 03. Juli 2018 um 18:05 Uhr in der Sendung "Profit".

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