Logo der Deutschen Bank auf einer Papiertüte | Bildquelle: picture alliance / dpa

US-Stresstest Erstes Aufatmen bei der Deutschen Bank

Stand: 22.06.2018 07:41 Uhr

Die Deutsche Bank hat den ersten Teil des US-Stresstests für Geldinstitute bestanden. Doch entscheidend ist der nächste Schritt: Dann werden die Kontrollmechanismen der Banken geprüft.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die US-Tochter der Deutschen Bank erfüllt die Vorgaben der US-Notenbank FED - zumindest was das Eigenkapital betrifft. Der erste Teil des Stresstests habe ergeben, dass selbst bei einer sehr negativen Entwicklung der Wirtschaft die sogenannte Kernkapitalquote nicht unter 12,2 Prozent fällt, erklärte die Bank. Verlangt ist eine Quote von 4,5 Prozent. Die Schweizer UBS und die Credit Suisse bestanden den Test ebenfalls. Von der FED heiß es, die US-Notenbank sei zufrieden mit dem Abschneiden ausländischer Geldhäuser.

Die FED hatte einen Fall simuliert, bei dem die Arbeitslosigkeit in den USA auf zehn Prozent ansteigt, die Zinskurve steil nach oben zeigt, und die 35 getesteten Banken zusammengenommen 538 Milliarden US-Dollar Verlust ausweisen müssen. Ziel ist es, dass in diesem Szenario keine Bank Konkurs anmeldet oder von Steuerzahlern - wie in der Großen Rezession 2008 - gerettet werden muss.

Christian Sewing | Bildquelle: imago/sepp spiegl
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Fitch senkt Ausblick auf "negativ"

Die Ratingagentur Fitch erwägt eine Abstufung der Bonitätsnote der Deutschen Bank. Der Ausblick für das Rating wurde von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Das Rating blieb vorerst "BBB+", teilte Fitch mit. Den negativen Ausblick begründet die Ratingagentur mit den Umsetzungsrisiken, mit denen die Deutsche Bank bei ihrer Restrukturierung konfrontiert sei. Sollte es Deutschlands größtem Geldhaus nicht gelingen, das Geschäftsmodell zu stärken, würde eine Abstufung der Bonitätsnote folgen. Wegen der Risiken durch den Umbau hatte Anfang Juni bereits die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) das langfristige Emittentenrating um eine Stufe von "A-" auf "BBB+" heruntergestuft.

Als "Problemfall" eingestuft

Allerdings war eine zu geringe Ausstattung mit Eigenkapital nie das Problem der Deutschen Bank. Die FED kritisierte stattdessen immer Risikomanagement und Kontrollen. Die Bank war 2015 und 2016 beim Stresstest deshalb durchgefallen. In einer Einschätzung stufte die FED im vergangenen Jahr die Deutsche Bank sogar als "Problemfall" ein.

Deshalb wird die kommende Woche so spannend: Denn dann veröffentlicht die US-Notenbank den zweiten Teil ihrer Untersuchung. Und dann kommen die Kontrollmechanismen der Geldhäuser auf den Prüfstand.  

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Strafe der Bankenaufsicht

Dabei spielt es bisher keine Rolle, dass sich die Deutsche Bank entschieden hat, einen Teil ihres US-Geschäfts aufzugeben. Das Frankfurter Geldhaus verzichtet auf Geschäftsfelder, auf denen US-Banken weit voraus sind, schreibt das "Wall Street Journal".

Die Bank will sich auf dem US-Markt stattdessen auf Europäer konzentrieren, die Geschäfte in den Vereinigten Staaten machen - alos auf die Absicherung von Währungsrisiken und Immobilien. Liegt die Bilanzsumme aber weiter über 100 Milliarden US-Dollar, so muss das Unternehmen wegen der Größe und der Vernetzung in der Finanzwelt zum Stresstest antreten.

Die New Yorker Bankenaufsicht hat zuletzt eine Strafe von 207 Millionen US-Dollar gegen die Deutsche Bank verhängt. Es geht um den Vorwurf von Kursmanipulationen und wieder einmal fehlende Kontrollen zwischen 2007 und 2013. Die Bank kommentierte die Vorwürfe nicht, akzeptierte aber das Bußgeld.

Deutsche Bank besteht vorerst Stresstest der FED
Torsten Teichmann, ARD Washington
22.06.2018 07:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juni 2018 um 06:41 Uhr und 11:41 Uhr jeweils in der Wirtschaft.

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