Geschäftsfrau mit Aktenordner und Laptop | Bildquelle: picture alliance / ZB

Studie zu Konzernvorständen Mehr Frauen in den Chef-Etagen

Stand: 22.01.2020 17:25 Uhr

Die Vorstände deutscher Unternehmen werden etwas weiblicher. Rund zehn Prozent der Posten haben inzwischen Frauen inne, besagt eine DIW-Studie. Doch völlig freiwillig wandeln sich die Führungsetagen wohl nicht.

Der Frauenanteil in den Vorständen großer Unternehmen ist im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als zuvor. Das geht aus dem veröffentlichten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Eine Geschlechterparität bleibt aber in weiter Ferne, sagte eine der Autorinnen der Studie, Katharina Wrohlich.

In den 200 umsatzstärksten Unternehmen hatten Frauen laut DIW 2019 insgesamt 94 von 907 Vorstandsposten inne. Das entsprach einem Anteil von 10,4 Prozent. Im Jahr zuvor waren es demnach rund neun Prozent gewesen.

Quote für Aufsichtsräte hilfreich

Der Studie zufolge stieg der Anteil von Frauen in Vorständen vor allem in den Unternehmen, die seit 2016 eine 30-Prozent-Quote in Aufsichtsräten erfüllen müssen. Die Frauenquote in Vorständen wuchs dort von acht auf 12,3 Prozent. In Unternehmen, die keine Quote im Aufsichtsrat vorweisen müssen, stagniere der Frauenanteil in Vorständen bei neun Prozent.

Die Frauenquote gilt für große börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen. In ihren Aufsichtsräten müssen mindestens 30 Prozent der Posten mit Frauen besetzt sein. Fast 88 Prozent dieser Unternehmen erfüllten Ende 2019 die gesetzliche Quote, 2018 waren es 77 Prozent.  

Für Vorstände gilt keine gesetzliche Quote. Unternehmen sind aufgefordert, sich freiwillige Zielgrößen zu setzen. Die Mehrheit der Unternehmen - rund 70 Prozent - haben sich allerdings die Zielgröße "Null" gesetzt.

"Entwicklung auf extrem niedrigen Niveau"

"Trotz der zuletzt positiven Entwicklung in den Vorständen kann noch keine Rede davon sein, dass in sämtlichen Chefetagen das Umdenken begonnen hätte", erklärte Wrohlich. "Bei genauerem Hinsehen vollzieht sich die Entwicklung in den Chefetagen nach wie vor auf einem extrem niedrigen Niveau", warnte sie davor, den Zuwachs zu überschätzen.

Allerdings sehen Wrohlich und Ko-Autorin Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin Anzeichen dafür, dass die gesetzliche Geschlechterquote in Aufsichtsräten allmählich auch auf die Vorstände ausstrahlt. Ein anderer Grund für den Anstieg sei der öffentliche und politische Druck, hieß es.

"Die neuen Zahlen des DIW bestätigen, dass Handlungsbedarf besteht", erklärte Familienministerin Franziska Giffey (SPD) zu der DIW-Studie. Sie und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatten weitere Gesetze angekündigt, wenn in Vorständen weiter Frauen nur in einer Minderheit vertreten sind und sich die Unternehmen keine ambitionierteren Gleichstellungsziele setzen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Januar 2020 um 17:36 Uhr.

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