Carlos Ghosn auf einem Archivfoto aus dem September 2017 | Bildquelle: AFP

Betrugsvorwurf Nissan feuert seinen Chef Ghosn

Stand: 05.03.2019 17:18 Uhr

Es ist der schnelle und tiefe Fall eines Topmanagers: Wenige Tage nach seiner Festnahme ist der bisherige Nissan-Verwaltungsratschef Ghosn entlassen worden. Ihm wird Veruntreuung und Betrug vorgeworfen.

Der Autokonzern Nissan hat seinen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn entlassen. Die Entscheidung sei einstimmig vom Verwaltungsrat gefällt worden, teilte das Unternehmen mit. Zuvor habe sich das Gremium mit dem "detaillierten" Bericht einer internen Ermittlung beschäftigt. Nissan-Chef Hiroto Saikawa werde übergangsweise das Kontrollgremium leiten, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Ghosn war Anfang der Woche in Japan nach einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen deklariert zu haben. Medien hatten berichtet, der 64-Jährige habe zwischen 2011 und 2016 insgesamt fünf Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) Einkommen zu wenig angegeben.

Zudem soll er Nissan-Firmenkapital veruntreut und damit Luxuswohnungen in vier Ländern gekauft haben. Sollte ein Verfahren eröffnet werden, drohen ihm eine fünfstellige Geldstrafe und theoretisch bis zu zehn Jahre Haft.

Und nun Mitsubishi?

Ghosn ist Chef des französischen Autobauers Renault und der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi und sitzt auch dem Verwaltungsrat von Mitsubishi vor. Auch Mitsubishi will zeitnah über Ghosns Absetzung beraten.

Bei Renault behält der 64-Jährige zwar seinen Posten als Vorstandsvorsitzender. Zugleich wurde aber seine rechte Hand Thierry Bolloré zum Übergangsvorsitzenden ernannt, da Ghosn derzeit "verhindert" sei.

"Destabilisierung des Renault-Nissan-Konzerns"

Die 19 Jahre alte Allianz von Nissan und Renault, die 2016 um den japanischen Autobauer Mitsubishi erweitert wurde, war von Ghosn arrangiert und vorangetrieben worden.

Der französische Oppositionspolitiker Laurent Wauquiez warnte vor einer Destabilisierung Renaults. "Wir müssen sehr wachsam sein", forderte der Parteichef der konservativen Republikaner im Sender Radio Classique. "Meine Befürchtung lautet, dass hinter der Ghosn-Affäre die Absicht einer Destabilisierung der Japaner (...) des Renault-Nissan-Konzerns stehen könnte - um ihn zu sprengen, oder um Renault im Inneren des Verbundes zu schwächen", sagte Wauquiez.

Renault beschäftigt nach Regierungsangaben allein in Frankreich etwa 47.000 Menschen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2018 um 14:00 Uhr.

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