Erster Quartalsbericht nach der Insolvenz General Motors freut sich über rote Zahlen

Stand: 16.11.2009 21:00 Uhr

Der US-Autoubauer muss auch im ersten Quartal nach der Insolvenz einen Milliardenverlust verkraften. Doch Konzernchef Henderson verkaufte dies schon fast als Erfolg. Zu der Zukunft der europäischen Töchter macht er nur vage Aussagen. GM-Europachef Reilly kündigte in Brüssel an, dass GM innerhalb der nächsten zwei Wochen über die Opel-Standorte in Europa entscheiden wolle.

Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington

GM-Flagge vor Opelwerk
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Staatshilfe erwünscht: Das Opel-Werk in Bochum

Selten wurde ein Milliardenverlust so freudig präsentiert, wie bei General Motors in Detroit. Nach dem vor der Insolvenz die Verluste bei GM pro Quartal auch schon mal im zweistelligen Milliardenbereich lagen, verkaufte Vorstandschef Fritz Henderson die 1,2 Milliarden Dollar Verlust von Juli bis September fast als Erfolg. In einer Telefonkonferenz erklärte er, dass der Verlust tragbar sei, aber natürlich nicht zufriedenstellend.

Gleichzeitig kündigte Henderson an, dass GM nun beginnen werde, die fast sieben Milliarden Dollar Regierungskredite in den USA bereits in den nächsten zwei Jahren zurückzuzahlen, und damit viel schneller als es die Kreditverträge vorsehen. Die Chancen dafür stünden gut, weil: "Unser Ausblick für 2010 moderates Wachstum erwarten lässt. Wir sehen zwar noch nicht Zeichen eines Aufschwunges, aber immerhin Stabilitätssignale."

Vage Andeutungen zu den europäischen Konzerntöchtern

So erwartet GM 2010 einen PKW-Absatz in den USA von insgesamt 11,5 Millionen Fahrzeugen, fast eine Million mehr als in diesem Jahr. Noch unscharf blieb das Bild des GM-Vorsitzenden für die Zukunft der Konzerntöchter in Europa. Auch sie schrieben in den letzten drei Monaten Verluste, insgesamt 400 Mio. Dollar.

GM-Chef Fritz Henderson
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Konzernchef Henderson sieht bei GM ein "solides Fundament".

Lediglich zur Produktionsstätte im britischen Ellsmereport äußerte sich Henderson sehr positiv: "Es ist die führende Fabrik für die Produktion des neuen Astras. Es gibt kein wichtigeres Signal für die Bedeutung einer Produktionsstätte." Außerdem bestätigte er noch einmal, dass der US-Autobauer alle Europaaktivitäten unter einem Dach in Deutschland führen wolle.

"Noch viel Arbeit vor uns"

Schon in der Vergangenheit habe der Verwaltungsrat von GM einen Großteil seiner Energie Europa gewidmet, streifte Henderson das hin und her um einen etwaigen Verkauf Opels, der dann schließlich doch abgesagt wurde: "30 bis 40 Prozent seiner Zeit hat der neue Verwaltungsrat Europa gewidmet. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns", kündigte Henderson an. Dies gelte "speziell in Deutschland". Hier müsse man erst einmal das Überbrückungsdarlehen zurückzahlen. "Zum Beispiel der Überbrückungskredit bei Opel, der Ende November fällig wird. Ein Teil davon kommt aus Europa, ein weitaus größerer Teil aber aus den USA."

Eine recht kurze Antwort gab es auf der Telefonpressekonferenz in Detroit auch auf die Frage nach dem zukünftigen GM-Europachef, der die Übergangslösung Nick Reilly ablösen wird: "Wir haben die Suche in der letzten Woche begonnen und haben bis heute noch niemanden", so Henderson kurz und knapp.

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