Narendra Modi in New York

Modi in den sozialen Netzwerken Indiens Twitter-Premier

Stand: 09.10.2014 12:23 Uhr

64 Jahre, weißer Bart, schütteres Haar und bei der jungen Generation angesagt: Ein Widerspruch? Nicht in Indien. Premier Modi wendet sich zunehmend via soziale Medien an die Menschen - und vermeidet so kritische Fragen von Journalisten.

Von Silke Diettrich, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

"May the force be with you": Diesen "Star Wars"-Satz sagte Indiens Premier Narendra Modi vor kurzem in New York. Tausende US-Amerikaner mit indischen Wurzeln bejubelten seinen Auftritt live.

In Neu-Delhi erfuhren viele von Modis Auftritt in den USA aus sozialen Netzwerken: "Normalerweise lese ich keine Zeitungen und daher weiß ich nicht unbedingt, was in der Politik so läuft. Aber seit Modi in den sozialen Netzwerken ist, weiß ich, was abgeht", sagt Shubghani. Und ihre Freundin Palak fällt ihr ins Wort: "Das Zitat aus 'Star Wars' war so cool von ihm. Jeder folgt jetzt Modi, weil alle junge Leute denken, dass Modi total cool ist."

30 Millionen Follower

64 Jahre alt, weißer Bart, schütteres Haar und bei der jungen Generation total angesagt: Mehr als 30 Millionen Menschen folgen dem indischen Premier in den sozialen Netzwerken und täglich werden es mehr. Modi habe die Zeichen der Zeit genau erkannt, sagt der Journalist Hindol Sengupta: "Er macht das, was ein guter Politiker machen sollte. Er spürt genau, was gerade angesagt ist."

Tatsächlich sind immer mehr Inder online unterwegs - vor allem, seit die Preise für Mobiltelefone drastisch gesunken sind. Es gibt mehr Handys als Toiletten in Indien. Die sanitären Probleme seines Landes will Premierminister Modi allerdings jetzt angehen und hat dafür eine Kampagne gestartet - über die sozialen Netzwerke, versteht sich: Auf seinem eigenen Youtube-Kanal geht er mit guten Beispiel voran und kehrt mit einem langen Reisig-Besen eine Straße in Neu-Delhi. Der Auftakt zu seiner Kampagne: "Mach Indien sauber!"

Sogar Diplomatie betreibt Modi über soziale Netzwerke. Über Twitter schickte er dem japanischen Premierminister Geburtstagsgrüße, am 3. Oktober gratulierte er den Deutschen zur Einheit. Fragen zu seinen politischen Zielen beantwortet er allerdings kaum. Die Standard-Antwort für die Journalisten lautet: Folgt mir auf Twitter!

Schlechte Erfahrungen mit Mainstream-Medien

Modi habe in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit den Mainstream-Medien gemacht, meint der Journalist Sengupta. Zurzeit schneide er sie und könne sich das dank sozialer Netzwerke durchaus leisten: "In Indien realisieren sie jetzt, dass es quasi auch die fünfte Gewalt im Staat gibt. Das sind die Menschen, mit denen die Politiker direkt interagieren können - über soziale Netzwerke. Dass nur die Medien die Informationen mit der Regierung austauschen und dann verbreiten, dieses Modell verändert sich gerade."

Indiens Premierminister Narendra Modi fegt eine Straße in einem Slum in Neu-Delhi
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Mehr Sauberkeit in Indien: Eine Initiative, zu der Indiens Premier auch auf den sozialen Netzwerken geworben hat.

Bei vielen jungen Indern kommt dieses neue Modell auf jeden Fall an, die Studentin Rashmi hat von der Saubermach-Kampagne in Indien über Twitter erfahren und Modi dort direkt vorgeschlagen, mehr Mülleimer in den Städten aufzustellen: "Er will die Öffentlichkeit auf allen möglichen Wegen erreichen und die Leute können ihm sogar direkt ihre Meinung sagen. Und dann macht er das, was er meint, was das Beste für das Volk ist."

Und eine Antwort hat sie quasi auch bekommen. Modi twittert: Mehr Mülleimer? Das ist auch ein guter Punkt. Alle weiteren Ideen sollen die Inder jetzt auf der neuen Homepage "Meine Regierung in Indien" diskutieren.

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