Ein Auto wird betankt. | Bildquelle: dpa

Gestiegene Preise Inflation zehrt Lohnzuwächse auf

Stand: 29.08.2018 11:49 Uhr

Zwar steigen Löhne und Gehälter in Deutschland - vielen Tarifbeschäftigten bleibt wegen der Inflation derzeit aber trotzdem nicht mehr Geld übrig. Grund sind unter anderem höhere Kosten für Heizöl, Sprit und Lebensmittel.

Die Inflation in Deutschland macht Arbeitnehmern und Verbrauchern zunehmend zu schaffen. Obwohl die Verdienste von Tarifbeschäftigten im Schnitt zuletzt deutlich stiegen, blieb ihnen unterm Strich nicht mehr Geld.

So stiegen die Löhne und Gehälter von Angestellten mit Tarifvertrag im zweiten Quartal um 2,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Inflation nahm aber ebenfalls um diese Rate zu, da die Preise beispielsweise für Lebensmittel, Heizöl und Sprit anzogen. So bleibt real derzeit nicht mehr übrig.

Auf mittlere Sicht eine Ausnahme

Experten rechnen aber damit, dass die Reallöhne 2018 das siebte Jahr in Folge zulegen dürften. Das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) geht davon aus, dass die Tariflöhne um durchschnittlich 3,1 Prozent steigen werden. "Darauf deuten die Abschlüsse hin, die schon unter Dach und Fach sind", sagte WSI-Experte Malte Lübker. Die Inflationsrate wird nach Prognose führender Institute in diesem Jahr bei zwei Prozent liegen. "Damit bleibt auch ein moderater Reallohnzuwachs übrig", sagte Lübker.

Auch nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes ist es auf mittlere Sicht eher die Ausnahme, dass die Inflation die Lohnzuwächse der Tarifbeschäftigten aufzehrt. Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs steigen die Verdienste seit Jahren stärker als die Verbraucherpreise. "Vor allem seit 2013 sehen wir kräftige reale Zuwächse", erklärte die Behörde. Nur Ende 2017 seien die Zuwächse der Tarifverdienste hinter der Teuerung zurückgeblieben.

Immer weniger Tarifbeschäftigte

Baubeschäftigte | Bildquelle: dpa
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In manchen Branchen blieb trotz der Inflation mehr Geld übrig - etwa im Baugewerbe.

Grundsätzlich profitieren jedoch immer weniger Bundesbürger von Tarifverträgen. Wurden 1996 laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 70 Prozent aller westdeutschen Beschäftigten nach Branchentarifverträgen entlohnt, waren es 2017 nur 49 Prozent. Im Osten sank der Anteil von 56 auf 34 Prozent. Gerade in der Dienstleistungsbranche gibt es den Experten zufolge viele kleine Firmen, in denen Gewerkschaften und Tarifverträge keine große Rolle spielen.

Nicht in allen Branchen wurden die Gehaltszuwächse von der Inflation aufgezehrt: Im Baugewerbe (plus 5,1 Prozent), in der Industrie (3,7) sowie im Handel und Gastgewerbe (je 3,3) blieb Angestellten trotzdem ein Plus. Das Nachsehen hatten Tarifbeschäftigte bei Banken und Versicherungen (plus 0,8) und im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (0,6). Allerdings wurden die im April vereinbarten Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst noch nicht ausgezahlt, was den Zuwachs der Branchenbeschäftigten im zweiten Quartal drückte. Auch dürfte mit der Chemie-Industrie, die ab September bundesweit verhandelt, eine weitere Branche mit kräftigem Lohnplus folgen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. August 2018 um 11:37 Uhr.

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