Silhouette von Gerüsten und Gebäuden an einer Baustelle in Teheran | Bildquelle: AP

Beziehungen mit dem Iran Kaum noch Geschäfte

Stand: 18.01.2020 05:19 Uhr

Vor ein paar Jahren war der Iran ein vielversprechender Handelspartner, doch das hat sich geändert. Denn wer mit dem Land Geschäfte machen will, geht ein hohes Risiko. Nur noch wenige deutsche Firmen sind im Iran präsent.

Von Eva Macht, SWR

Präzise fräst sich die Monstermaschine durch das Gestein. Der gehärtete Stahl schafft Meter für Meter Raum. Am Ende entsteht ein Tunnel, wie der Gotthard Basis-Tunnel in der Schweiz oder die U-Bahn-Linie Crossrail in London. So hätte es auch im Iran laufen sollen. Ein Autobahntunnel, geschaffen von den sogenannten Tunnelvortriebsgeräten der Firma Herrenknecht. Doch die Firma aus Schwanau in Baden-Württemberg kann ihre Maschine am Ende doch nicht verkaufen. "Wir verzichten auf ein Geschäft mit einem Auftragsvolumen von rund 20 Millionen Euro", sagte Vorstandschef Martin Herrenknecht damals. Der Vertrag habe unterschriftsreif vorgelegen. "Wir hätten uns der Gefahr ausgesetzt, auf eine Blacklist zu kommen", so Herrenknecht.

Unternehmen auf der schwarzen Liste

Das war im Jahr 2018. Schuld war die politische Weltlage. US-Präsident Donald Trump hatte das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt und allen Ländern, die weiterhin mit dem Iran Geschäfte machen, Strafmaßnahmen angedroht. Die sogenannte Blacklist, ist eine schwarze Liste mit Unternehmen, die aus Sicht der USA gegen Sanktionen verstoßen.

Seither haben die Geschäftsbeziehungen abgenommen. Jetzt nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA hat sich die Situation noch weiter verschärft. Aktuell sind nur noch etwa zwei Dutzend deutsche Firmen im Iran präsent.

Dagmar von Bohnstein, Geschäftsführerin der deutsch-iranischen Handelskammer, hat ihren Arbeitsplatz in Teheran und bewertet die aktuelle Situation so: "Wirtschaft braucht Stabilität. Daher ist die aktuelle Lage Gift für Aktivitäten der deutschen Wirtschaft im Iran."

Deutlicher Rückgang der Export-Import Geschäfte

Die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes sprechen für sich: Allein von Januar bis Oktober 2019 verringerten sich die deutschen Exporte in den Iran verglichen mit dem Vorjahr um die Hälfte auf 1,2 Milliarden Euro. Die iranischen Ausfuhren nach Deutschland sanken um 56 Prozent auf 174 Millionen Euro. Nach der Eskalation Anfang Januar ist der Export in den Iran nahezu zum Erliegen gekommen.

Auch bei der baden-württembergischen Firma Herrenknecht gibt es derzeit keine Überlegungen, wieder Geschäftsbeziehungen in den Iran aufzunehmen und das, obwohl Baden-Württemberg mit dem Iran traditionell gute wirtschaftliche Handelsbeziehungen hatte. Doch im Jahr 2019 lag der Iran nur noch auf Platz 77 der Ausfuhrländer Bade-Württembergs.

"Durch die in den letzten Jahren neu aufgekommenen Spannungen sind die Geschäfte fast vollkommen zum Erliegen gekommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Situation zwischen den USA und dem Iran zeitnah deeskaliert werden kann", sagt die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut. Nach wie vor schrecken fast alle Unternehmen vor den Sanktionsdrohungen der US-Regierung gegen Firmen mit Iran-Geschäft zurück. Kein deutsches Unternehmen will sich die Geschäfte in den USA verderben. Das kann und will sich die exportorientierte deutsche Wirtschaft schlicht nicht leisten.

Immerhin summieren sich die deutschen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten auf 335 Milliarden Euro. Die in den Iran auf nur 405 Millionen Euro - nach den Zahlen der Außenhandelsorganisation German Trade and Invest (GTAI). Ein krasses Missverhältnis also von 800 zu 1.

Vom Finanzstrom abgekoppelt

Ein weiteres Problem für die Unternehmen: Der Iran ist von den internationalen Finanzströmen praktisch abgekoppelt. Es finden sich keine Banken mehr, über die Geschäfte verrechnet werden könnten. Die EU wollte gegensteuern, denn sie hält anders als die USA am Atomabkommen mit dem Iran fest. Sie wollte über eine Art Tauschbörse Irangeschäfte ermöglichen, die nicht unter die Sanktionen fallen - wie etwa Lebensmittel oder Medikamente.

Zu diesem Zweck hat die EU eine Zweckgesellschaft gegründet mit dem Namen Instex und mit Sitz im Finanzministerium in Paris. Doch bisher konnte kein einziges Irangeschäft über Instex verrechnet werden. So bleibt die Lage was die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran angeht düster, kein Hoffnungsschimmer in Sicht. Der Autobahntunnel im Iran wird nicht gebohrt werden - zumindest nicht von einer deutschen Firma.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Januar 2020 um 09:47 Uhr.

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