Kristalina Ivanova Georgiewa auf dem World Economic Forum im Januar 2019. | Bildquelle: REUTERS

Designierte IWF-Chefin Von einem Topjob zum nächsten

Stand: 03.08.2019 17:52 Uhr

Kristalina Georgiewa wird künftig den Internationalen Währungsfonds führen. Die Bulgarin gilt als schlagfertig. Schon zuvor hatte sie Topjobs bei der Weltbank und der EU-Kommission inne.

Von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Souverän, professionell, ehrgeizig und erfolgreich. So wird Kristalina Ivanova Georgiewa oft beschrieben, und das hat die 65-jährige Bulgarin nun an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebracht. In die Wiege gelegt war ihr das sicher nicht.

"Ich komme von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs. Ich erinnere mich noch gut, wie ich in der Früh um vier Uhr aufstehen musste, um mich für Milch für meine Tochter anzustellen", sagt sie.

Es ist also langer Weg von der selbst erlebten bulgarischen Planwirtschaft in die vielen internationalen Spitzenposten, die die versierte Ökonomin seitdem inne hatte. 2017 wird sie Geschäftsführerin der Weltbank, die sie einige Monate lang auch leitet. Sie bewegt die USA, das Eigenkapital der Bank um 13 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Eine solche Kapitalerhöhung hatte es in der Geschichte der Entwicklungsbank zuvor nicht gegeben.

Eines ihrer Anliegen ist Chancengleichheit

Sieben Jahre zuvor ist Georgiewa Kommissarin unter dem damaligen EU-Chef José Manuel Baroso. Sie ist zuständig für europäische humanitäre Hilfe und Krisenreaktion. In ihre Amtszeit fallen das schwere Erdbeben auf Haiti und die Überschwemmungen in Pakistan. Aber auch die Flüchtlinge, die zu Tausenden im Mittelmeer auf dem Weg nach Europa ertrinken.

Ab 2014 steigt Georgiewa zur Vizekommissionpräsidentin auf. Sie übernimmt die Verteilung des milliardenschweren EU-Haushalts. Die versierte Ökonomin aus Südosteuropa will Frauen fördern, auch in internationalen Organisationen: "Die immer noch existierende Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zwingt die Frauen, viel härter zu arbeiten. Sie müssen viel mehr von sich geben, um beruflichen Erfolg zu haben."

Wechsel zwischen Weltbank und EU-Kommission

Georgiewa wird 1953 in Sofia geboren. Ihre Eltern nennen sie Stalinka. Den Namen ändert sie Jahre später in Kristalina. Sie studiert politische Ökonomie und Soziologie am damaligen Institut für Ökonomie "Karl Marx". Und schon vor der Wende schafft sie es zeitweise an die renommierte London School of Economics.

Als der Kommunismus in Bulgarien zusammenbricht, hat sie ihre Doktorarbeit über Umweltschutz und Wirtschaftswachstum in den USA schon in der Tasche. 1977 bis 1993 lehrt sie an der Sofioter Uni für Volks- und Weltwirtschaft und macht immer wieder Auslandsausflüge als Gastprofessorin. Nach Yale, Harvard oder Peking.

1993 wechselt sie das erste Mal zur Weltbank nach Washington. Schwerpunkt Umweltschutz und soziale Entwicklung unter andrem in Fernost und im pazifischen Raum. Nach ihrer Zeit in der EU-Kommission kommt sie wieder zurück zur Weltbank, dieses Mal als Geschäftsführerin.

Bulgarien leidet unter Abwanderung

Brüssel oder die USA. Georgiewa lebt seit Jahren im Ausland, spricht fließend Englisch und Russisch. Die Heimat der neuen IWF-Chefin ist jedoch arm und leidet unter Abwanderung, Korruption oder fehlender Pressefreiheit. Georgiewa wurde sehr von der bulgarischen bürgerlich-konservativen Gerb-Regierung von Ministerpräsident Bojko Borrisow gefördert. Auch diese hat die genannten Probleme mit zu verantworten.

All dies ist ihr sicher bewusst. Mit Georgiewa hat der IWF nicht nur Südosteuropa an die Spitze gesetzt, sondern auch eine erfahrene Frau vom Balkan. "Wir haben ein gutes Sprichwort, dass für Beruf Politik und die Gesellschaft gilt: Wenn ein Problem diskutiert werden soll, holt die Männer. Wenn es gelöst werden soll, dann holt die Frauen."

Porträt Neue IWF-Chefin Kristalina Georigewa: Ich lebte hinterm Eisernen Vorhang
Andrea Beer, ARD Wien
03.08.2019 16:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. August 2019 um 20:00 Uhr.

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