Fehlender Impfstoff Gefahr für die Finanzstabilität?

Stand: 27.01.2021 17:48 Uhr

Gefährdet der eingeschränkte Zugang der Schwellenländer zu Corona-Impfstoffen die globale Finanzstabilität? Der Internationale Währungsfonds IWF warnt genau davor.

Engpässe beim Zugang zu Impfstoffen könnten die wirtschaftliche Erholung in Ländern mit niedrigen Einkommen beeinträchtigen - und damit die Finanzstabilität der ganzen Welt bedrohen. Dieses von Ökonomen bereits mehrfach geäußerte Szenario hat nun auch der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Finanzstabilitätsbericht aufgegriffen, der in Washington vorgestellt wurde.

"Eine ungleiche Verteilung von Impfstoffen könnte zu gefährlichen Schieflagen im internationalen Finanzystem führen", warnt der Fonds. Zwar habe es in den vergangenen Monaten Rekordzuflüsse von Geldern in die Volkswirtschaften vieler Schwellenländern gegeben. So seien die Börsen dieser Staaten seit Jahresbeginn laut dem MSCI-Index im Schnitt um acht Prozent gestiegen, was als Vertrauensbeweis in die Wirtschaft angesehen werde.

Furcht vor Kapitalflucht

Sollte sich jedoch die Covid-19-Pandemie in diesen Staaten mangels ausreichendem Impfstoff verschlimmern, könnte es ebenso rasch zu einer Kapitalflucht kommen, mit verheerenden Folgen für die wirtschaftliche Erholung, warnte Tobias Adrian, Leiter der Kapitalmarktabteilung des IWF.

Sollten einige dieser Staaten infolge eines erneuten Einbruchs ihrer Wirtschaft nicht mehr in der Lage sein, ihre Auslandsschulden zu zahlen, könne dies die globale Finanzstabilität erschüttern, so der IWF. Bestimmte Länder und Bankensysteme könnten dann in Schwierigkeiten geraten, so Adrian, auch weil sie den Zugang zum Kapitalmarkt wieder verlieren könnten.

Länder, deren Währungen großen Wechselkursschwankungen ausgesetzt seien, könnten besonders gefährdet sein. Dies betreffe einige Staaten in Südasien und im Nahen Osten. Weitere vom IWF festgestellte entscheidende finanzielle Stabilitätsrisiken sind Virusmutationen und politische Unruhen.

"Banken nicht Teil des Problems"

Der IWF äußerte sich auch besorgt darüber, dass das anhaltend niedrige Zinsniveau die Gewinne der Banken weiter belasten könnte, worunter die Kreditvergabe leiden könnte. Auch die befürchtete Pleitewelle vieler Unternehmen nach dem Ende der staatlichen Hilfsmaßnahmen könnte die Stabilität einiger Banken erschüttern.

Bisher jedoch zeige sich die Finanzbranche nach Einschätzung des IWF stabil. "Banken waren bisher nicht Teil des Problems", heißt es im Finanzstabilitätsbericht. "Die Banken sind mit viel Kapital und hohen Liquiditätspuffern in die Pandemie gegangen und haben sich bislang als widerstandsfähig erwiesen." Wichtig sei jedoch, dass die Regierungen ihre Corona-Hilfen nicht zu früh beenden. Erst müsse es ein nachhaltigeres Wachstum geben.

Der IWF hatte sich am Dienstag vergleichsweise optimistisch geäußert und seine Prognose für die Weltwirtschaft in diesem Jahr angehoben. Der Fonds sagt nun ein Wachstum von 5,5 Prozent voraus und damit eine starke Erholung von dem historischen Einbruch 2020.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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