Ein Brexit-Gegner hält ein Plakat mit der Aufschrift "Brexit: Is it worth it?" (lohnt sich der Brexit?)  | Bildquelle: dpa

Britische Wirtschaft IWF warnt vor Brexit ohne Deal

Stand: 17.09.2018 13:02 Uhr

Der Internationale Währungsfonds drängt Großbritannien, sich mit der EU zu einigen. Ein ungeregelter EU-Austritt könne der britischen Wirtschaft durch Währungsverfall und steigendes Staatsdefizit schaden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine Verständigung auf einen Brexit-Deal zwischen Großbritannien und der EU dringend angemahnt. Sollte eine Einigung nicht gelingen, dürften die britische Wirtschaft an Fahrt verlieren, das Pfund fallen und das Staatsdefizit steigen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in London.

Im Fall eines Deals werde das Bruttoinlandsprodukt laut IWF-Berechnungen in diesem und im nächsten Jahr um rund 1,5 Prozent zulegen. "Ein ungeordneter Abschied würde zu einem viel schlechteren Ergebnis führen."

Großbritannien will zum 29. März 2019 aus der EU austreten. Die Verhandlungen über die Scheidungsdetails sind allerdings zuletzt in Stocken geraten.

"Ein Scheitern nicht unmöglich"

Der britische Finanzminister Philip Hammond äußerte sich zuversichtlich, dass ein Deal im Herbst gelingen werde. Ein Scheitern sei aber nicht unmöglich. Vor allem der Status der Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland ist umstritten. In Großbritannien wurden zuletzt Warnungen vor den Folgen eines Brexit ohne Abkommen mit der EU laut, besonders die Wirtschaft auf der Insel fürchtet negative Auswirkungen.

Auch die britische Premierministerin Theresa May warnte in einem BBC-Interview erneut vor den potenziell chaotischen Folgen eines ungeordneten EU-Austritts. "Viele Unternehmen würden dann womöglich das Land verlassen", sagte sie.

In dem Interview forderte May die Brexit-Hardliner in den eigenen Reihen zur Gefolgschaft auf. Ein geregelter Austritt aus der EU sei nur auf Grundlage des von ihr vorgelegten Plans denkbar - "die Alternative wäre, überhaupt keinen Deal zu bekommen", warnte May.

May will weiter enge Beziehungen zur EU

Die Kritiker im Unterhaus dürften sich nicht der Illusion hingeben, dass Großbritannien in den Verhandlungen mit Brüssel eine bessere Lösung herausschlagen könne: "Glauben wir wirklich, dass uns die EU einen besseren Deal anbietet, wenn das Parlament sagt: 'Nein, geht zurück und holt mehr heraus?", sagte May.

Die Premierministerin machte klar, dass es aus ihrer Sicht keine Alternative zum sogenannten Chequers-Plan gibt, den sie im Sommer als Grundlage für den Brexit und die künftigen Beziehungen zur EU vorgelegt hatte.

Im rechten Flügel ihrer Partei stößt Mays Plan aber auf offene Kritik, weil er auch nach dem Austritt im März 2019 weiter enge Beziehungen zur EU vorsieht.

Viele offene Fragen

Inwieweit May ihre Vorstellungen gegenüber der EU durchsetzen kann, ist ohnehin unklar. In Brüssel gibt es schwere Bedenken gegen wichtige Punkte des Chequers-Plans - etwa, was die künftige Grenze zwischen Nordirland und Irland angeht.

Sollten sich Mays Unterhändler mit der EU doch noch auf eine Austrittsvereinbarung einigen, müsste danach das britische Unterhaus zustimmen. Ob dort eine Mehrheit zustande kommt, ist allerdings wegen der vielen Brexit-Hardliner in Mays konservativer Partei fraglich.

Einer ihrer Wortführer, der frühere Außenminister Boris Johnson, setzte seine Kritik fort und bezeichnete Mays Brexit-Plan in einem Meinungsbeitrag für den "Daily Telegraph" als "verfassungsrechtliche Scheußlichkeit".

IWF warnt vor No Deal Brexit
Anne Demmer, ARD London
17.09.2018 14:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. September 2018 um 12:00 Uhr.

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