Kommentar

Scheuers Fahrdienst-Pläne Gut für Uber, schlecht fürs Klima

Stand: 10.05.2019 18:00 Uhr

Von Scheuers Fahrdienst-Plänen würden vor allem Uber und Co. profitieren. Ein Mittel gegen den Verkehrskollaps wäre die Reform nicht - es kämen nur noch mehr Autos auf die Straße.

Ein Kommentar von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Was der Bundesverkehrsminister vorhat, klingt modern und digital - ist aber nicht sinnvoll. Andreas Scheuer will den Verkehr effizienter und klimaschonender machen. Also: weniger Autos auf Deutschlands Straßen. Mit seinen Plänen wird er aber das Gegenteil erreichen: mehr Autos. Denn die Maßnahmen werden vor allem Fahrdienstvermittlern wie Uber nutzen.

Studien zeigen schon jetzt: Uber, Lyft und Co. werden den Verkehrskollaps nicht abwenden. Sie bringen sogar noch mehr Autos auf die Straßen. Es sind nämlich vor allem Menschen, die sonst den Bus oder die Bahn genommen hätten, die auf Uber und Co. umsteigen. Die Konsequenz: Es gibt noch mehr Verkehr.

Und das könnte sich verschlimmern, denn Scheuer will Fahrdienstvermittler sogar noch fördern. Er will zum Beispiel die "Rückkehrpflicht für Mietwagen" aufheben. Das betrifft Anbieter wie Uber oder Lyft. Bisher müssen deren Fahrzeuge nach der Fahrt immer zum Betriebssitz zurückfahren. In Zukunft sollen Fahrer auch weiter auf der Straße herumfahren dürfen, bis sie einen neuen Kunden haben. Das schafft Anreize für Fahrdienstvermittler, noch mehr Autos loszuschicken.

Ungerechtigkeiten für Taxifahrer

Natürlich ärgern sich Taxifahrer jetzt. Uber und Co. haben ohnehin kaum Auflagen und jetzt soll es noch leichter für sie werden. Taxis müssen zum Beispiel so gut wie jeden mitnehmen. Uber-Fahrer können sich aussuchen, wen sie wollen. Außerdem müssen Uber-Fahrer noch nicht einmal prüfen lassen, ob sie sich in der Stadt, durch die sie fahren, auskennen. Noch eine Ungerechtigkeit: Taxiunternehmen unterliegen der Tarifpflicht, Uber zahlt mies. Die Fahrer haben meistens einen Stundenlohn weit unter dem deutschen Mindestlohn.

Wenn der Verkehrsminister wirklich etwas Digitales, Modernes auf den Weg bringen will, dann sollte er nicht Fahrdienste fördern, die nur noch mehr Autos auf die Straße bringen. Eine Lösung sind On-Demand-Sammeldienste: Das bedeutet: Ein Kleinbus nimmt mehrere Menschen mit, die in die gleiche Richtung fahren wollen.

Dass dieses sogenannte "Pooling" jetzt erlaubt werden soll, ist zwar ein richtiger Schritt. Wenn der Verkehrsminister aber gleichzeitig Uber und Co. fördert - also Fahrdienste, die wieder mehr Autos auf die Straße bringen -, ist das kontraproduktiv. Wer allein in einem Auto von A nach B gebracht werden will, kann das schon längst: in einem Taxi.

Kommentar: Scheuers Pläne nutzen Uber&Co. und helfen nicht gegen den Verkehrskollaps
Sophie von der Tann, ARD Berlin
10.05.2019 17:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2019 um 17:20 Uhr.

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