Ausbildungsmarkt Deutlich weniger Azubis

Stand: 14.04.2021 10:52 Uhr

Im Corona-Jahr 2020 haben so wenige junge Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den Regionen und Branchen.

Die Corona-Pandemie hat auch auf dem Ausbildungsmarkt tiefe Spuren hinterlassen. So haben im vergangenen Jahr so wenige Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes schlossen 2020 rund 465.200 Personen in Deutschland einen neuen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung ab. Das waren 9,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Statistiker führen den Rückgang auf den Ausbruch der Corona-Pandemie zurück. Zwar seien die Ausbildungszahlen seit Jahren tendenziell rückläufig, doch der aktuelle Einbruch sei in seiner Höhe bislang einzigartig. 

Stärkerer Rückgang als 2009

Tatsächlich ist der Rückgang stärker als 2009, als die Gesamtzahl der Neuverträge im Zuge der Finanzkrise um 7,6 Prozent geschrumpft war. Außerdem zählten die Statistiker seit 1991, als erstmals die Daten von West- und Ostdeutschland zusammengeführt wurden, keinen niedrigeren Stand an neuen Lehrverträgen. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, zeigte sich angesichts der Zahlen besorgt: "Azubis, die jetzt nicht ausgebildet werden, fehlen in der Zukunft als Fachkräfte", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Auffallend ist auch, dass bei den Frauen die Zahl der Neuverträge in der dualen Ausbildung stärker zurückgegangen ist (um 10,2 Prozent) als bei den Männern (minus 8,9 Prozent). Damit seien 2020 gut ein Drittel aller neuen Verträge von Frauen und knapp zwei Drittel von Männern abgeschlossen worden, so das Statistikamt.

Einbruch in Hamburg besonders stark

Deutliche Unterschiede gibt es auch im Ländervergleich. Zwar ist die Zahl der Neuverträge in allen Bundesländern rückläufig, doch die prozentuale Höhe des Rückgangs unterscheidet sich zum Teil erheblich. Während in Hamburg (minus 13,5 Prozent) und im Saarland (minus 12,4 Prozent) die Zahlen am stärksten abnahmen, fiel der Rückgang in Brandenburg mit minus 2,8 Prozent und in Sachsen (minus 4,8 Prozent) am geringsten aus.  

Auch beim Blick auf die Entwicklung in den einzelnen Branchen offenbaren sich große Differenzen. Während es in der Landwirtschaft sogar einen leichten Zuwachs um 500 Verträge gab, sank die Zahl in allen übrigen Branchen zum Teil erheblich, Besonders betroffen waren Industrie und Handel, wo knapp zwölf Prozent weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Im Handwerk ging es um 6,6 Prozent bergab. Den Rückgang im Handel erklären die Statistiker damit, dass dieser Bereich wegen der monatelangen Einschränkungen mit Schließungen der allermeisten Läden besonders unter der Pandemie zu leiden hat.

Insgesamt befanden sich am 31. Dezember 2020 nach vorläufigen Ergebnissen rund 1,289 Millionen Personen in einer dualen Berufsausbildung. Im Vergleich zu 2019 (1,329 Millionen) ist die Zahl der Auszubildenden damit ebenfalls rückläufig.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. April 2021 um 11:00 Uhr.

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