Vor allem Mehrfamilienhäuser Bauboom in Deutschland - trotz Corona

Stand: 25.02.2021 13:01 Uhr

Trotz Corona erzielte die deutsche Baubranche im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz. Bei großen Projekten scheint es rund zu laufen, aber bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist der Trend rückläufig.

Beim Wohnungsbau verfestigt sich ein Trend: Seit 2005 sinkt der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern zugunsten von Unterkünften in Mehrfamilienhäusern. Im Jahr 2015 entstanden erstmals seit 1997 wieder mehr Wohnungen in Mehrfamilien- als in Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Bestand dominieren hingegen noch die Einfamilienhäuser, die zwei Drittel (66,7 Prozent) aller Wohngebäude ausmachen.

Im Jahr 2019 waren von den insgesamt rund 256.000 fertiggestellten Wohnungen 40 Prozent in Ein- und Zweifamilienhäusern. 2019 wurden rund 14.400 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt rund 143.000 Wohnungen fertiggestellt. Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt 78 Quadratmetern. Wohnungen in neuen Einfamilienhäusern waren mit durchschnittlich 152 Quadratmeter fast doppelt so groß.

Stuttgart liegt hinten

Von den insgesamt 288.000 Wohnungen, die von Januar bis November 2020 genehmigt wurden, sollen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 169.000 in Mehrfamilienhäusern entstehen. Das entspricht einem Anteil von 59 Prozent. 109.000 genehmigte Wohnungen entstehen in Ein- und Zweifamilienhäusern, ein Anteil von 38 Prozent. Die übrigen Genehmigungen betrafen Wohnheime.

Der Anteil von Einfamilienhäusern in Großstädten ist in Stuttgart mit 35,4 Prozent am geringsten. Es folgen mit jeweils 40,1 Prozent Düsseldorf, Frankfurt am Main und Gelsenkirchen.

Deutschland baut wie noch nie

Die Corona-Pandemie hat die Bautätigkeit in Deutschland aber nicht behindert. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche einen Rekordumsatz von 98,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 6,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ermittelt wurden die Zahlen durch eine Umfrage unter 9100 Betrieben mit je mindestens 20 Beschäftigten.

Auch bei der Beschäftigungszahl gab es einen Zuwachs: Durchschnittlich waren bei den Baubetrieben im Jahr 2020 505.000 Personen beschäftigt, ein Plus von rund 18.000 gegenüber dem Vorjahr.

  

Rückschlag beim gewerblichen Bau

Auch die Daten, die Aufschluss über die künftige Entwicklung der Branche geben sollen, fielen positiv aus. Die Aufträge wuchsen 2020 trotz Pandemie das sechste Jahr in Folge. Im Bauhauptgewerbe nahmen sie um 0,5 Prozent zu. "Das sehr hohe Volumen der Auftragseingänge von 2019 konnte durch das nominale Plus 2020 nochmals gesteigert werden", heißt es in der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Preisbereinigt sei der Auftragsumsatz indes um 2,6 Prozent gesunken.

Zeigt der Trend zum Homeoffice Wirkung, oder müssen die Unternehmen wegen der Pandemie sparen und verschieben Investitionen für Bürogebäude oder Fabriken auf die Nach-Corona-Zeit? Die aktuellen Daten zeigen jedenfalls, dass es beim gewerblichen Bau einen Rückgang gab. Hier schrumpfte der Auftragsumsatz um 4,8 Prozent, während der boomende Wohnungsbau ein Plus von 7,6 Prozent verzeichnete.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Februar 2021 um 13:42 Uhr.

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