Ein Angestellter mit Mundschutz verrichtet seine Arbeit im Werk eines Herstellers von leichten Nutzfahrzeugen und Wohnmobilen in Atessa (Italien) | Bildquelle: dpa

Ifo-Geschäftsklimaindex Optimismus dank voller Auftragsbücher

Stand: 18.12.2020 17:22 Uhr

Während viele Dienstleister unter den Beschränkungen der Pandemie leiden, sind die Auftragsbücher der Industrie gut gefüllt. Das sorgt für Zuversicht, wie der neueste Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt.

Trotz des aktuellen Lockdowns hat sich der monatlich ermittelte Ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember verbessert. Er kletterte, nach zuvor zwei Rückgängen in Folge, überraschend um 1,2 auf 92,1 Punkte, wie das Münchner Institut mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Minus auf 90,0 Punkte gerechnet.

"Zwar trifft der Lockdown einzelne Branchen hart", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die deutsche Wirtschaft insgesamt zeigt sich jedoch widerstandsfähig." Die vom Ifo-Institut befragten 9000 Manager und Unternehmer beurteilten sowohl die Aussichten als auch die Geschäftslage optimistischer als zuletzt.

Chemie und Maschinenbau treiben die Wirtschaft an

Grund für die aufgehellte Stimmung ist vor allem die Lage in der Industrie. "Die Auftragslage dort ist sehr gut", sagte Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. "Die Zufriedenheit mit dem Auftragsbestand nimmt immer weiter zu." Dieser liegt wieder merklich über dem Niveau von Februar - dem Monat vor Krisenbeginn in Deutschland. Die Exporterwartungen legten leicht zu.

"Die Nachfrage ist aber im Moment vor allem inlandsgetrieben", sagte Wohlrabe, der die chemische Industrie und die Maschinenbauer als wichtigste Wachstumstreiber sieht. Davon profitierten auch Dienstleister wie Transportwesen und Logistik, die dadurch und wegen des florierenden Online-Handels mehr zu tun hätten.

BIP im vierten Quartal nur leicht im Minus

Im Handel besserte sich die Stimmung ebenfalls - allerdings ging die große Mehrheit der Antworten der Manager vor der Verschärfung des Lockdowns ein. In den davon besonders betroffenen Unternehmen - etwa im Gastgewerbe und in der Reisebranche - sei die Lage nach wie vor "katastrophal".

Dennoch dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zu Ende gehenden vierten Quartal durch den am Mittwoch verschärften Lockdown schrumpfen. Die Münchner Forscher erwarten lediglich ein Minus von 0,4 Prozent, dem im ersten Quartal 2021 schon wieder ein Wachstum von 0,6 Prozent folgen soll. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung noch um 9,8 Prozent eingebrochen. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet das Ifo-Institut ein Wachstum von 4,2 Prozent, nach einem Einbruch von voraussichtlich 5,1 Prozent im zu Ende gehenden Jahr.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 in der Wirtschaft am 18. Dezember 2020 um 16:30 Uhr.

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