Öffentliche Schulden 26.128 Euro Schulden pro Kopf

Stand: 25.03.2021 14:14 Uhr

Die Bewältigung der Coronakrise kommt den Staat teuer zu stehen: Die Schulden von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen sind zum Jahresende 2020 auf 2,2 Billionen Euro in die Höhe geschnellt.

Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände sowie Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte standen zum Jahresende mit 2171,8 Milliarden Euro in der Kreide, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Dies entspricht rechnerisch einer Pro-Kopf-Verschuldung von 26.128 Euro. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag dieser Betrag bei 22 857 Euro.

Damit erhöhten sich die Verbindlichkeiten um 14,4 Prozent oder 273,1 Milliarden Euro im Vergleich zu 2019. "Der Anstieg ist im Wesentlichen in der Aufnahme finanzieller Mittel zur Bewältigung der Coronakrise begründet", erklärte das Statistikamt. Milliarden fließen etwa an Unternehmen und Selbstständige.

Große regionale Unterschiede

Am stärksten war der Schuldenzuwachs auf Bundesebene. Um 18,1 Prozent stiegen die Schulden des Bundes im Vergleich zu Ende 2019, auf einen Gesamtbetrag von 1,4034 Billionen Euro. Die Schulden der Bundesländer stiegen im vergangenen Jahr 2020 um 9,9 Prozent auf rund 635,8 Milliarden Euro.

Am stärksten stieg die Verschuldung in Sachsen mit 344 Prozent - das Bundesland verabschiedete einen Zusatzhaushalt zur Bewältigung der Coronakrise. Am niedrigsten war der Schuldenzuwachs in Sachsen-Anhalt mit 1,6 Prozent.

Auch die Schulden der Gemeinden stiegen im Jahr 2020, allerdings nur um 0,9 Prozent oder rund 1,1 Milliarden Euro auf insgesamt 132,5 Milliarden Euro. Hier gab es ebenfalls große regionale Unterschiede: Während die Schulden der Gemeinden besonders in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen stiegen, sanken sie im Saarland, in Sachsen und Brandenburg.

Schuldenberg wird immer größer

Experten gehen davon aus, dass der Schuldenberg im Zuge der anhaltenden Coronakrise noch wachsen wird. "Es wird in diesem Jahr einen weiteren Anstieg geben", sagte Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Allein der Bund plant für 2021 mit einer Rekord-Neuverschuldung von 240 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr waren es 130,5 Milliarden Euro.

Für 2022 sieht der neue Etatentwurf eine Kreditaufnahme über 81,5 Milliarden Euro vor. Erst 2023 soll die Schuldenbremse laut der mittelfristigen Finanzplanung der Regierung mit einer Neuverschuldung von 8,3 Milliarden Euro regulär wieder eingehalten werden.

Wie so vieles hängt auch die finanzielle Zukunft des deutschen Staates vom weiteren Pandemieverlauf ab. Sollte die Konjunktur wieder Tritt fassen und die Staatsfinanzen im kommenden Jahr auf den alten Pfad zurückkehren, könne um Steuererhöhungen herumgekommen werden, glaubt IfW-Experte Boysen-Hogrefe, der seit 2011 dem Arbeitskreis Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen angehört. "Dann reicht es schon, bei den Ausgaben nicht alles durchzuwinken."

Über dieses Thema berichteten am 24. März 2021 die tagesschau um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk am 25. März 2021 um 07:20 Uhr.

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