NRW-Ministerpräsident Armin Laschet | Bildquelle: dpa

Werk soll schließen Laschet wirft Continental "kalten Kapitalismus" vor

Stand: 26.09.2020 17:05 Uhr

Der Bewerber für die Kanzlerkandidatur der Union spart nicht mit Manager-Schelte: Armin Laschet hat die Führungsspitze des Autozulieferers Continental wegen einer geplanten Werksschließung in Aachen frontal angegriffen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat den Automobilzulieferer Continental wegen der geplanten Schließung eines Werks in Aachen scharf kritisiert. Eine Fabrik zu schließen, ohne vorher mit der Gewerkschaft und dem Land zu reden, sei "kalter Kapitalismus", sagte Laschet auf einer Kundgebung. Rund 1500 Menschen demonstrierten gegen die Pläne des Konzerns, die Reifenproduktion an dem Standort einzustellen.

Das Vorgehen des Unternehmens entspreche nicht der Tradition von Sozialpartnerschaft in Nordrhein-Westfalen, sagte Laschet. Die Autobranche erwarte Milliardenhilfen vom Staat. "Ist es wirklich euer Ernst, alle eure Gesprächspartner so zu brüskieren und einfach ein Werk zu schließen?", hielt der Ministerpräsident dem Continental-Vorstand vor. Für Einsparungen gebe es "intelligente Lösungen". Der Konzern könne den Personalabbau auch auf mehrere Standorte verteilen.

Konzern verweist auf hohe Kosten

Continental begründet seine Pläne mit hohen Kosten in der Reifensparte und einer zu geringen Auslastung der Produktion. Der Markt in Europa sei rückläufig. Betroffen von einer Schließung des Werks wären rund 1800 Mitarbeiter.

Der Continental-Aufsichtsrat will am Dienstag und Mittwoch über die Zukunft des Standorts beraten. Der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, sagte bei der Kundgebung: "Aachen ist ein hochmodernes Werk, das schwarze Zahlen schreibt." Es in einer "Hauruck-Aktion" dicht machen zu wollen, sei "kühler Zynismus".

Insgesamt 13.000 Jobs bedroht

Das Werk in Aachen gilt als profitabel. Laut Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sind die Produktionskosten dort aber bis zu 60 Prozent höher als in anderen europäischen Conti-Werken.

Der Konzern hat vor, pro Jahr rund eine Milliarde Euro einzusparen. Alleine in Deutschland stehen etwa 13.000 Jobs auf der Kippe. Die gesamte deutsche Autozulieferer-Branche steht wegen der Corona-Krise, den Absatzproblemen der Autohersteller und dem Umstieg auf die Elektromobilität unter enormem Druck. Continental hatte zuletzt im operativen Geschäft einen Quartalsverlust von 634 Millionen Euro vermelden müssen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2020 um 17:00 Uhr.

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