Die Lastenräder der teilnehmenden Paketdienstleister stehen vor den Containern des Umschlagplatzes. | Bildquelle: picture alliance / Sina Schuldt/

Paketzustellung in Berlin Lastenrad statt Laster

Stand: 30.05.2018 19:22 Uhr

Pakete, die mit dem Fahrrad geliefert werden - und nicht mehr mit dem Auto: In Berlin testen fünf große Paketzusteller ein Jahr lang, ob das geht. Bundesumweltministerin Schulze hofft auf Nachahmer.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Eine frühere Brachfläche neben einer Straßenbahn-Wendeschleife, mitten in der dichtbebauten Berliner Innenstadt: Fünf Schiffscontainer stehen hier, je einer für DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS - für die großen Paketdienste also, deren Autos überall zum Stadtbild gehören.

Nur wollen sie hier künftig nicht mehr per Auto ausliefern, sondern per Fahrrad, sagt Gerd Seber von DPD: "Denn wir stellen fest, dass wir in den Innenstädten aufgrund der Verkehrssituation, der Verdichtung der Städte mehr und mehr Probleme haben, uns mit großen Fahrzeugen im Stadtgebiet zu bewegen. Ein Fahrrad bietet sich an, um aus dem normalen Verkehr herauszukommen: Ich darf Radwege benutzen, ich kann näher zum Kunden fahren."

Und deshalb sei das Lastenrad in den Gebieten, wo es von der Paketstruktur und der Besiedlungsstruktur passt, "eine ernsthafte Alternative, wenn sich solche Locations finden lassen".

"Solche Locations" heißt: Umschlagplätze wie das landeseigene Grundstück, das Berlin für den Modellversuch zur Verfügung stellt. Jeder Paketdienst schickt morgens einen Laster, die Pakete werden in die Container umgeladen, aus denen sich dann die Fahrradboten bedienen. Die beliefern einen Umkreis von zwei bis drei Kilometern.

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (zweite von rechts) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (ganz rechts) stehen vor den Containern des neuen Umschlagplatzes für die Paketzustellung mit Lastenrädern. | Bildquelle: dpa
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Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (zweite von rechts) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (rechts) geben den Startschuss für das Modellprojekt.

Pakete im Mikrodepot

Und wenn alles zugestellt ist, weil auf ein Rad eben doch deutlich weniger passt als in ein Auto, holen sie Nachschub, erklärt Marc Rüffer von DHL: "Wenn ich mit einer ersten Box in meinen Bezirk gefahren bin, die Auslieferung getätigt habe, komme ich zurück und würde hier auf unserem Mikrodepot heraus nachladen, so dass ich dann hochskalieren kann, dass wir genau auf eine Menge von Paketen kommen, die ich im normalen Paketzustellfahrzeug auch zustelle."

Das heißt: Gute Logistik vorausgesetzt, schafft ein Bote mit Lastenrad in einer Schicht genauso viele Pakete wie einer mit Kleinlaster. Das funktioniert so nur in den dichtbebauten Innenstädten. Aber die machen den Paketdiensten eben auch die meisten Sorgen: Stichwort Diesel-Diskussion.

"Wenn wir jetzt nur darüber nachdenken, über Verbotszonen, Einfahrtsverbote in Innenstädte, ist das natürlich ein absolut super Vehikel, um auch hier wirklich Innenstädte weiter zu bedienen - für Zustellungen oder auch Abholungen", ergänzt Rüffer.

Auf einem Lastenrad wird Gemüse transportiert. | Bildquelle: dpa
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Auf einem Lastenrad wird Gemüse transportiert.

Umweltministerium hofft auf Nachahmer

Angestoßen wurde das Modellprojekt vom Land Berlin. Planung und Bau des Depots hat das Bundesumweltministerium bezahlt: 400.000 Euro kamen aus dem Haus von Ministerin Svenja Schulze, die sich Nachahmer wünscht: "So was wie hier, oder Ähnliches, das unterstützen wir - auch gerne in anderen Städten. Dafür ist Geld im Haushalt vorhanden."

Ein Jahr lang wird das gemeinsame Depot in Berlin jetzt getestet, dann rechnen Stadt und Paketdienste nach, was es gebracht hat. DHL und Co. sind aber ziemlich zuversichtlich, dass sich die Zustellung per Fahrrad nicht nur für genervte Innenstadt-Bewohner auszahlt, sondern auch für sie.

Berliner Modellprojekt: Ein Lastenfahrrad ersetzt einen Lieferwagen
Alex Krämer, ARD Berlin
30.05.2018 17:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 30. Mai 2018 um 18:22 Uhr.

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