Friseurin bei der Arbeit: Vor allem untere Einkommensgruppen haben Einbußen. | Bildquelle: dpa

Einbruch der Konjunktur Corona-Krise lässt die Löhne sinken

Stand: 22.09.2020 16:12 Uhr

Vor allem Geringverdiener haben die Folgen der Pandemie finanziell zu spüren bekommen. Die Reallöhne sind im Frühjahr um 4,7 Prozent zurückgegangen. Doch es gibt Grund zu Hoffnung.

Die Löhne in Deutschland sind wegen der Corona-Rezession im Rekordtempo geschrumpft. Die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen waren im zweiten Quartal um 4,0 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Verbraucherpreise legten zugleich um knapp 0,8 Prozent zu. Nach Abzug der Inflation sanken die Löhne real um 4,7 Prozent.

"Es ist die historisch stärkste Abnahme der Nominal- und auch der Reallöhne im Vorjahresvergleich seit Beginn der Zeitreihe 2007", hieß es von den Statistikern. Sie falle stärker aus als in der Finanzkrise 2008/2009.

"Da das gezahlte Kurzarbeitergeld nicht zum Lohn gerechnet wird, führt das rein statistisch zu fallenden Löhnen pro Beschäftigten", sagte der Wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. "In den verfügbaren Einkommen spiegelt sich dieser Rückgang glücklicherweise nicht in gleichem Maße wieder." Das zeige die stabilisierende Bedeutung des Kurzarbeitergeldes.

Wochenarbeitszeit geht zurück

Hauptgrund für die negative Lohnentwicklung ist die verkürzte Arbeitszeit: Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer die bezahlte Wochenarbeitszeit um 6,2 Prozent auf durchschnittlich 36,8 Stunden. Die Wirtschaftsleistung war im Frühjahr wegen der Maßnahmen im Kampf gegen Corona mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik.

Experten gehen davon aus, dass sich mit der wirtschaftlichen Erholung auch das Bild bei den Löhnen aufhellt. Schon im Sommerquartal dürfte sich im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt ein Lohnplus eingestellt haben. Allerdings verharre das Niveau noch unter dem im Vorjahreszeitraum, sagte IMK-Direktor Dullien.

Ohne gelockerten Bedingungen zur Kurzarbeit würden die verfügbaren Einkommen zurückgehen. Dies wäre zulasten des Konsums und der wirtschaftlichen Erholung. Untere Einkommensgruppen waren am stärksten von Lohneinbußen betroffen. Bei un- und angelernten Arbeitnehmern in Vollzeit sanken die bezahlten Arbeitsstunden um 9,8 beziehungsweise 9,4 Prozent. Die Verdienste reduzierten sich für diese beiden Gruppen um 7,4 beziehungsweise 8,9 Prozent.

Einzelhandel und Gastgewerbe besonders betroffen

Dullien führt dies darauf zurück, dass solche Jobs oft in besonders betroffenen Branchen wie Einzelhandel oder Gastgewerbe anzutreffen sind. Dort lässt sich die Arbeit auch besonders schwer im Homeoffice erledigen. Bei Arbeitnehmern in leitender Stellung gingen sowohl Verdienste (minus 2,0 Prozent) als auch Wochenarbeitszeit (minus 3,0 Prozent) deutlich weniger stark zurück.

Seit Beginn der Statistik 2007 stiegen die Löhne bis 2019 insgesamt um 33,0 Prozent. In den ostdeutschen Ländern fiel das Plus mit 41,0 Prozent stärker aus als im Westen mit 32,1 Prozent. Trotzdem besteht ein großes Gefälle: Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst mit Sonderzahlungen lag bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern im Westen bei 54.550 Euro und im Osten bei 41.534 Euro, was fast ein Viertel weniger ist.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 22. September 2020 um 16:00 Uhr.

Darstellung: