In Frankfurt geparkte Lufthansa-Maschinen (Juni 2020) | Bildquelle: AFP

Erstattung von Flugtickets Regierung macht Druck auf Lufthansa

Stand: 08.08.2020 17:14 Uhr

Viele warten noch immer auf die Erstattung von Tickets für stornierte Lufthansa-Flüge. Die Bundesregierung kritisiert nun scharf, dass die Airline trotz immenser Staatshilfe Kunden immer noch nicht ihr Geld zurückgezahlt hat.

Die Bundesregierung hat die Lufthansa wegen der zögerlichen Erstattung von Flügen, die wegen der Corona-Krise ausgefallen sind, scharf kritisiert. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Lufthansa trotz der massiven staatlichen Hilfen ihren gesetzlichen Verpflichtungen bislang nicht nachkommt und den Kunden ihre Gelder nicht unverzüglich zurückzahlt", sagte Wirtschaftsstaatsekretär Ulrich Nußbaum dem "Spiegel".

Es gehe um eine "Frage des Vertrauens", sagte Nußbaum. Schon bei den Verhandlungen über das Hilfspaket sei über dieses Thema gesprochen worden, der Bundesregierung sei es "sehr wichtig". Der Staatssekretär war zusammen mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies federführend für die Verhandlungen über das Lufthansa-Paket zuständig. Die Airline erhält rund neun Milliarden Euro an staatlicher Hilfe zur Bewältigung der Corona-Krise.

Der "Spiegel" zitierte aus einer aktuellen Stellungnahme des Konzerns für das Luftfahrtbundesamt, wonach die Airline von 4,48 Millionen Erstattungsanträgen erst 3,24 Millionen bearbeitet habe. Rund 1,24 Millionen Anträge seien noch offen. Bei der Tochter Eurowings seien erst rund die Hälfte der 378.000 Anträge auf Erstattung bearbeitet worden.

Erstattung in Höhe von einer Milliarde Euro steht noch aus

Lufthansa räumte die Probleme ein: "Trotz enormer Anstrengungen" sei es nicht gelungen, die eigenen Ansprüche und die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, zitierte das Magazin aus dem Schreiben. Einer der Gründe sei die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit eines Callcenter-Dienstleisters in Indien wegen des dortigen Lockdowns.

Eine Lufthansa-Sprecherin erklärte nach den Äußerungen Nußbaums, insgesamt seien im Jahr 2020 für die gesamte Lufthansa-Gruppe bisher mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt worden. Flüge aus den Monaten März und April seien bereits weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stünden noch aus.

Hohe Geldstrafe möglich

Das Luftfahrtbundesamt hat laut "Spiegel" bereits ein Ordnungswidrigkeitverfahren gegen die Lufthansa eingeleitet. Nachdem das Unternehmen der Behörde erste Informationen über die ausgebliebenen Erstattungen übermittelt habe, halte diese eine Geldstrafe zwischen einer halben und einer Million Euro für angemessen, berichtete das Magazin.

Nach den massenhaften Flugausfällen in der Corona-Krise mussten Tausende Verbraucher auch Wochen und Monate später noch auf die rechtlich eigentlich verbindliche Erstattung ihrer Tickets warten - und viele warten immer noch. Verbraucherschützer und Flugrechtsportale sind sich einig, dass die Airlines mit wenigen Ausnahmen die Zahlungen absichtlich verzögert haben.

Gutscheine müssen nicht akzeptiert werden

In Folge der Corona-Pandemie war der Luftverkehr Mitte März nahezu vollständig zusammengebrochen, und Tausende Flüge wurden storniert. Grundsätzlich müssen die Gesellschaften den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen erstatten. Lufthansa und andere Gesellschaften hatten hingegen zunächst darauf gesetzt, die Kunden mit Gutscheinen abzufinden. Dies scheiterte aber an der EU-Kommission. Anfang Juli wurde dann im Bundestag ein Gesetz beschlossen, wie solche Gutscheine ausgestaltet sein müssen. Annehmen muss sie aber niemand, Verbraucher können sich das Geld immer noch erstatten lassen.

Bundesregierung kritisiert Lufthansa wegen schleppender Ticket-Erstattung
Lothar Lenz, ARD Berlin
08.08.2020 18:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. August 2020 um 16:24 Uhr.

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