Eine Frau stellt Schalen mit Fisch-Mahlzeiten auf ein Tablett in der Produktion der LSG Sky Chefs

Immer weniger Mahlzeiten an Bord Lufthansa-Tochter streicht bis zu 2400 Stellen

Stand: 08.06.2016 17:05 Uhr

Immer mehr Fluglinien verzichten auf Mahlzeiten an Bord oder bieten sie nur noch gegen Aufpreis an. Die Folge: Die Catering-Tochter der Lufthansa, LSG Sky Chefs, will bis zu 2400 Jobs abbauen, einen Großteil davon in Deutschland.

Wegen der schleppenden Geschäfte mit Bordmahlzeiten will die Catering-Tochter der Lufthansa massiv Stellen abbauen. Die Strukturen von LSG Sky Chefs seien nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Der Vorstand habe einen Konzeptvorschlag erarbeitet, der bis 2021 die Streichung von bis zu 2400 Stellen in Europa vorsehe, davon 1700 der 5500 Stellen in Deutschland. Die Zahl der Standorte in Europa könnte auf sieben von 23 reduziert werden. Sie bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Pläne seien in einer frühen Konzeptphase, Entscheidungen seien noch keine getroffen worden.

Seit Monaten Einstellungsstopp

Mit dem größten Teil der eventuell betroffenen Mitarbeiter seien bereits Vereinbarungen über Altersteilzeit oder den Renteneintritt abgeschlossen worden, sagte die Sprecherin. Bereits beschlossen sei das Outsourcing des Bereichs Spüle in Frankfurt sowie die Schließung der Betriebe in Dresden zum Jahresende 2016 und Bremen zum Jahresende 2017. In Frankfurt seien davon 95 Mitarbeiter betroffen, in Bremen 41 und in Dresden drei. Darüber hinaus gelte seit einigen Monaten ein Einstellungsstopp.

Die Gewerkschaft ver.di pocht hingegen auf einen Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bei der LSG Sky Chefs bis Ende 2020 ausschließe. "Das ist ein klarer Vertrauensbruch", kommentierte ein ver.di-Sprecher das Vorhaben. Die Beschäftigten hätten beim Tarifabschluss im Jahr 2013 auf Geld verzichtet, um ihre Arbeitsplätze zu behalten. "Die Pläne können so nicht umgesetzt werden", sagte der Sprecher.

Container von LSG Sky Chefs stehen an einer Boeing 747-8i der Lufthansa an einem Gate am Frankfurter Flughafen.
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Auf langen Strecken - hier wird eine Boeing 747-8 der Lufthansa beladen - sind warme Mahlzeiten immer noch Standard. Auf Kurz- und Mittelstrecke ist das aber inzwischen die Ausnahme.

Mahlzeiten meist nur noch zum Kauf

In Tschechien will der Weltmarktführer für Flugzeugessen testen, ob eine zentrale Versorgung von Lufthansa-Economy-Flügen mit Bordmahlzeiten möglich ist. Fluggesellschaften haben angesichts der Konkurrenz durch Billigflieger den Service an Bord in den vergangenen Jahren drastisch zusammengestrichen. Auf Europa-Flügen werden Mahlzeiten, wenn überhaupt, meist nur noch zum Kauf angeboten.

LSG Sky Chefs erwirtschaftete 2015 mit weltweit gut 34.000 Mitarbeitern einen Umsatz von drei Milliarden Euro und erzielte einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern von 99 Millionen Euro. In der Vergangenheit hatte die Lufthansa wiederholt den Verkauf ihrer Catering-Tochter erwogen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Juni 2016 um 17:00 Uhr.

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